AVL List Stellenabbau Graz : AVL List: Der Grazer Industrie-Gigant spart sich durch die Auto-Flaute

AVL List meldete 2023 in Österreich die meisten Patente an

AVL List baut am Standort Graz weitere 180 Arbeitsplätze ab. Der Technologiekonzern reagiert damit auf die schwache Nachfrage in der europäischen Automobilindustrie und setzt seine Restrukturierung fort.

- © AVL List

Der Stellenabbau beim Grazer Mobilitätstechnologieunternehmen AVL List geht weiter. Am Standort in der steirischen Landeshauptstadt werden weitere 180 Arbeitsplätze gestrichen. Das Unternehmen bestätigte die neuerliche Personalreduktion Ende August. Damit setzt sich eine Entwicklung fort, die AVL bereits seit mehr als einem Jahr begleitet. Als Gründe nennt das Unternehmen insbesondere die schwache Marktentwicklung, verschobene Investitionsentscheidungen von Kunden und die tiefgreifende Transformation der Automobilindustrie.

Besonders betroffen ist der Geschäftsbereich Instrumentation & Test Systems (ITS), in dem AVL unter anderem Mess-, Prüf- und Testlösungen für die Entwicklung von Fahrzeugen und Antriebssystemen anbietet. Die Einschnitte bleiben allerdings nicht auf diesen Bereich beschränkt. Unternehmenssprecher Markus Tomaschitz erklärte gegenüber dem ORF, dass Beschäftigte aus unterschiedlichen Teilen des Konzerns betroffen seien. Dazu zählen neben der Messtechnik auch Engineering und Verwaltung. Laut ORF wurden die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beim Arbeitsmarktservice gemeldet. Die Auflösung der Arbeitsverhältnisse soll einvernehmlich erfolgen, zudem wurde ein Sozialplan vereinbart.

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Stellenabbau bei AVL List : Fast 1.000 Jobs seit 2025 betroffen

Hintergrund der neuerlichen Maßnahmen ist nach Angaben des Unternehmens eine Nachfrageentwicklung, die schwächer ausfällt als erwartet. Vor allem bei europäischen Kunden würden Investitionsentscheidungen und Projekte verschoben. Bereits bei früheren Personalmaßnahmen hatte AVL auf die schwierige wirtschaftliche Situation in der Automobilindustrie, steigende Kosten, schwankende Auftragseingänge und strukturelle Veränderungen in der Mobilitätsbranche verwiesen.

Die jüngste Abbauwelle reiht sich damit in eine Serie von Einschnitten ein. Im August 2025 kündigte AVL die Streichung von rund 350 Stellen am Grazer Standort an. Im November desselben Jahres folgten weitere rund 100 Arbeitsplätze. Ende Jänner 2026 gab das Unternehmen schließlich bekannt, nochmals 350 Stellen abbauen zu müssen. Zusammen mit den jetzt angekündigten 180 Arbeitsplätzen summieren sich die seit Sommer 2025 bekanntgegebenen Kürzungen damit auf rund 980 Stellen.

Das verändert die Dimension des Grazer Standorts erheblich. Vor der Corona-Pandemie waren dort im Jahr 2019 noch rund 4.300 Menschen beschäftigt. Nach Abschluss der aktuellen Restrukturierungsmaßnahmen soll die Zahl der Beschäftigten laut Medienberichten unter 3.000 liegen. Damit hätte AVL in Graz innerhalb weniger Jahre mehr als ein Viertel seines damaligen Personalstands eingebüßt.

AVL List Restrukturierung: Finanzierung bis 2028 neu geordnet

Die Personalmaßnahmen sind Teil eines größeren Restrukturierungsprogramms. Bereits im Jänner erklärte AVL, man müsse angesichts der Veränderungen in der Automobilbranche organisatorische und wirtschaftliche Anpassungen vornehmen. Ziel sei es, die langfristige Wettbewerbsfähigkeit und Investitionsfähigkeit des Konzerns zu erhalten. Seit Ende 2025 wird das Unternehmen dabei auch von einem externen Restrukturierungspartner begleitet.

