Ferrari Tailor Made Programm : Ferrari plant Luxus-Revolution: CEO Vigna verzichtet bewusst auf Verkaufsrekorde

Ferrari: Das Tailor-Made-Programm ist keine neue Erfindung. Es steht in einer Tradition, die bis in die 1950er Jahre zurückreicht.

Ferrari: Das Tailor-Made-Programm ist keine neue Erfindung. Es steht in einer Tradition, die bis in die 1950er Jahre zurückreicht.

- © Ferrari

Ferrari verfolgt einen neuen Wachstumspfad, der nicht auf die Steigerung von Produktionszahlen abzielt, sondern auf eine stärkere Individualisierung der Fahrzeuge. Während viele Hersteller der Automobilbranche weiterhin bemüht sind, ihre Stückzahlen zu erhöhen, orientiert sich der traditionsreiche Sportwagenhersteller aus Maranello an einem kontrollierteren Kurs. Ziel ist es, den Markenwert durch exklusive Angebote und maßgeschneiderte Modelle zu steigern.

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Vigna setzt auf Maßarbeit: Ferrari eröffnet neue Tailor Made-Zentren für exklusive Kundenwünsche

Seit seinem Amtsantritt als CEO im Jahr 2021 hat Benedetto Vigna mehrere strategische Weichenstellungen vorgenommen, die Ferrari unabhängiger von der reinen Absatzentwicklung machen sollen. In einem Interview mit dem Wirtschaftsmagazin Global Finance erklärte Vigna, dass die Marke in den kommenden Jahren verstärkt auf Individualisierung und Produktwert setzen werde.

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Konkret kündigte er die Eröffnung zweier neuer Tailor Made-Zentren in Tokio und Los Angeles an. Die Maßnahme ist Teil einer umfassenderen Strategie, bei der Ferrari nicht durch ein erhöhtes Produktionsvolumen wachsen möchte, sondern durch Fahrzeuge mit höherem Einzelwert. Dies soll durch eine stärkere Einbindung der Kunden in den Gestaltungsprozess ihrer Fahrzeuge erreicht werden.

Benedetto Vigna 

- © Instagram

Exklusivität statt Masse: Wie Ferrari mit weniger Modellen mehr Wert schafft

Ferrari hat in den letzten Jahren wiederholt Verkaufsrekorde erzielt, jedoch ohne die Produktionsmenge stark auszuweiten. Vielmehr verteilte das Unternehmen die Einführung neuer Modelle über längere Zeiträume, um einer Überhitzung des Marktes entgegenzuwirken und die Exklusivität der Marke zu wahren.

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Diese bewusste Steuerung der Produktion hat sich vor dem Hintergrund globaler wirtschaftlicher Unsicherheiten als stabilisierender Faktor erwiesen. Die neue Strategie sieht vor, dass Sportwagen weiterhin den Hauptanteil am Umsatz ausmachen sollen – allerdings mit einem breiteren Produktmix und einer gesteigerten Individualisierung. Der Verkauf von Fahrzeugen mit höherer Wertschöpfung ersetzt dabei zunehmend das Ziel, mehr Fahrzeuge insgesamt zu verkaufen.

Tailor Made im Fokus: So werden Ferrari-Modelle zu echten Unikaten

Das sogenannte „Tailor Made“-Programm ist ein zentrales Element dieser Strategie. Es wurde bereits vor Jahren eingeführt und basiert auf der langjährigen Tradition Ferraris, Fahrzeuge auf Kundenwunsch individuell zu gestalten. Kunden können aus verschiedenen Materialien, Farben, Texturen und Sonderausstattungen wählen, um ein Fahrzeug nach ihren persönlichen Vorstellungen zu konfigurieren.

Im Mittelpunkt steht dabei die Zusammenarbeit mit einem persönlichen Designer, der den Kunden durch den gesamten Prozess begleitet. Ferrari bietet drei Designlinien an, die als Ausgangspunkt dienen:

  • Scuderia, inspiriert vom Rennsport,
  • Classica, orientiert an klassischen Ferrari-Modellen,
  • Inedita, mit Fokus auf innovative Materialien und moderne Gestaltungselemente.

