FH-Ranking : Das sind Österreichs beste Fachhochschulen

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Das FH-Ranking des INDUSTRIEMAGAZIN hat diesmal einen absolut eindeutigen Sieger. Mit einem Gesamtwert von 2,08 konnte sich heuer die FH Technikum Wien den Platz eins sichern. Die zweitplatzierte FH Krems IMC folgte mit einem Respektabstand. Sie kam auf einen Gesamtimagewert von 2,22.
Der verhältnismäßig große Abstand zwischen dem Sieger und der Nummer zwei ist umso bemerkenswerter, als die Abstände zwischen den weiteren Plätzen heuer extrem knapp ausfielen. Das drittplatzierte MCI, die unternehmerische Hochschule, folgt ganz knapp hinter Krems mit 2,26. Und selbst der Letztplatzierte des Rankings erreicht mit 2,58 immer noch einen – separat betrachtet – ziemlich guten Wert.
Der Sieg des FH Technikum ist aber auch aus einem anderen Grund außergewöhnlich: Das Technikum setzte sich nicht nur in der Gesamtwertung durch, sondern schaffte auch einen fulminanten Vierfach-Erfolg in unserer neuen Kategorie, in der wir die Qualität der einzelnen Departments bzw. Institute erhoben.
Vierfacher Erfolg
Auf Platz eins bis vier dieser Kategorie rangieren ausschließlich Einheiten der FH Technikum: ganz oben die Fakultät Computer Science, gefolgt von der Fakultät Industrial Engineering, der Fakultät Life Science Engineering und der Fakultät Electronic Engineering. Erst auf Platz fünf taucht der erste Mitbewerber von einer anderen Fachhochschule auf, das Department für Medizintechnik der FH Oberösterreich. Auf Platz sechs findet sich der Studienbereich Bauingenieurwesen & Architektur der FH Kärnten.
Dass mit der FH Technikum Wien eine sehr stark auf Technik fokussierte Hochschule derart gut abschnitt, spiegelt einen aktuellen Trend wider: die ungemein große Nachfrage nach gut ausgebildeten Fachkräften.
Auf die Frage, ob sie glaube, dass ihre FH etwas besser mache als vergleichbare Universitäten, antwortet die Geschäftsführerin der FH Technikum Wien Gabriele Költringer daher: „In den Personalabteilungen stellt sich aus unserer Sicht die Frage ‚Uni oder FH‘ im technischen Bereich gar nicht so sehr. Den Unternehmen geht es zunächst darum, überhaupt qualifiziertes Personal zu finden. Das ist schon schwer genug! Und in der Folge um Qualität und die Schwerpunkte der Kandidaten und Kandidatinnen des jeweiligen Studiums.“
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Internationaler Fokus
Auch bei der FH Krems IMC, die heuer auf Platz zwei landete, spielen die klassischen FH-Themen Technik, Digitalisierung und Wirtschaft eine große Rolle. Als einen weiteren Faktor für den Erfolg ihrer FH verweist Geschäftsführerin Ulrike Prommer aber auch auf den hohen Internationalisierungsgrad: „Der internationale Spirit ist eine Qualität, die viele an der IMC FH Krems besonders schätzen: Rund ein Fünftel aller Studienbeginnerinnen und Studienbeginner besitzt einen ausländischen Pass.“
Der Drittplatzierte, das MCI, die unternehmerische Hochschule Innsbruck, sieht Internationalität ebenfalls als ein Schlüsselkriterium. „Ein anspruchsvolles Aufnahmeverfahren bringt die besten Studierenden aus aller Welt, konkret aus 85 Ländern, zu uns“, sagt Rektor Andreas Altmann. Und auch das internationale Personal trage zum Erfolg der Hoch- schule bei, ergänzt er. Hier seien immerhin 35 Länder vertreten.
Kaum war Christine Aschbacher, die Kurzzeit-Arbeitsministerin mit ihrer plagiierten FH-Abschlussarbeit, zurückgetreten, flammte eine Diskussion auf, die so alt ist wie die Fachhochschulen selbst: Was können diese Institutionen nun wirklich? Sind sie die besseren Ausbildungsorte, weil ihre Verbindung zur Praxis viel direkter ist als jene der behäbigen und weltfremden Unis? Oder sind sie ganz im Gegenteil Universitäten zweiter Klasse – mit abgespecktem Studium, laschen Qualitätskontrollen und bloß darauf ausgerichtet, möglichst schnell möglichst viele Absolventen zu produzieren?
Rein formell sind beide Universitätsformen – die klassische Universität und die Fachhochschule entsprechen dem sogenannten Bologna-System, das europaweit die Ausbildung im tertiären Sektor regelt – als gleichwertig anerkannt.
Sehr wohl haben sie aber einen unterschiedlichen Schwerpunkt, wie Christina Edlinger-Ploder, Rektorin der FH Campus 02, einräumt: „FHs bilden zielgenau für bestimmte Berufsbilder aus, Universitäten orientieren sich stärker an wissenschaftlichen Disziplinen.“
Für Raimund Ribitsch, den Geschäftsführer der FH Salzburg und Präsident der Österreichischen Fachhochschul-Konferenz, besteht in dieser auf konkrete Berufsbilder zugeschnittenen Ausbildung auch der große Vorteil der Fachhochschulen. An den FHs sei man nicht nur um Praxisnähe, sondern auch um maximale Aktualität der Inhalte bemüht. „Wenn eine FH ein neues Themenfeld entwickelt, ist ein Jahr später die Akkreditierung fertig, und nach drei Jahren sind die ersten Absolventen und Absolventinnen in der Wirtschaft. Das ist eine große Stärke des Sektors“, sagt er.
