Aufmerksam beobachtet Semperit chinesische Modelle. Ramls Begründung ist technisch und geopolitisch zugleich. US-Exportbeschränkungen haben chinesischen Entwicklern den Zugang zu den leistungsfähigsten NVIDIA-Beschleunigern erschwert. Dadurch seien sie gezwungen gewesen, stärker auf Effizienz zu optimieren. Die Chinesen müssen einfach sehr effizient sein. "Deshalb sind diese Modelle super interessant“, sagt er.
Semperit will möglichst viele dieser Optionen ausprobieren. Skepsis und Vorsicht bleibt: "Weil ich nicht weiß, ob ein Modell nicht im Hintergrund trotzdem Verbindungen aufbaut und ein Datenabfluss stattfindet, muss ich achtsam sein“, sagt Raml.
Microsoft verdient pro Credit
Dass bei Semperit so intensiv nach Alternativen gesucht wird, hat viel mit dem Wandel der Abrechnung zu tun. Raml beobachtet, wie KI-Produkte von klassischen Benutzerlizenzen in Richtung verbrauchsabhängiger Modelle wandern. Microsoft hat diesen Schritt längst institutionalisiert. In Copilot Studio werden Agenten inzwischen über sogenannte Copilot Credits abgerechnet.
Eine klassische Antwort kostet einen Credit, eine generative Antwort zwei, eine Agentenaktion fünf und Tenant-Graph-Grounding zehn Credits. Premium-AI-Tools mit Reasoning werden zusätzlich nach Tokenverbrauch berechnet. Microsoft nennt dafür zehn Copilot Credits je 1.000 Tokens. Für Coding verschärft sich die Rechnung, weil ein Agent nicht nur einen Prompt beantwortet. Er liest Dateien, durchsucht Codebasen, generiert Programmteile, startet Tests, interpretiert Fehler und korrigiert erneut. Anthropic bietet Claude Code deshalb sowohl über Abonnements als auch nutzungsabhängig an. Max-Tarife liegen derzeit bei 100 beziehungsweise 200 Dollar pro Person und Monat.