Im Juni 2026 meldete AVL einen wichtigen Schritt bei der Neuordnung seiner Finanzierung. Nach Unternehmensangaben wurde mit österreichischen und internationalen Finanzierungspartnern eine Restrukturierungsvereinbarung abgeschlossen. Bestehende Finanzierungen wurden demnach neu strukturiert und bis Ende 2028 abgesichert. Zusätzlich vereinbarte AVL eine Finanzierung, die den geplanten Finanzierungsbedarf bis Ende 2028 decken soll. Das Unternehmen erklärte damals, dadurch weiterhin in Forschung, Innovation und internationale Wachstumschancen investieren zu können.

Auch im nun besonders vom Stellenabbau betroffenen Bereich Instrumentation & Test Systems wurde die Führung neu aufgestellt. Seit Juli 2026 ist Alexander Kraus Chief Operating Officer des Geschäftsbereichs. Zuvor war er unter anderem als Chief Technology Officer der TÜV-Süd-Mobility-Sparte tätig sowie Geschäftsführer von AVL Deutschland. AVL bezeichnet ITS trotz der aktuellen Einschnitte als strategischen Kernbereich des Unternehmens.

Während in Graz Jobs wegfallen, setzt der Technologiekonzern weiter auf Automatisierung, KI und neue Testsysteme für die Mobilitätswende.

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Führungswechsel bei AVL List : Lukas Walter übernimmt nach Helmut List

Parallel zur wirtschaftlichen Restrukturierung hat AVL 2026 auch einen historischen Führungswechsel vollzogen. Helmut List gab nach 47 Jahren an der operativen Spitze des Unternehmens Ende Mai den Vorsitz der Geschäftsführung ab und wechselte als Vorsitzender in den Aufsichtsrat. Neuer Vorsitzender der Geschäftsführung wurde Lukas Walter, der zuvor bereits als Chief Operating Officer im Engineering-Bereich von AVL tätig gewesen war.

Trotz der schwierigen Lage am Heimatstandort bleibt AVL international ein großer Technologiekonzern. Nach aktuellen Unternehmensangaben beschäftigt die Gruppe weltweit rund 12.000 Menschen an mehr als 90 Standorten. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte AVL einen Umsatz von 1,83 Milliarden Euro. Rund elf Prozent des Umsatzes flossen nach Angaben des Unternehmens in Forschung und Entwicklung. Das Portfolio reicht inzwischen weit über klassische Verbrennungsmotoren hinaus und umfasst unter anderem batterieelektrische Antriebe, Hybridtechnologien, Brennstoffzellen, Simulation, Fahrzeugsoftware, künstliche Intelligenz und automatisierte Testsysteme.

Helmut List hat nach 47 Jahren an der operativen Spitze von AVL den Vorsitz der Geschäftsführung an Lukas Walter übergeben und wechselte in den Aufsichtsrat. Der Führungswechsel fällt mitten in die Restrukturierung des Grazer Technologiekonzerns.

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AVL bleibt Patentkaiser: Forschung trotz Sparkurs

Dass AVL seinen Anspruch als Forschungsunternehmen trotz des Sparkurses aufrechterhalten will, zeigt auch die Patentstatistik. Nach Angaben des Österreichischen Patentamts beziehungsweise AVL meldete das Unternehmen 2025 insgesamt 179 Patente an und führte damit zum 15. Mal in Folge die österreichische Rangliste der Patentanmelder an. Rund 60 Prozent dieser Anmeldungen entfielen auf Technologien rund um Elektrifizierung, darunter Batterie-, Brennstoffzellen-, Hybrid- und Elektroantriebslösungen sowie zugehörige Simulations- und Testverfahren.

Für den Standort Graz bleibt die Situation dennoch angespannt. Noch Anfang 2026 bestand die Hoffnung, dass die damals angekündigte Reduktion um 350 Stellen den vorläufigen Abschluss des Personalabbaus darstellen könnte. Die nun bekanntgewordenen weiteren 180 Stellen zeigen, dass sich die Marktlage aus Sicht des Unternehmens bislang nicht ausreichend stabilisiert hat. AVL muss daher gleichzeitig zwei Ziele verfolgen: kurzfristig seine Kostenstruktur an die geringere Nachfrage anpassen und langfristig genügend finanzielle sowie technologische Ressourcen für den Wandel der Mobilitätsbranche sichern.

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