Robotik in der Industrie : Fill Maschinenbau: Humanoider Roboter AEON startet wegweisenden Praxistest in der Fertigung

Fill Maschinenbau Robotik AEON

Der humanoide Roboter AEON soll bei Fill in Gurten unter realen Produktionsbedingungen getestet werden. Im Fokus stehen Aufgaben wie Maschinenbeschickung, Inspektion und operative Unterstützung entlang der Fertigungslinien.

- © Fill Maschinenbau

Der oberösterreichische Maschinenbauer Fill und Hexagon Robotics wollen humanoide Robotik stärker in industrielle Fertigungsprozesse bringen. Die beiden Unternehmen haben dafür eine strategische Zusammenarbeit gestartet, in deren Zentrum der humanoide Roboter AEON steht. Er soll in einer realen Produktionsumgebung bei Fill in Gurten erprobt werden – unter anderem bei der Maschinenbeschickung, bei Inspektionsaufgaben und in operativen Abläufen entlang von Produktionslinien.

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Ziel der Kooperation ist es, zu prüfen, welchen technologischen und wirtschaftlichen Mehrwert humanoide Roboter im industriellen Alltag tatsächlich leisten können. Hexagon bestätigte die Zusammenarbeit in einer Mitteilung vom 28. April 2026. Darin heißt es, AEON solle in Anwendungen wie „machine tending“, Inspektion und operativer Unterstützung eingesetzt werden, um die Autonomie moderner Fertigungssysteme zu erhöhen.

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Fill setzt bei AEON auf messbaren Kundennutzen

Für Fill ist das Projekt Teil einer breiteren Innovationsstrategie. Das Unternehmen mit Sitz in Gurten entwickelt Sondermaschinen und Fertigungslösungen für Branchen wie Automobil, Luftfahrt, Sportartikel und Bauindustrie. Fill beschäftigt nach Unternehmensangaben mehr als 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und erzielte 2025 einen Umsatz von 205 Millionen Euro. Das Unternehmen befindet sich vollständig in Familienbesitz.

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„Bei Fill ist Innovation seit jeher ein zentraler Bestandteil unserer DNA“, sagt Alois Wiesinger, CTO von Fill, laut Unternehmensangaben. AEON eröffne neue Perspektiven, weil der Roboter gezielt für industrielle Umgebungen entwickelt worden sei. Gemeinsam mit Hexagon Robotics wolle man humanoide Robotik praxisnah testen – mit dem Fokus auf messbaren Kundennutzen.

AEON soll Fertigungslinien autonomer und effizienter machen

Auch Arnaud Robert, Präsident von Hexagon Robotics, sieht in der Partnerschaft einen Schritt zur industriellen Anwendung humanoider Systeme. Die Zusammenarbeit solle zeigen, wie humanoide Roboter die Autonomie erhöhen und einen konkreten Mehrwert in Fertigungsprozessen schaffen können. Dazu zählt Hexagon unter anderem mehr Effizienz an Fertigungslinien sowie höhere Produktivität in komplexen Produktionsumgebungen, etwa bei hoher Variantenvielfalt oder Präzisionsmontage.

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AEON ist als Mehrzweckroboter konzipiert. Laut Hexagon Robotics kombiniert das System unter anderem multimodale Sensorfusion, räumliche 3D-Intelligenz, präzise Messtechnologie, leistungsfähige Aktuatoren und KI-gestützte Bewegungssteuerung. Der Roboter ist 165 Zentimeter groß, wiegt 60 Kilogramm, erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 2,4 Metern pro Sekunde und kann kurzfristig bis zu 15 Kilogramm tragen; im Dauerbetrieb sind acht Kilogramm angegeben. Eine Akkuladung soll bis zu vier Stunden reichen.

BMW testet den humanoiden Roboter AEON im Werk Leipzig. Dort soll er unter anderem in der Hochvoltbatteriemontage und in der Komponentenfertigung eingesetzt werden.

- © BMW

AEON wird bereits in mehreren Industrieprojekten erprobt

Der Einsatz bei Fill ist nicht das einzige Industrieprojekt rund um AEON. Hexagon Robotics hatte den humanoiden Roboter im Juni 2025 vorgestellt. Seitdem wird das System in mehreren industriellen Pilotprojekten erprobt. BMW kündigte Anfang 2026 an, AEON im Werk Leipzig in einem europäischen Pilotprojekt einzusetzen. Dabei geht es um Anwendungen in der Hochvoltbatteriemontage und in der Komponentenfertigung.

Wenige Tage vor der Fill-Mitteilung hatte Hexagon zudem eine erweiterte Partnerschaft mit Schaeffler bekannt gegeben. Der Automobil- und Industriezulieferer will laut Hexagon nach einem erfolgreichen Pilotprojekt mindestens 1.000 AEON-Roboter über sieben Jahre hinweg in seinem weltweiten Produktionsnetzwerk einsetzen.

Die Kooperation mit Fill soll nun Erkenntnisse darüber liefern, wie humanoide Roboter in bestehende Fertigungssysteme eingebunden werden können. Entscheidend ist dabei nicht nur die technische Machbarkeit, sondern auch die Frage, ob sich der Einsatz im laufenden Produktionsbetrieb skalieren lässt. Für Fill und Hexagon Robotics ist das Projekt damit ein Testfeld für Automatisierungslösungen der nächsten Generation – und ein weiterer Schritt hin zu flexibleren, autonomeren Produktionssystemen.

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