Fusion : Anwälte: So soll der Deal zwischen RHI und Magnesita ablaufen

Der heimische Feuerfestkonzern RHI fusioniert wie berichtet mit dem brasilianischen Bergbauunternehmen Magnesita Refratarios. RHI ist der größte Feuerfesthersteller der Welt, Magnesita weltweit die Nummer zwei und der größte Feuerfesthersteller Südamerikas.
Der fusionierte Hersteller soll RHI Magnesita heißen, bis zu 2,8 Milliarden Euro im Jahr umsetzen, seinen Sitz in den Niederlanden haben und in London börsenotiert sein. Hier ein Kommentar des INDUSTRIEMAGAZIN zur Verlagerung des Headquarters der RHI in die Niederlande.
Ziel der Fusion sind unter anderem Einsparungen. Feuerfeste Auskleidungen sind wegen des hohen Bedarfs an Magnesit und Dolomit sehr rohstoffintensiv. Was die Fusion für die Konzernzentrale in Wien sowie die heimischen Standorte in Kärnten bedeutet, ist deshalb noch offen. In Österreich beschäftigt RHI etwa 1800 von insgesamt rund 7900 Mitarbeitern. Hier die Eckdaten zu dieser Entscheidung.
Österreicher zahlen 450 Millionen Euro
Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge zahlen die Österreicher 450 Millionen Euro für den Deal. Die Aktie von RHI war am Freitag an der Wiener Börse den zweiten Tag in Folge deutlich unter Druck.
Eingefädelt wurde das Geschäft offenbar noch vom ehemaligen Vorstandschef Franz Struzl, der bis 2011 Chef von Böhler Brasilien gewesen ist und erst kürzlich aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten war. Mehr dazu hier: Franz Struzl tritt zurück: Stefan Borgas wird neuer Chef von RHI.
Ab Dezember soll Stefan Borgas die Leitung von RHI übernehmen, der derzeit als Chef des Basler Chemieunternehmens Lonza tätig ist. Bis dahin leitet der frühere OMV-Generaldirektor Wolfgang Ruttenstorfer interimistisch den heimischen Feuerfestkonzern.
Kanzlei Freshfields: So soll der Deal ablaufen
Bei der Fusion ist nach eigenen Angaben die international tätige und in London registrierte Anwaltskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer beratend tätig. Neben Freshfields beraten auch die Kanzleien Dr. Joachim Drude aus Düsseldorf, Cerha Hempel Spiegelfeld Hlawati (CHSH) aus Wien sowie Pinheiro Guimarães aus Sao Paulo.
Wie Freshfields mitteilt, soll der Deal so ablaufen: In einem ersten Schritt soll RHI zwischen 46 Prozent und 50 Prozent plus eine Aktie an Magnesita von den Finanzfirmen GP Investments und Rhône Capital kaufen. Das Transaktionsvolumen beträgt nach Angaben von Freshfields insgesamt mindestens 208 Millionen Euro.
Für den 46-prozentigen Anteil soll RHI demnach 118 Millionen Euro in bar sowie in Form von 4,6 Millionen Aktien zahlen. Diese Aktien sollen an der Londoner Börse notieren und müssen zuerst begeben werden. Das passiert den Plänen zufolge durch eine in den Niederlanden ansässige, neu zu gründende Konzerngesellschaft namens "RHI Magnesita".
Der Aufsichtsrat von RHI und die zuständigen Behörden müssen diese Transaktion noch genehmigen. Danach wird RHI den Aktionären von Magnesita ein Pflichtangebot machen.
Die Aktionäre haben dann die Wahl, ob sie die übrigen Aktien gegen Aktien der RHI Magnesita tauschen oder eine Barabfindung bekommen wollen. Dazu soll den Aktionären auch ein Angebot zum Börsenabgang der Magnesita von der Börse in Sao Paulo unterbreitet werden.
Kanzlei CHSH: Öffentliches Pflichtangebot und freiwilliges Übernahmeangebot
Die Wiener Kanzlei CHSH berichtet, die Transaktion soll durch zusätzliches Fremdkapital sowie die Ausgabe von 4,6 bis fünf Millionen RHI Magnesita Aktien finanziert werden, die an die kontrollierenden Aktionäre von Magnesita begeben werden.
Nach Abschluss der Transaktion soll dann RHI Magnesita oder eine Konzerngesellschaft den noch verbleibenden Aktionären von Magnesita ein öffentliches Pflichtangebot legen. Parallel dazu wird es ein freiwilliges Übernahmeangebot in Höhe von 8,19 Euro in bar für jede Magnesita Aktie geben.
Im Rahmen dieser parallelen Angebote werden bis zu 5,4 Millionen neue RHI Magnesita Aktien begeben. Damit könne das Gesamtvolumen der neu zu begebenden Aktien von RHI Magnesita auf zehn Millionen steigen, heißt es bei der Kanzlei CHSH.
Abhängig vom Ergebnis des öffentlichen Pflichtangebots haben die kontrollierenden Aktionäre der Magnesita die Pflicht, mindestens 1,9 Millionen zusätzliche RHI Magnesita Aktien, sowie die Möglichkeit, bis zu maximal 3,4 Millionen zusätzliche Aktien zu erwerben.
Somit würde sich deren Beteiligung an RHI Magnesita auf maximal 8,0 Millionen Aktien erhöhen. Alle neu zu begebenden RHI Magnesita Aktien, die von den Aktionären der Magnesita im Rahmen des Angebots nicht angenommen wurden, können entweder im Markt veräußert oder bei institutionellen Investoren platziert werden.
RHI Magnesita kann das öffentliche Pflichtangebot zudem verbinden mit einem freiwilligen Angebot für die Einstellung der Börsennotierung der Magnesita beziehungsweise für einen Wechsel der Magnesita aus dem "Novo Mercado" in ein anderes Börsensegment.
(pm)