KTM Insolvenz und Sanierung : KTM-Strategiewechsel: CEO enthüllt Pläne für interne Innovationsschmiede
KTM möchte die Entstehung künftiger Modelle neu ordnen – und dazu gehört auch die Neuaufstellung des Gestaltungsprozesses.
- © Rudi Schedl / KTMVor rund zwei Monaten hat bei KTM eine neue Ära begonnen. Unter dem Dach des indischen Motorradriesen Bajaj, der ursprünglich vor allem als Produktionspartner agierte, erfährt das Unternehmen in Mattighofen derzeit eine tiefgreifende Umstrukturierung. Ziel ist es, KTM nach der schwierigsten Phase der vergangenen drei Jahrzehnte wieder nachhaltig zu stabilisieren. Die Produktion läuft mittlerweile wieder planmäßig, und laut Unternehmensangaben übertreffen die Verkaufszahlen der Lagerbestände die Erwartungen. Auch die Modelle, die noch vor Beginn der Restrukturierung präsentiert wurden, haben erfolgreich den Markt erreicht und wurden positiv aufgenommen.
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KTM baut eigenes Designzentrum in Salzburg auf – Fokus auf interne Entwicklung
Die neue Strategie steht unter dem Leitsatz „Fokussierung und Simplifizierung“. Ein zentraler Bestandteil dieser Neuausrichtung ist die interne Neugestaltung des Entwicklungsprozesses künftiger Modelle. Dieser soll künftig vollständig unternehmensintern erfolgen, wie KTM-CEO Gottfried Neumeister gegenüber SPEEDWEEK.com betont: „Wir bauen ein neues Designzentrum auf, für das wir schon die ersten Mitarbeiter eingestellt haben – und mit ihnen bauen wir ein eigenes Team auf. Damit kommen an dieser Stelle einige neue Arbeitsplätze dazu.“ Derzeit läuft eine Ausschreibung zur Erweiterung des Designteams.
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Das neue Designzentrum wird räumlich vom bisherigen Entwicklungsstandort in Mattighofen getrennt sein. Als künftiger Standort gilt der in Salzburg gelegene Premium-Workspace „Helix“, mit dem laut Neumeister bereits eine Einigung erzielt wurde. „Wir haben eine lässige Location gefunden“, so der KTM-Chef. Besonders wichtig sei, das vorhandene Know-how künftig im Unternehmen zu bündeln und strategisch zu verankern: „Wir nennen diesen Prozess Strategic Product Management und es ist in direkter Linie zum CEO fest in unserem Unternehmen verankert. Das sind Kernkompetenzen, die wir im Konzern haben und selbst steuern wollen.“
KTM setzt auf Inhouse-Design – Zusammenarbeit mit KISKA bleibt erhalten
Trotz der internen Neuaufstellung bedeutet dies keine vollständige Abkehr vom langjährigen Partner KISKA, dem Designstudio, das seit den 1990er-Jahren das Erscheinungsbild aller KTM-Modelle entscheidend geprägt hat. Vielmehr soll das neu entstehende Inhouse-Designteam künftig auch in Konkurrenz zu externen Agenturen – darunter KISKA – treten und frische Ideen entwickeln, wie es auch in der Branche üblich ist. „Wir gehen weg davon, den gesamten Produktplanungsprozess auszulagern, stattdessen soll der Großteil unserer Projekte bei uns intern verbleiben. Dennoch werden wir weiter mit KISKA zusammenarbeiten und auch mit anderen Agenturen“, erläutert Neumeister. „Der Vorteil an Agenturen wie KISKA ist, dass sie ein sehr breites Kundenportfolio haben […]. Dadurch verhindern wir, zu sehr im eigenen Sud zu kochen. Gleichzeitig haben unsere eigenen Abteilungen auch eine Referenz, was Ideen, Geschwindigkeit und Effizienz angeht.“
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Bestehende Entwicklungsprojekte bleiben von diesen Änderungen unberührt. Neumeister betont gegenüber Speedweek, dass die Umstellung nur im Schulterschluss mit den bisherigen Partnern gelingen könne: „Das bedeutet also nicht, dass wir aufhören, miteinander zusammenzuarbeiten – es wird aber sicher weniger sein, als es in der Vergangenheit war.“
Trotz Umsatzrückgang: Bajaj Mobility überrascht mit starkem Sanierungsgewinn
Parallel zur strategischen Neuausrichtung zeigt sich auch die finanzielle Lage der nun als Bajaj Mobility firmierenden Muttergesellschaft in neuem Licht. Zwar musste das Unternehmen im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatzrückgang von 46 Prozent auf 1 Milliarde Euro hinnehmen, dennoch wird ein Gewinn nach Steuern in Höhe von 590 Millionen Euro ausgewiesen. Laut Bajaj ist dies vor allem einem einmaligen Sanierungsgewinn von 1,19 Milliarden Euro zu verdanken. Der operative Gewinn (EBIT) belief sich auf beachtliche 748 Millionen Euro.
Auch die Bilanzkennzahlen entwickelten sich trotz des Umsatzrückgangs positiv: Das Eigenkapital beträgt 385 Millionen Euro, die Eigenkapitalquote stieg auf 24,3 Prozent. Die Nettoverschuldung sank auf 798 Millionen Euro. Zum Jahresende 2025 beschäftigte Bajaj Mobility 3.782 Mitarbeitende. Für das Jahr 2026 erwartet das Unternehmen weitere Fortschritte durch die Fokussierung auf das Motorrad-Kerngeschäft, „Effizienzsteigerung durch Kostenreduktion“ sowie eine „deutliche Umsatz- und Absatzsteigerung“, wie Bajaj betont.
Stellenabbau bei KTM: Palfinger zeigt Interesse an entlassenen Fachkräften
Im Zuge der Restrukturierung bleibt auch der KTM-Standort im Innviertel nicht von personellen Einschnitten verschont: Mehr als 300 Beschäftigte müssen das Unternehmen verlassen. Wie Stefan Seilinger, stellvertretender AMS-Leiter in Braunau, gegenüber Medien erklärte, hat der Salzburger Kranhersteller Palfinger bereits Interesse an ehemaligen KTM-Mitarbeitenden signalisiert. Besonders gefragt seien Fachkräfte aus den Bereichen Forschung und Entwicklung. Palfinger betreibt unweit von Mattighofen ein Werk im benachbarten Lengau (Bezirk Braunau) und könnte damit für zahlreiche Betroffene eine neue berufliche Perspektive bieten.