Stellantis Jeep China : Stellantis riskante China-Wette für Europa: Jeeps aus Wuhan

Stellantis Jeep neues SUV Dongfeng

Stellantis stellt Jeep neu auf: Die Marke soll mit Dongfeng ein neues SUV aus China nach Europa bringen.

- © Stellantis/Jeep

Stellantis schlägt bei Jeep einen neuen Kurs ein: Der Konzern will bis 2030 ein großes Jeep-SUV in Europa anbieten, das gemeinsam mit dem chinesischen Partner Dongfeng entwickelt und in China produziert wird. Nach Angaben von Jeep-Europachef Fabio Catone soll das Modell im Dongfeng-Werk in Wuhan vom Band laufen und sowohl in China als auch in Europa verkauft werden. Weitere Märkte werden geprüft. Einen Namen, Preise oder genaue technische Daten nannte das Unternehmen bislang nicht. Fest steht aber: Der Wagen soll nicht einfach ein umetikettiertes Dongfeng-Modell sein, sondern auf einer neuen, gemeinsam entwickelten Plattform entstehen.

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Der Schritt ist Teil einer deutlich größeren Produktoffensive. Jeep will seine europäische Modellpalette bis 2030 von derzeit zwei auf sechs Fahrzeuge ausbauen. Heute stehen in Europa vor allem der kompakte Avenger und der größere Compass im Mittelpunkt. Hinzukommen soll zunächst der vollelektrische Recon, ein geländetauglich ausgelegtes Modell mit Allradantrieb, das laut Jeep-Management Anfang kommenden Jahres starten soll. Außerdem plant die Marke zwei weitere B-Segment-SUVs auf der neuen Stellantis-Plattform STLA One.

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Stellantis setzt auf China: Warum Jeep jetzt zur Bewährungsprobe wird

Für Stellantis ist die Entscheidung auch ein industriepolitisches Signal. Unter dem früheren Konzernchef Carlos Tavares hatte der Autokonzern seine China-Aktivitäten stark zurückgefahren. 2022 kündigte Stellantis an, die lokale Jeep-Produktion mit dem damaligen Partner GAC zu beenden und in China stärker auf ein importbasiertes, „asset-light“ genanntes Geschäftsmodell zu setzen. Die damalige Jeep-GAC-Allianz galt als verlustreich; Stellantis verbuchte im ersten Halbjahr 2022 eine Wertminderung von rund 297 Millionen Euro.

Heute wirkt die Strategie beinahe umgekehrt. Filosa, der im Juni 2025 offiziell die Führung von Stellantis übernahm, setzt wieder stärker auf industrielle Kooperationen mit chinesischen Herstellern. Sein Konzern will dabei nicht nur Fahrzeuge aus China exportieren, sondern auch chinesische Modelle in europäischen Werken bauen lassen. Mit Dongfeng plant Stellantis ein neues europäisches Gemeinschaftsunternehmen, an dem Stellantis 51 Prozent halten soll. Dieses soll Verkauf, Vertrieb, Einkauf, Engineering und möglicherweise auch Fertigung von Dongfeng-Fahrzeugen in Europa übernehmen. Geplant ist unter anderem die Lokalisierung von Dongfengs Premium-Elektromarke Voyah im Werk Rennes in Frankreich.

Im Dongfeng-Werk in Wuhan soll künftig ein gemeinsam mit Stellantis entwickeltes Jeep-SUV vom Band laufen – auch für den europäischen Markt.

- © Wikipedia

Dongfeng statt Rückzug: Stellantis sucht den Neustart in Wuhan

Parallel wird auch die bestehende Partnerschaft in China ausgebaut. Stellantis und Dongfeng vereinbarten im Mai 2026 ein Investitionspaket von umgerechnet rund 1,2 Milliarden Dollar, um Peugeot- und Jeep-Modelle in China zu produzieren. Offiziell ist von neuen sogenannten New Energy Vehicles die Rede, also Fahrzeugen mit elektrifizierten Antrieben. Die Produktion im Gemeinschaftsunternehmen DPCA in Wuhan soll ab 2027 anlaufen und sowohl den chinesischen Markt als auch Exportmärkte bedienen.

