TRUMPF steigt ins Rüstungsgeschäft ein: Maschinenbauer setzt auf Verteidigungsindustrie

Metallplatten mit Lasertechnologie zu schneiden – das war eine revolutionäre Idee, als Berthold Leibinger Ende der 1970er-Jahre von einer USA-Reise ins baden-württembergische Ditzingen zurückkehrte. Im Gepäck hatte er einen CO₂-Laser mit 700 Watt Leistung – ein amerikanisches Fabrikat. Schon ein Jahr später brachte Trumpf die ersten serienreifen Stanz-Lasermaschinen auf den Markt.

Doch dem Schwaben genügte die Qualität der US-Komponenten bald nicht mehr – und so stieg Leibinger Mitte der 1980er-Jahre mit seinem Maschinenbauunternehmen selbst in die Entwicklung von Lasern zur Materialbearbeitung ein.

Seit über einem Jahrzehnt gilt Trumpf als weltweit führend in der Lasertechnologie zur industriellen Materialbearbeitung. Kein Unternehmen beherrscht Lasertechnologie in einer Breite wie Trumpf: Von der Belichtung der neuesten Chipgeneration über 3D-Metalldruck bis hin zum automatisierten Schneiden dicker Bleche.

Ohne Trumpf gäbe es keine Hochleistungshalbleiter: Die Schwaben entwickeln und liefern jene Laser, die in nahezu allen Fotolithografieanlagen weltweit das EUV-Licht erzeugen. Auch bei Laserschneidmaschinen und im 3D-Druck gehört Trumpf global zu den Top 3.

Spitzentechnologie wie diese sollte jedoch nicht gegen Menschen in bewaffneten Konflikten eingesetzt werden – so sieht es ein Gesellschaftervertrag von 2015 vor, der als eine Art Familienverfassung gilt.

Seit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine wird jedoch innerhalb der Familie über diese Klausel diskutiert – zwischen den drei Geschwistern Nicola Leibinger-Kammüller, der heutigen CEO, ihrem Bruder und Aufsichtsratschef Peter Leibinger sowie der nicht im Unternehmen aktiven Schwester Regine Leibinger. Zur nächsten Generation, und ebenfalls in der Familienverfassung entscheidungsbefugt, zählen zehn Kinder. 

Jetzt – so berichten Neue Zürcher Zeitung und Handelsblatt – hat sich die Familie nach über drei Jahren Diskussion, offenbar einstimmig, geeinigt: Trumpf steigt in die Produktion von Lasertechnik zur Drohnenabwehr ein.

„Wir werden nur Waffensysteme oder Komponenten von Waffensystemen liefern, die nach ihrem bestimmungsgemäßen Gebrauch nicht gegen den Menschen gerichtet sind und ausschließlich der Abwehr von Objekten dienen“, betonte ein Sprecher.

Militärexperten sind sich einig: Laserwaffen werden bei der Drohnenabwehr künftig eine Schlüsselrolle spielen – vor allem wegen ihrer Wirtschaftlichkeit. Die Kosten pro Einsatz liegen deutlich unter denen klassischer Systeme, da lediglich Strom verbraucht wird.

Weltweit arbeiten Rüstungsunternehmen an entsprechenden Lösungen. Rheinmetall entwickelt gemeinsam mit dem Taurus-Hersteller MBDA laserbasierte Abwehrsysteme, während in den USA Raytheon und Lockheed Martin bereits funktionsfähige Prototypen testen.

Für Trumpf ist dafür ein Partner aus der Rüstungsindustrie unerlässlich. Das Familienunternehmen liefert lediglich den Laser; die Integration in ein vollständiges Waffensystem, inklusive Zielerfassung und Steuerung, müsste ein Rüstungsspezialist übernehmen. 

Ein möglicher Kandidat ist Thales, dessen Werk nur wenige Kilometer vom Trumpf-Stammsitz in Ditzingen entfernt liegt. Dort produziert der französische Rüstungskonzern Radar- und Optroniklösungen.

Gerade für Europa könnte laserbasierte Drohnenabwehr ein drängendes Verteidigungsproblem lösen. Denn seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine wurden mehrere tausend Drohnensichtungen über militärischen Anlagen und sensibler Energieinfrastruktur gemeldet.

Bisher fehlt eine wirksame Lösung – denn ein Abschuss über bewohntem Gebiet ist rechtlich nicht zulässig. Eine Unschädlichmachung der Optiksysteme der Drohne wäre mit Laser jedoch ein Kinderspiel.