Diese dienen lediglich als Orientierungshilfe. Der Schwerpunkt liegt auf der individuellen Umsetzung, die zu einem Unikat führen soll. Derzeit betreibt Ferrari Tailor Made-Zentren in Maranello, New York und Shanghai.

Ferrari setzt auf Individualisierung statt Masse

- © Ferrari

US-Markt im Visier: Ferrari stärkt Individualisierung mit neuem Zentrum in Los Angeles

Mit der Eröffnung eines neuen Zentrums in Los Angeles reagiert Ferrari auf die große Nachfrage nach Individualisierung auf dem US-Markt. Die Vereinigten Staaten sind Ferraris größter Einzelmarkt. Insbesondere in Kalifornien ist die Nachfrage nach exklusiv konfigurierbaren Fahrzeugen hoch. Das neue Zentrum soll es Kunden ermöglichen, den Konfigurationsprozess direkt vor Ort durchzuführen, ohne eine Reise nach Italien in Kauf nehmen zu müssen. Gleichzeitig erwartet Ferrari von der lokalen Präsenz eine stärkere mediale und kulturelle Sichtbarkeit, da maßgeschneiderte Fahrzeuge als Ausdruck von Individualität in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden.

Wachstumsmarkt Japan: Ferrari baut Individualisierung in Asien gezielt aus

Neben Los Angeles wird auch in Tokio ein neues Tailor Made-Zentrum eröffnet. Japan gehört mittlerweile zu Ferraris drei größten Absatzmärkten weltweit. Trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen verzeichnet Ferrari dort ein stabiles Wachstum. Laut Prognosen soll der japanische Markt bis 2025 um rund fünf Prozent zulegen.

Zum Vergleich: In Deutschland – traditionell ein wichtiger Markt für Ferrari – wird im gleichen Zeitraum ein Rückgang von über sieben Prozent erwartet. Die Standortwahl in Tokio spiegelt daher eine strategische Neuausrichtung des Unternehmens wider. Darüber hinaus zeigt sich ein geografischer Wandel im asiatischen Raum. Während der chinesische Markt an Bedeutung verliert und derzeit nur noch etwa sieben Prozent des Gesamtabsatzes ausmacht, gewinnt Japan als stabiler Wachstumsmarkt an Gewicht.

Wert statt Volumen: Wie Individualisierung Ferraris Margen und Markenstärke steigert

Die zunehmende Individualisierung der Fahrzeuge ist nicht nur ein Ausdruck von Kundenorientierung, sondern auch ein betriebswirtschaftlicher Hebel. Maßgeschneiderte Fahrzeuge generieren höhere Margen und steigern den durchschnittlichen Fahrzeugwert. Darüber hinaus erhöht sich der Restwert individualisierter Fahrzeuge, was die Attraktivität für Kunden und Sammler zusätzlich steigert.

Laut Unternehmensführung handelt es sich dabei um eine langfristige Strategie, die unabhängig von kurzfristigen Absatzentwicklungen verfolgt wird. Ferrari plant nicht, seine Produktionskapazitäten massiv auszuweiten. Vielmehr sollen neue Modelle selektiv eingeführt und durch exklusive Ausstattungsoptionen aufgewertet werden.

Luxus mit Tiefe: Warum Ferrari bewusst auf Auslieferungsrekorde verzichtet

Für das Jahr 2025 rechnet Ferrari nicht mit neuen Rekordzahlen bei den Auslieferungen. Stattdessen verfolgt das Unternehmen eine disziplinierte Produktionsplanung. Benedetto Vigna betonte, dass es nicht das Ziel sei, in jedem Jahr neue Verkaufsrekorde zu erzielen. Vielmehr gehe es darum, die Position der Marke im Luxussegment zu stärken und langfristig stabil zu wachsen.

Die Strategie basiert auf der Annahme, dass Luxusmarken nicht über die Breite, sondern über die Tiefe wachsen – durch Qualität, Exklusivität und Kundenerlebnis. In diesem Kontext versteht sich die Ultra-Personalisierung als Kernbestandteil einer modernen Luxusmarke. Sie ermöglicht es, den Kunden stärker an die Marke zu binden und gleichzeitig den finanziellen Wert jedes einzelnen Fahrzeugs zu maximieren.