Schlechte Noten
Und doch zeigt unsere Studie: Anders als in den Vorjahren ist heuer nur noch eine Minderheit der HR-Verantwortlichen in Unternehmen, nämlich 26 Prozent, der Ansicht, FH- Abgänger wären hinsichtlich ihrer Qualifikation jenen der Universitäten gleichzusetzen. Rund vierzig Prozent finden hingegen, dass Abgänger von Fachhochschulen zwar besser qualifiziert sind als Abgänger von Höheren Technischen Lehranstalten oder Handelsakademien, aber eben doch deutlich schlechter als jene von Universitäten.
Dieser Meinungsschwenk innerhalb nur eines Jahres legt den Verdacht nahe, dass die Affäre um die Ex-Ministerin Aschbacher, deren an der FH Wiener Neustadt geschriebene Abschlussarbeit sich als ein besonders plumpes Plagiat entpuppt hat, viel Image kaputt gemacht hat, das sich Fachhochschulen seit dem Beschluss über ihre Gründung vor gut zwanzig Jahren aufbauen konnten.
Die Causa ist jedenfalls an kaum einem Personaler spurlos vorübergegangen, neun von zehn haben sie zumindest wahrgenommen. Und viele auch als ein Zeichen gegen die Fachhochschulen gewertet. Dementsprechend findet ungefähr jeder vierte von uns befragte HR-Verantwortliche, dass der Fall Aschbacher vor allem den Fachhochschulen einen Imageschaden beschert. Zugleich, und das ist möglicherweise die wesentlich dramatischere Zahl, meint fast jeder dritte Befragte, die Aschbacher-Causa hätte nicht nur den Fachhochschulen im Speziellen, sondern auch dem Ansehen der gesamten akademischen Welt geschadet.
Vertreter von Fachhochschulen halten dem entgegen, dass es Plagiate eben an allen Bildungsinstitutionen gab und gibt. „Wer Verdachtsfälle bisher nur von Universitäten gekannt hat, weiß nun, dass keine Hochschule Verdachts- oder gar Plagiatsfälle zu hundert Prozent ausschließen kann“, sagt Armin Mahr, CEO der FH Wiener Neustadt, an der Aschbacher studiert hat. Und er ergänzt: „Wir können und müssen das Sicherheitsnetz, gestützt auf Software und Routinechecks, ständig weiterentwickeln, und tun dies auch.“
Tatsächlich gehört die FH Wiener Neustadt inzwischen zu jenen österreichischen Fachhochschulen, die Mitglied bei der österreichischen Agentur für wissenschaftliche Integrität sind. Ziel der Agentur ist die Aufklärung und Vermeidung wissenschaftlichen Fehlverhaltens, darunter auch von Plagiaten. Interessanterweise sind nur 23 Prozent der österreichischen Fachhochschulen Mitglieder der Agentur. Bei den Universitäten ist das Problembewusstsein offensichtlich höher entwickelt – von den 38 österreichischen Unis gehören ihr immerhin 24 an, also 63 Prozent.
Der relative Imageverlust durch die Aschbacher-Affäre ist allerdings nur ein Teil der Medaille, den unser Ranking zeigt. Auf der anderen Seite beweist es nämlich auch: Grundlegend bleibt die Meinung der Personalverantwortlichen über den FH-Sektor nach wie vor positiv und betrifft so gut wie alle FHs im Land. Dementsprechend knapp fällt auch der Unterschied zwischen der bestbewerteten FH im Ranking, dem FH Technikum Wien mit 2,08, und der am schlechtesten bewerteten, der Lauder Business School mit 2,58, aus.
Viel Praxisnähe
Die trotz Aschbacher-Affäre ungebrochen gute Einschätzung von Fachhochschulen durch HR-Verantwortliche liegt tatsächlich wohl daran, dass Unternehmen FH-Abgänger vor allem in jenen Sparten einstellen, in denen weniger Kriterien wie eine korrekt verfasste Abschlussarbeit zählen, sondern praktisch anwendbares Wissen. Das beweisen auch die Antworten der Befragten auf die Frage, welche Anforderungen eine gute FH erfüllen müsse.
Praxisnahe Ausbildung steht da zusammen mit Unterlagen, die auch direkt im Beruf verwendbar sind, an der Spitze. Dann folgen Aktualität der Ausbildungsinhalte und die Forderung, dass die Unterrichtenden Praktiker sein sollen. Das klassisch universitäre Qualitätskriterium, nämlich gutes Standing in der Forschung, ist den von uns befragten Personalern hingegen eher egal. Es findet sich erst auf Platz zehn. Nur 27 Prozent halten diesen Punkt für sehr wichtig, bei praxisnaher Ausbildung sind es fast zwei Drittel. Ein wirklich schlagendes Argument bringt Günther Hendorfer, Provost an der FH Oberösterreich, vor. Seine Abgänger werden ihm regelrecht aus den Händen gerissen: „Eine Anstellungsquote von fast hundert Prozent zeigt das hohe Maß an Zufriedenheit der Unternehmen mit unserem Angebot.“
Nachfolgend finden Sie die detaillierte Auswertung der Branchenstudie. Auf der ersten Seite haben wir die Beurteilung der Fernlehre, die Qualitäten von Fachhochschulen und das Gehalt und die Qualifikation von FH-Absolventen in Form von interaktiven Grafiken dargestellt, auf der nächsten Seite (scrollen Sie dafür ganz nach unten) finden Sie das FH-Ranking im Detail.