Der Solarhersteller Meyer Burger ist in den USA gescheitert. Überrascht?
Engelbrechtsmüller-Strauß: Ich denke, sich allzusehr von Förderungen abhängig zu machen ist nicht gut. Darauf darf man sich nicht verlassen. Den Inflation Reduction Act haben wir uns natürlich angeschaut. Unsere Ansicht: Wir könnten in den USA nicht viel günstiger produzieren als in Österreich. Hier haben wir die Kompetenz aufgebaut und die Abläufe sind eingespielt. Darauf können wir uns verlassen. Nur auf Förderungen zu bauen ist zu wenig.
Braucht Fronius neue Geschäftsfelder? Klaus Fronius etwa tüftelt auf seinem Bauerngut an Wasserstofftechnologien?
Engelbrechtsmüller-Strauß: Es braucht kein neues Geschäftsfeld. Beispiel Schweißtechnik. Dort sind wir Innovationsführer, arbeiten kontinuierlich an neuen Prozessen, wie wir den Lichtbogen besser beherrschen können. Das Gleiche tun wir auch in der Photovoltaik. Energiemanagement ist ein großes Thema: wie wir Energie besser nutzen, die Netze entlasten – und mit unserer Vision „24 Stunden Sonne“, verbinden wir die Sektoren Strom, Wärme und Mobilität miteinander, damit noch mehr mit Erneuerbaren möglich wird.
Immerhin wächst der Strombedarf stark.
Engelbrechtsmüller-Strauß: Es gibt einen riesigen Stromhunger, alleine durch die Digitalisierung. Der Bedarf wird bleiben. Photovoltaik ist eine der günstigsten Formen der Stromproduktion. Viele regen sich über Investitionen in Netze auf. Aber diese Investitionen braucht es – genauso, wie wir für Digitalisierung Infrastruktur brauchen. Wir entwickeln und produzieren in Europa, sehr sauber, und bieten sichere Lösungen – auch bei Security-Themen. Wir gehören zu den wenigen, die noch alles in einer Hand haben.
2022 und 2023 war die Nachfrage größer als Ihr Angebot. Viele Abnehmer waren unzufrieden.
Engelbrechtsmüller-Strauß: Ja, wir konnten nicht so schnell skalieren wie chinesische Mitbewerber. Viele besonders in Österreich waren wirklich sauer auf uns, weil sie den Eindruck hatten, dass wir sie im Regen stehen lassen. Das stimmt aber nicht, wir haben damals Österreich gegenüber anderen Märkten sogar priorisiert. Uns wurde vorgeworfen: Fronius will nicht wachsen, investiert zu wenig obwohl wir mehr als 400 Mio. in den Standort investiert haben. Das Vertrauen wiederzuerlangen, ist unsere Aufgabe.
Wie werden Sie 2025 abschließen?
Engelbrechtsmüller-Strauß: Wir werden wachsen. September, Oktober, November werden noch entscheidende Monate. Und schon in allen Monaten davor war der Auftragseingang besser als 2024. Förderungen und Made in Europe Bonus kann man erst seit Ende des zweiten Quartals einmelden, gleichzeitig wurde die Umsatzsteuerbefreiung gestoppt – das sorgt für Unruhe im Markt und führt zu einer Investitionszurückhaltung bei Privaten wie Unternehmen. Aber insgesamt läuft es stabil.
Erwarten Sie durch Rüstung anziehende Geschäfte in der Schweißtechnik?
Engelbrechtsmüller-Strauß: Rüstung ist für uns eher unbedeutend. Einen viel größeren Anteil haben Automotive und Commercial Transportation. Wir erwarten da keinen besonderen Boost durch Regulierung – aber in diesen Bereichen wird viel geschweißt, und das ist unser Feld.
Sie haben die Verantwortung für ein Großunternehmen. War das zuletzt eher eine Bürde?
Engelbrechtsmüller-Strauß: Es ist keine Bürde, sondern eine Verantwortung. Krisen gibt es immer wieder. Vor zwei, drei Jahren war die Krise bei den Lieferanten: Wir hatten keine Bauteile. Jetzt ist es anders: Wir haben zu wenig Umsatz. Beides ist herausfordernd für das Unternehmen, jedoch müssen immer passend zur Situation andere Maßnahmen getroffen werden. Ich finde das spannend. Mir taugt es derzeit richtig, weil wir nach den Kapazitätsanpassungen wieder gestalten können. Nach dem Schmerz entstehen neue Ideen.
Sie haben 6.700 Mitarbeiter. Wieviel der Verantwortung müssen Sie eigentlich alleine tragen?
Engelbrechtsmüller-Strauß: Wir sind ein Team. Früher waren wir vier in der Geschäftsführung, jetzt fünf. Wir entscheiden vieles gemeinsam. Es ist erlaubt, auch mal schwach zu sein. Der große Anker ist das Team. Das macht uns stark.
Wann waren Sie zuletzt schwach?
Engelbrechtsmüller-Strauß: Ich bin oft schwach – natürlich (lacht). Etwa, als die Auftragseingänge 2024 nicht eintrafen. Das war schon heftig. Auch als wir Mitarbeiter freisetzen mussten, war ich nervös. Aber ich habe Rückhalt – von Kollegen, Stiftung, Aufsichtsrat und der Eigentümerfamilie.