Robotik : Österreichs Roboter-Hoffnung: Wird Linz zum Hotspot für humanoide Robotik?
Mit Drohne im Kopf: Humanoider Roboter des Linzer Start-ups Iono Robotics
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Für Ümit Bas ist die grundsätzliche Frage bereits beantwortet. Humanoide Roboter werden kommen. Offen sei aus seiner Sicht nicht mehr das Ob, sondern das Wann und Wie. Der Gründer und CEO von IONO sieht als ersten relevanten Einsatzraum nicht den privaten Haushalt, sondern die Industrie. Dort gebe es kontrollierte Umgebungen, klar beschreibbare Tätigkeiten und einen wachsenden Bedarf an Automatisierungslösungen, die über klassische Roboterzellen hinausgehen.
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Der Zugang von IONO ist damit industriegetrieben. Bas spricht nicht über humanoide Roboter als Lifestyle-Produkt, sondern als Antwort auf konkrete Engpässe in Produktion und Wirtschaft. Dazu zählen fehlende Arbeitskräfte, hohe Lohnkosten und monotone Tätigkeiten, die in vielen Betrieben nur schwer zu besetzen sind.
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Die Rechnung, die Bas skizziert: Wenn ein humanoider Roboter im Schichtbetrieb repetitive Tätigkeiten übernehmen kann, könne sich der Einsatz rasch rechnen. Er verweist auf Lohnkosten und auf die Möglichkeit, dass ein Roboter rund um die Uhr arbeiten kann. Zugleich bleibt die Voraussetzung klar: Der Roboter muss für den konkreten Arbeitsplatz und den konkreten Prozess vorbereitet sein. Genau hier setzt IONO an - nicht mit einem universellen Roboter, der alles kann, sondern mit Pilotprojekten, in denen konkrete Anwendungen trainiert und erprobt werden.
Industrie zuerst
Bas sieht die Industrie als Einstiegspunkt, weil die Technologie noch nicht ausgereift genug ist, um in völlig offenen, unkontrollierten Umgebungen breit eingesetzt zu werden. „Die Technologie steckt noch in den Kinderschuhen“, sagt er. Um sie weiterzuentwickeln, brauche es Umgebungen, in denen Roboter unter besseren Konditionen lernen und arbeiten können. Fabriken, Produktionsbereiche und definierte Arbeitsplätze bieten solche Bedingungen.
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Der Fokus liegt zunächst auf einfachen menschlichen Tätigkeiten. Bas nennt Pick-and-Place-Anwendungen: Produkte nehmen, Qualitätskontrollen durchführen, Teile ablegen, verpacken oder umsortieren. Diese Tätigkeiten seien nicht an eine einzelne Branche gebunden. IONO spricht nach Angaben von Bas mit Unternehmen aus Österreich, Deutschland und Italien. Genannt werden als Branchen unter anderem Fleischverarbeitung, Pharma, Metallverarbeitung und Getränkeindustrie. Auch Anfragen aus der Baubranche gebe es.
Datensouveränität als Gründungsmotiv
Ein zentrales Motiv für die Gründung von IONO war laut Bas die Frage der Datensouveränität. In der humanoiden Robotik gehe es nicht nur um Hardware. Entscheidend seien auch KI, Software und jene Plattform, über die Roboter verbunden, gesteuert und verwaltet werden. Bas sieht hier eine Lücke in Europa. Es gebe keine datensouveräne und datensichere Alternative aus Europa für die europäische Industrie, sagt er. Entweder kämen Systeme aus den USA als Blackbox oder aus China, wo unklar sei, wohin Daten abfließen könnten.
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IONO setzt deshalb auf vertikale Integration. Das Unternehmen will Hardware, KI im Roboter, Software und Plattform gemeinsam entwickeln beziehungsweise kontrollieren. Nur so lasse sich gewährleisten, wie Daten verarbeitet werden und dass sie nicht verloren gehen. Bas beschreibt diesen Punkt als Stärke des Unternehmens. Der Anspruch ist nicht nur, einen Roboterkörper zu bauen, sondern ein gesamtes System, das für europäische Industriekunden vertrauenswürdig und kontrollierbar sein soll.
