Robotik in der Industrie : Fill Maschinenbau: Überraschender Robotik-Test zeigt, wie AEON die Fertigung verändern soll
Der humanoide Roboter AEON soll bei Fill in Gurten unter realen Produktionsbedingungen getestet werden. Im Fokus stehen Aufgaben wie Maschinenbeschickung, Inspektion und operative Unterstützung entlang der Fertigungslinien.
- © Fill MaschinenbauDer Maschinenbauer Fill aus Gurten und Hexagon Robotics wollen humanoide Roboter näher an die industrielle Praxis bringen. Die Unternehmen haben eine strategische Zusammenarbeit vereinbart, bei der der humanoide Mehrzweckroboter AEON in einer realen Produktionsumgebung getestet wird. Ziel ist es, zu zeigen, wie sich solche Systeme in bestehende Fertigungsprozesse integrieren lassen und welchen Nutzen sie für die industrielle Automatisierung bringen können.
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AEON soll bei Fill unter anderem für Maschinenbeschickung, Inspektionsaufgaben und unterstützende Tätigkeiten entlang von Produktionslinien erprobt werden. Hexagon spricht dabei von einem Pilotprojekt in einem konkreten Kundenanwendungsfall am Standort Gurten. Damit geht es nicht nur um eine technische Demonstration, sondern um die Frage, ob humanoide Robotik in realen Fertigungsabläufen messbaren Mehrwert liefern kann.
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Fill setzt bei AEON auf messbaren Kundennutzen
AEON ist als industrieller Mehrzweckroboter konzipiert. Anders als klassische Industrieroboter ist er nicht fest an einer Produktionszelle montiert. Der Roboter verfügt über einen menschenähnlichen Oberkörper, kann mit Greifern, Händen oder Scanning-Systemen ausgestattet werden und bewegt sich auf Rädern durch die Arbeitsumgebung. Laut BMW soll diese Bauweise ermöglichen, verschiedene Aufgaben auszuführen, ohne die Grundstruktur des Roboters jeweils verändern zu müssen.
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Die offiziellen technischen Daten zeigen, dass AEON weniger als laufender Zweibeiner, sondern vielmehr als mobiler, humanoider Industrieroboter zu verstehen ist: Hexagon nennt eine Höhe von 1,65 Metern, ein Gewicht von 60 Kilogramm, bis zu 2,4 Meter pro Sekunde Geschwindigkeit, eine Batterielaufzeit von bis zu vier Stunden sowie einen automatischen Batteriewechsel. Die Traglast liegt bei bis zu 15 Kilogramm kurzfristig und acht Kilogramm im Dauerbetrieb.
AEON soll Fertigungslinien autonomer und effizienter machen
Für Fill ist der Test ein Schritt, um neue Automatisierungslösungen näher an konkrete industrielle Anwendungen heranzuführen. Das Unternehmen betont, humanoide Robotik strukturiert und praxisnah testen zu wollen. Entscheidend sei, ob solche Systeme in Kombination mit bestehenden Automatisierungslösungen einen klaren Nutzen für Kunden schaffen können.
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Hexagon Robotics sieht in der Kooperation einen weiteren Nachweis dafür, dass humanoide Roboter nicht nur in Forschungslaboren oder auf Messen relevant sind. Das Unternehmen will AEON als Ergänzung zu bestehenden Automatisierungssystemen positionieren, insbesondere dort, wo Flexibilität, räumliche Orientierung und Interaktion mit menschenzentrierten Arbeitsumgebungen gefragt sind.
AEON wird bereits in mehreren Industrieprojekten erprobt
Der Test bei Fill steht nicht isoliert. Hexagon hatte AEON im Juni 2025 vorgestellt und den Roboter von Beginn an auf industrielle Anwendungen ausgerichtet. Zu den vorgesehenen Einsatzfeldern zählen neben Maschinenbeschickung auch Teileinspektion, Reality Capture, Manipulation und operative Unterstützung in der Produktion.
Auch BMW testet AEON bereits in der Produktion. Im Werk Leipzig wurde der Roboter im Dezember 2025 erstmals eingesetzt; weitere Tests laufen seit April 2026, um eine Pilotphase ab Sommer 2026 vorzubereiten. BMW will AEON zunächst in der Hochvoltbatteriemontage und in der Komponentenfertigung erproben. Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur eine einzelne Aufgabe, sondern die Frage, wie sich ein humanoider Roboter sinnvoll in Serienproduktionsprozesse integrieren lässt.
Noch weiter geht die Partnerschaft von Hexagon mit Schaeffler. Der deutsche Motion-Technology-Konzern plant, mindestens 1.000 AEON-Roboter bis 2032 in seinem globalen Produktionsnetzwerk einzusetzen. Gleichzeitig liefert Schaeffler hochpräzise Aktuatoren für humanoide Robotersysteme und positioniert sich damit auch als Komponentenpartner für diese neue Robotergeneration.
Humanoide Robotik rückt näher an die Fabrik
Die Kooperation zwischen Fill und Hexagon zeigt, wie sich humanoide Robotik zunehmend aus der Entwicklungsphase in konkrete industrielle Erprobungen verschiebt. Entscheidend wird sein, ob die Systeme zuverlässig genug arbeiten, sich ohne großen Umbau in bestehende Produktionsumgebungen integrieren lassen und wirtschaftlich gegenüber klassischen Automatisierungslösungen bestehen können.
Für Maschinenbauer wie Fill eröffnet die Technologie neue Möglichkeiten: Humanoide Roboter könnten künftig dort eingesetzt werden, wo starre Automatisierung zu unflexibel ist, wo Aufgaben häufig wechseln oder wo Menschen bisher repetitive, körperlich belastende oder ergonomisch ungünstige Tätigkeiten übernehmen. Der Pilot in Gurten dürfte daher nicht nur für Fill und Hexagon relevant sein, sondern auch für andere Industrieunternehmen, die den praktischen Nutzen humanoider Robotik in der Fertigung bewerten wollen.