Besonders konfliktträchtig ist deshalb Miedreichs Idee, einzelne ZF-Sparten an die Börse zu bringen. Dietrich hat solchen Plänen bislang eine strikte Absage erteilt. Er fürchtet, profitable Bereiche könnten aus dem Verbund herausgelöst werden und damit jener interne Solidaritätsmechanismus verloren gehen, der schwächere Sparten und Standorte bislang mitgetragen hat.
Dass die Börse in Miedreichs Sanierungsüberlegungen überhaupt eine zentrale Rolle spielt, hängt mit der ungewöhnlichen Eigentumsstruktur von ZF zusammen. Knapp 94 Prozent gehören der Zeppelin-Stiftung. Sie ist eine rechtlich unselbstständige kommunale Stiftung und wird von der Stadt Friedrichshafen verwaltet. Oberbürgermeister Simon Blümcke, Vorsitzender des Stiftungsrats, sitzt deshalb auch im ZF-Aufsichtsrat.
Die Stadt muss zwei Interessen zusammenbringen: den langfristigen Erhalt ihres wichtigsten Stiftungsvermögens und die Erträge, aus denen laut Stiftungszweck unter anderem Bildung, Soziales, Kultur, Sport, Wissenschaft und Gesundheitsversorgung gefördert werden. Die Konstruktion schützt ZF vor kurzfristigen Kapitalmarktinteressen, begrenzt aber zugleich die Möglichkeiten, rasch neues Eigenkapital aufzunehmen.
Nach den milliardenschweren Übernahmen der Vergangenheit ist der finanzielle Spielraum eng; die hohe Verschuldung verschärft die Lage. Notwendige Investitionen allein über weitere Kredite zu finanzieren, wäre teuer und würde die Bilanz zusätzlich belasten. Teilbörsengänge könnten frisches Kapital bringen, wären aber kein rein finanzieller Vorgang: Eigentümer, Aufsichtsrat und Arbeitnehmervertreter müssten akzeptieren, dass einzelne Geschäfte künftig stärker nach den Regeln des Kapitalmarkts geführt werden. Genau deshalb berührt der Plan das bisherige Selbstverständnis von ZF.