Jeep spielt in diesem Plan eine Schlüsselrolle. Stellantis hatte im Mai 2026 seine neue Strategie „FaSTLAne 2030“ vorgestellt: ein Fünfjahresplan über 60 Milliarden Euro. Der Konzern will mehr als 60 neue Modelle und 50 größere Modellüberarbeitungen auf den Markt bringen. Besonders viel Kapital soll in vier globale Marken fließen: Jeep, Ram, Peugeot und Fiat. Zusammen mit der Nutzfahrzeugsparte Pro One sollen sie 70 Prozent der Marken- und Produktinvestitionen erhalten. Opel, Citroën, Chrysler, Dodge und Alfa Romeo werden dagegen als regionale Marken geführt.

Im Stellantis-Werk Zaragoza soll künftig ein elektrischer Opel-C-SUV auf einer neuen Linie neben dem Leapmotor B10 entstehen.

- © Stellantis

Jeep verliert seine alte Landkarte: Europa, China und die neue Autoindustrie

Für Europa ist die China-Wende auch eine Antwort auf Kostendruck. Stellantis will die Auslastung seiner europäischen Werke bis 2030 von rund 60 auf 80 Prozent erhöhen. Dafür sollen unter anderem Werke neu genutzt, Kapazitäten geteilt und Partnerschaften mit Leapmotor und Dongfeng ausgebaut werden. In der Strategie nennt Stellantis ausdrücklich Madrid, Zaragoza und Rennes als Standorte, die von solchen Kooperationen profitieren könnten. Gleichzeitig plant der Konzern, die europäische Produktionskapazität insgesamt um mehr als 800.000 Einheiten zu reduzieren.

Auch bei Leapmotor ist Stellantis bereits weit gegangen. Der Konzern hält rund 21 Prozent an dem chinesischen Elektroautohersteller und kontrolliert mit 51 Prozent das Gemeinschaftsunternehmen Leapmotor International. Dieses besitzt die exklusiven Rechte für Verkauf und Fertigung von Leapmotor-Modellen außerhalb Chinas. Im Mai 2026 kündigten beide Unternehmen an, ihre Zusammenarbeit zu vertiefen. In Zaragoza soll ein elektrischer Opel-C-SUV auf einer neuen Linie neben dem Leapmotor B10 entstehen; außerdem wird die Produktion weiterer Leapmotor-Modelle im Werk Villaverde bei Madrid geprüft.

China wird zur Jeep-Frage: Wie Stellantis seine Marke neu aufstellt

Der Zeitpunkt ist heikel. Die Europäische Union erhebt seit Oktober 2024 zusätzliche Ausgleichszölle auf batterieelektrische Fahrzeuge aus China. Die EU-Kommission begründete dies mit unfairen Subventionen entlang der chinesischen Wertschöpfungskette. Die Sätze reichen je nach Hersteller von 7,8 Prozent für Tesla Shanghai bis 35,3 Prozent für SAIC und nicht kooperierende Unternehmen; hinzu kommt der reguläre EU-Autozoll. Lokale Fertigung in Europa kann für chinesische Hersteller daher strategisch attraktiver werden.

Für Jeep bleibt dennoch eine Markenfrage: Kann ein in China gebautes Modell glaubwürdig als amerikanisch geprägter Geländewagen verkauft werden? Catone versucht, diese Sorge abzufedern. Jeep sei zwar eine US-Marke, aber zugleich global aufgestellt, lautet seine Argumentation. Das neue Modell solle ein „echter Jeep“ werden, auch wenn seine industrielle Basis aus der Zusammenarbeit mit Dongfeng stammt. Für Stellantis zählt dabei vor allem, schneller und günstiger neue Fahrzeuge zu entwickeln. Im FaSTLAne-Plan nennt der Konzern als Ziel, Entwicklungszeiten von bisher bis zu 40 Monaten auf 24 Monate zu senken.

Ob die Rechnung aufgeht, hängt von mehreren Faktoren ab: von der Akzeptanz europäischer Kunden, von der regulatorischen Lage bei China-Importen und von der Fähigkeit, chinesische Kostenvorteile mit westlicher Markenführung zu verbinden. Sicher ist nur: Stellantis kehrt nicht einfach nach China zurück. Der Konzern versucht, China als Entwicklungs-, Produktions- und Technologiepartner in seine globale Strategie einzubauen. Für Jeep bedeutet das den wohl deutlichsten Bruch mit dem alten Selbstbild: Die Marke bleibt amerikanisch im Ursprung, soll aber künftig noch stärker aus einem weltweiten Produktionsnetz leben.

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