Zulieferindustrie

AVL List: Zweistelliges Wachstum zum vierten Mal in Folge

Der steirische Antriebsstrangentwickler hat seinen Umsatz im Vorjahr zum vierten Mal in Folge stark erhöht. Treiber dabei war die Elektromobilität. Damit wächst auch die Zahl der Mitarbeiter in Graz und weltweit.

Der Grazer Antriebsstrangentwickler und Spezialist für Software und Testsysteme, AVL List GmbH, hat 2017 zum vierten Mal in Folge eine rund zehnprozentige Umsatzsteigerung erzielt. Der Umsatz sei im vergangenen Geschäftsjahr von 1,4 auf 1,55 Mrd. Euro gestiegen, so Konzernchef Helmut List gegenüber der Austria Presse Agentur. Gewachsen ist auch die Zahl der Mitarbeiter - sowohl weltweit als auch in Graz.

"Es war ein gutes Jahr, wir sind vom Umsatz her um 11,5 Prozent gewachsen. Damit können wir die Jahre des Wachstums fortschreiben", hielt Konzernchef List fest. Auch für das laufende Geschäftsjahr wird ein ähnlicher Aufwärtstrend erwartet: "Dieses Jahr planen wir wieder ein Wachstum von zehn Prozent", erklärte Helmut List. Das erste Quartal sei bereits gut gelaufen. Die aktuelle Auftragslage sei "sehr gut". "Wir sind gut ausgelastet in allen Bereichen", umriss List die aktuelle Situation.

Helmut, List, AVL © Prohaska Rene / Verlagsgruppe News / picturedesk.com

Konzernchef Helmut List: "Es war ein gutes Jahr."

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Ein Drittel des Geschäftsvolumens sei im Bereich Elektrifizierung zu verorten. "Das umfasst den rein elektrischen Antrieb und alle Formen des Hybrids bis hin zur kleinsten Fassung des 48-Volt-Hybrids", wie List schilderte. Der rein elektrische Antrieb habe durch die relativ teuren Batterien noch Kostenprobleme, dadurch sei der Hybrid mittelfristig "eine starke Gegebenheit". Allgemein werde angenommen, dass 2030 im Pkw-Bereich rund 20 Prozent vollelektrisch gefahren werden könnten, "der Rest ist dann weitgehend hybrid", schätzte List die künftige Entwicklung ein.

Aus Sicht des Grazer CEO finden sich noch über einen längeren Zeitraum drei Technologien im Wettbewerb: "Der reine Batterieantrieb, daneben mit sehr guten Chancen der Brennstoffzellenantrieb und der weiterentwickelte Verbrennungsmotor." Der Verbrennungsmotor der neuen Art, wie ihn List nennt, sei selbst stark elektrifiziert, mit einem kleinen E-Motor verbunden und damit zum Beispiel ein Leichthybrid mit niedriger 48-Volt Spannung, der mit zusätzlichem Technologieeinsatz praktisch schadstofffrei sein werde.

"Es ist davon abzuraten, den Verbrennungsmotor aus dem Wettlauf zu ziehen"

Wichtig sei, dass in allen Bereichen die Forschung mobilisiert werde. "Es ist ein offenes Rennen und eine Konkurrenz um die besten Lösungen und es ist davon abzuraten, den Verbrennungsmotor aus dem Wettlauf zu ziehen", legte List dar. Selbst dem Dieselmotor sprach List eine wichtige Rolle zu: "Er hat jetzt ein schlechtes Image, doch wer in der Technik steht, der weiß, dass er sehr gute Chancen hat, insgesamt gleich gut zu sein."

Im Bereich der CO2-Emissionen sei der Diesel- im Vergleich zum Benzinmotor schon jetzt besser, die Verbrauchswerte von Dieselmotoren seien niedriger und die Stickoxide bei den besten, neu am Markt verfügbaren Dieselfahrzeugen massiv reduziert worden. "Wichtig ist, dass der Gesetzgeber sagt, welche Ziele er will und nicht, welche Technologie", wie List betonte.

Die Forschung und Entwicklung müsse sich daher aus seiner Sicht "am realistischen Zukunftspotenzial orientieren" und nicht an dem, was in der Vergangenheit gemacht wurde. Daher würde die Forschung bei AVL auch bei allen drei Technologien "mit gleicher Intensität" vorangetrieben, denn, "es wird nicht eine Lösung geben, sondern ein Portfolio". Der Anteil der eigenfinanzierten Forschung des Unternehmens lag auch 2017 bei traditionell rund zehn Prozent des Umsatzes. Gleiches plane man auch 2018.

Neues Forschungszentrum in England

Das Wachstum des Unternehmens wollte List nicht in speziellen Weltregionen oder Ländern festmachen: "Wir sind in allen wichtigen Automobilmärkten mit ähnlichen Marktanteilen unterwegs", so der AVL-Chef. Im britischen Coventry wurde im Herbst 2017 - nach nur sechsmonatiger Bauzeit - ein weiteres Tech-Center in Betrieb genommen. Es sei "sehr gut angelaufen". Das 2016 in Betrieb genommene Test- und Engineering-Center bei Stuttgart werde ausgeweitet, jenes in Tokio (ebenfalls seit 2016) sei "sehr gut ausgelastet".

Mehr Mitarbeiter in Graz und weltweit

Mit dem wachsenden Umsatz ist auch ein Anstieg der Mitarbeiter einhergegangen: In Graz wurde 2017 von 3.630 um 220 auf 3.850 Mitarbeiter aufgestockt, weltweit von 8.600 Mitarbeiter auf nunmehr mehr als 9.500. Der Exportanteil zeige sich stabil und liege bei 96 Prozent.

Die 1948 gegründete AVL ist nach eigenen Angaben das weltweit größte, unabhängige Unternehmen für die Entwicklung, Simulation und Prüftechnik von Antriebssystemen in den Bereichen Hybrid, Verbrennungsmotoren, Getriebe, E-Motoren, Batterien und Software für Pkw, Lkw und Großmotoren. (apa/red)

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