Stellantis V6-Motor Comeback : Nach Batteriestopp in Termoli: Stellantis setzt wieder auf Hybrid und V6-Motoren
Stellantis hält am V6 fest und plant langfristig wieder höhere Produktionszahlen.
- © StellantisStellantis vollzieht in Italien eine auffällige Kurskorrektur: Nachdem das Batteriefabrik-Projekt in Termoli gestoppt wurde, investiert der Konzern nun 41 Millionen Euro in ein Hybridgetriebe. Gleichzeitig soll die Produktion des V6-Motors in den kommenden Jahren wieder steigen – vor allem für Maserati und Alfa Romeo Quadrifoglio.
Lesetipp: Über 100.000 Jobs weg: Wie die Verlagerung der Autoindustrie Deutschland trifft
Damit reagiert Stellantis auf eine schwächere Dynamik bei Elektroautos und auf die anhaltend hohe Relevanz von Hybridantrieben. In Termoli soll die neue Produktion ab 15. September 2026 anlaufen; perspektivisch könnten bis zu 288 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen.
Nie mehr die wichtigsten News aus Österreichs Industrie verpassen? Abonnieren Sie unser Daily Briefing: Was in der Industrie wichtig wird. Täglich um 7 Uhr in ihrer Inbox. Hier geht’s zur Anmeldung!
Stellantis stoppt Batteriefabrik in Termoli
Termoli war ursprünglich als Standort einer Batteriegigafactory vorgesehen. Das Projekt der Automotive Cells Company – einem Gemeinschaftsunternehmen von Stellantis, Mercedes-Benz und TotalEnergies – sollte den Standort zu einem wichtigen Baustein der europäischen Batterieversorgung für Elektrofahrzeuge machen.
>>> Stellantis-Rückzug: Milliarden-Wende zugunsten der USA
Nachdem ACC seine Expansionspläne jedoch angesichts einer schwächeren Marktdynamik bei Elektroautos angepasst hatte, wurde das Projekt in Termoli gestoppt. Stellantis reagiert nun mit einer Neuausrichtung der industriellen Nutzung des Werks.
Im Mittelpunkt steht eine Investition von 41 Millionen Euro in die Produktion eines eDCT-Hybridgetriebes. Diese automatisierten Doppelkupplungsgetriebe werden in zahlreichen Hybridmodellen des Konzerns eingesetzt und verbinden einen Verbrennungsmotor mit elektrischer Unterstützung.
Der Produktionsstart ist für 15. September 2026 vorgesehen. Die Installation der Produktionslinien soll bis Ende April 2026 abgeschlossen sein, Vorserien sind zwischen Juni und Juli geplant. Neben der Endmontage werden in Termoli auch mehrere vorgelagerte Fertigungsschritte stattfinden. Perspektivisch könnte die Produktion bis zu 288 zusätzliche Arbeitsplätze erfordern.
V6 für Maserati und Alfa Romeo soll wieder wichtiger werden
Parallel zur neuen Getriebeproduktion bestätigt Stellantis auch die langfristige Rolle klassischer Verbrennungstechnologie in seinem Produktionsportfolio. Drei Motorenprogramme bleiben am Standort bestehen.
>>> Stellantis: Massive Milliarden-Verluste erzwingen Diesel-Comeback
Der GSE FireFly-Benzinmotor, der in zahlreichen Modellen der Konzernmarken eingesetzt wird, wird an die kommende Euro-7-Abgasnorm angepasst. Damit soll die Produktion dieser Motorenfamilie über 2030 hinaus gesichert werden. Auch der GME-Motor, der vor allem in leistungsstärkeren Fahrzeugen eingesetzt wird und stark auf den nordamerikanischen Markt ausgerichtet ist, bleibt Teil des Programms.
Besondere Aufmerksamkeit gilt dem V6-Motor, der unter anderem in Fahrzeugen von Maserati sowie in den Hochleistungsvarianten Alfa Romeo Quadrifoglio eingesetzt wird. Aufgrund der aktuell begrenzten Verkaufszahlen von Maserati sind die Produktionsvolumina derzeit relativ niedrig. Stellantis plant jedoch, die Fertigung dieses Motors in den kommenden Jahren wieder zu erhöhen.
-
V6-Motor "Nettuno" von StellantisDer V6-Motor „Nettuno“ ist ein 3,0-Liter-Biturbo-Benzinmotor, der innerhalb des Stellantis-Konzerns von Maserati entwickelt wurde. Produziert wird das Aggregat im Motorenwerk Termoli in Italien. Der Motor wurde 2020 erstmals vorgestellt und bildet seitdem das technische Herz mehrerer Hochleistungsmodelle der Marke Maserati.
Das Aggregat verfügt über sechs Zylinder in einer 90-Grad-V-Anordnung, zwei Turbolader und einen Hubraum von 3,0 Litern. In seiner stärksten Ausführung leistet der Motor bis zu 630 PS und erreicht ein maximales Drehmoment von bis zu 730 Newtonmetern.
Eine Besonderheit des Nettuno-Motors ist die sogenannte Vorkammer-Verbrennungstechnologie („Twin Combustion“). Diese Technik stammt ursprünglich aus der Formel-1-Motorentwicklung und arbeitet mit einer zusätzlichen kleinen Brennkammer, in der ein Teil des Kraftstoff-Luft-Gemischs gezündet wird. Die entstehenden Flammenstrahlen verbessern die Effizienz und Leistungsentfaltung der Verbrennung im Hauptzylinder.
Der Motor wird unter anderem im Supersportwagen Maserati MC20 sowie in den Verbrennerversionen des Maserati GranTurismo und GranCabrio eingesetzt. Innerhalb der Stellantis-Strategie gilt der Nettuno-V6 als wichtiger Bestandteil der Performance-Modelle der Premium- und Sportmarken des Konzerns.
Warum Hybrid und Verbrenner vorerst wieder an Bedeutung gewinnen
Die Entscheidung unterstreicht eine breitere Entwicklung in der Automobilindustrie. Während Hersteller langfristig auf Elektromobilität setzen, gewinnen Hybridantriebe und modernisierte Verbrennungstechnologien kurzfristig wieder an Bedeutung. Gründe dafür sind unter anderem die weiterhin hohe Nachfrage nach Hybridfahrzeugen, regulatorische Übergangsphasen sowie die langsamere Marktdurchdringung rein batterieelektrischer Fahrzeuge in einigen Regionen.
Mit der Investition in Hybridgetriebe und der Verlängerung der Lebensdauer bestehender Motorenprogramme reagiert Stellantis auf diese Marktdynamik – und verschiebt den industriellen Fokus zumindest vorübergehend wieder stärker in Richtung Verbrennungstechnologie.