Pilotprojekte statt Produktverkauf
IONO verkauft derzeit keine Serienprodukte, sondern Pilotprojekte. Im Juni soll der erste Pilotkunde vor Ort starten. IONO bereitet den Roboter zunächst intern auf den jeweiligen Use Case vor. Er wird in-house trainiert, beladen und für die konkrete Tätigkeit vorbereitet. Erst danach geht er zum Kunden. Dort soll er für zwei Wochen bis zwei Monate vor Ort arbeiten und die definierten Aufgaben ausführen. Schon für 2028 plant Bas den Übergang in Richtung Serienfertigung. Bis dahin geht es um Lernen am realen Shopfloor, um die Vorbereitung von Organisationen und um die Frage, wie Betriebe mit einer neuen Kategorie von Robotik umgehen.
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Besonders anspruchsvoll sei es, Geschwindigkeit und Präzision in Einklang zu bringen. Die Aufgabe bestehe darin, die Taktzeit eines Menschen in guter Qualität zu erreichen. Wenn dies in einzelnen Anwendungen noch nicht vollständig gelinge, könne ein humanoider Roboter einen Teil davon über seine Verfügbarkeit kompensieren. Gehen allein sei nicht das zentrale Problem. Herausfordernd werde es, während des Gehens zu arbeiten. Für die meisten Interessenten sei das aber nicht primär entscheidend. In den geplanten Anwendungen gehe der Roboter von A nach B und erledige die Aufgabe stationär am Zielort. IONO entwickelt dafür eine hybride Lösung: Der Roboter soll sowohl gehen können als auch sich auf einer mobilen Plattform bewegen.
Ein Robotikzentrum für Hagenberg und Linz
Ein technologisches Element, das Bas hervorhebt, ist die von IONO entwickelte intelligente Haut. Die Haut soll Temperatur, Bewegung und Geschwindigkeit messen können. Dadurch könnten auch Zustände erkannt werden, die visuell nicht erkennbar sind. Zudem soll die Haut aktive Kühlung ermöglichen. Wenn ein Gelenk überhitzt, könne punktuell gekühlt werden.
Weitreichend sind die Pläne für ein Humanoid-Robotik-Center. Bas kündigt an, ein solches Zentrum im Raum Linz aufzubauen. Zum Zeitpunkt des Gesprächs seien mehrere Standorte im Gespräch, der konkrete Standort solle demnächst festgelegt werden. Geplant ist eine Fläche von rund 2.000 Quadratmetern. Dort sollen unterschiedliche industrielle Use Cases gemeinsam mit Kunden einzeln nachgebaut werden.
Der Anspruch geht über ein internes Testlabor hinaus. Bas will Forschungseinrichtungen, Industrieunternehmen und Start-ups an einem Ort zusammenbringen. Neue Start-ups aus Österreich, die etwa Manipulatoren, Sensoren oder andere Komponenten für humanoide Roboter entwickeln, sollen in die Hardware- und Software-Infrastruktur von IONO eingebunden werden können. Ziel sei es, „Österreich in diesem Bereich gemeinsam stark machen“, so Bas.
Der Standortbezug ist dabei nicht zufällig. Bas hat in Hagenberg Software Engineering studiert und kommt aus der privaten Wirtschaft. IONO selbst ist nach seiner Darstellung noch klein: Das Team besteht aus vier Personen mit externer Unterstützung, soll aber wachsen. Bas ist Solo-Founder und Gesellschafter. Eine private Angel-Runde habe es gegeben, weitere Finanzierungsrunden seien bereits vorbereitet. Sein Ziel formuliert Bas durchaus selbstbewusst: IONO wolle europäischer Marktführer im Bereich humanoider Robotik in der Industrie werden.