Stellantis Diesel-Comeback : Stellantis-Diesel: Überraschende Rückkehr zum Verbrenner nach Milliarden-Verlust

Opel-Produktion im deutschen Eisenach

Stellantis vollzieht nach Milliarden-Verlust und Elektro-Fehleinschätzung die Rückkehr zum Verbrenner: Qualitätsprobleme, Garantiekosten und der Stellenabbau in Europa belasten die Bilanz zusätzlich – erst ab 2026 rechnet der Autobauer wieder mit operativen Gewinnen.

- © Stellantis

Der Automobilkonzern Stellantis erweitert in Europa erneut sein Angebot an Dieselmodellen. Mindestens sieben Fahrzeuge verschiedener Modellreihen – darunter Opel Astra, Citroën Berlingo und Peugeot 308 – werden wieder mit entsprechenden Antrieben angeboten. Das geht aus Händler-Websites und Unternehmensmitteilungen hervor. „Wir haben entschieden, Dieselmotoren in unserem Produktportfolio zu belassen und in einigen Fällen die Antriebsauswahl zu steigern“, erklärte Stellantis.

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Der Konzern, zu dem Marken wie Peugeot, Citroën, Fiat und Opel gehören, verfolgt damit das Ziel, wieder auf Wachstumskurs zu kommen. Maßgeblich sei dabei die Nachfrage der Kundinnen und Kunden.

Dabei war der Dieselmarkt in Europa in den vergangenen Jahren stark geschrumpft. Vor dem Dieselskandal lag der Anteil von Selbstzündern an den Neuwagenverkäufen bei mindestens 50 Prozent. Bis 2025 sank dieser Wert laut Daten des europäischen Branchenverbandes ACEA auf nur noch 7,7 Prozent.

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Stellantis: Milliarden-Verlust nach Abkehr von der Elektroauto-Strategie

Erst in der vergangenen Woche hatte Stellantis einen weitreichenden Strategiewechsel bekannt gegeben: Der Konzern verabschiedet sich von seiner bisherigen Elektro-Offensive und nimmt dafür Abschreibungen von mehr als 22 Milliarden Euro in Kauf. Vorstandschef Antonio Filosa, seit Mai im Amt, löst sich damit endgültig von den Plänen seines Vorgängers Carlos Tavares, der das aus Fiat, Chrysler, Peugeot und Citroën entstandene Unternehmen vollständig auf Elektrofahrzeuge ausrichten wollte.

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Filosa kündigte einen Neustart an. Kundinnen und Kunden der Opel-Muttergesellschaft sollten künftig wieder zwischen Verbrenner-, Hybrid- und Elektro-Modellen wählen können. „Es gehe darum, die Produktpalette an die Nachfrage anzupassen.“ Seine konkreten Pläne zur künftigen Antriebsstrategie will er im Mai vorstellen.

Die finanziellen Folgen sind erheblich: Allein im zweiten Halbjahr 2025 rechnet Stellantis mit einem Verlust zwischen 19 und 21 Milliarden Euro bei einem Umsatz von 78 bis 80 Milliarden Euro. Eine Dividende soll in diesem Jahr nicht ausgeschüttet werden, wodurch insbesondere die Exor-Holding der Fiat-Gründerfamilie Agnelli leer ausgeht. An der Börse reagierten Anleger deutlich: Die Aktie fiel in Mailand um bis zu 24 Prozent auf 6,17 Euro – den niedrigsten Stand seit der Fusion von Fiat-Chrysler und PSA im Jahr 2021.

Vorstandschef Antonio Filosa

- © NICOLAS ZWICKEL

Stellantis-Strategie 2030 gescheitert?

Filosa räumte ein, dass der Konzern die Geschwindigkeit des Wechsels von Benzin- und Dieselantrieben hin zur Elektromobilität falsch eingeschätzt habe. Die Abschreibungen seien eine Folge dessen, „was uns von den Bedürfnissen, Möglichkeiten und Wünschen vieler Autokäufer in der realen Welt entfernt hat“. Ein solcher Wandel lasse sich nicht verordnen, sondern müsse sich an der Nachfrage orientieren.

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Unter Tavares war vorgesehen, ab 2030 in Europa keine Verbrenner mehr zu produzieren. In den USA sollte mindestens die Hälfte der Fahrzeugflotte elektrisch fahren. Doch insbesondere auf dem wichtigen US-Markt geriet Stellantis unter Druck: Dort sank der Umsatz um 15 Prozent, der Marktanteil in Nordamerika fiel auf 8 Prozent – ein historischer Tiefstand. In der Folge musste Tavares gehen.

Filosa leitete erste Gegenmaßnahmen ein und brachte unter anderem den Jeep Cherokee wieder auf den Markt, den sein Vorgänger hatte einstellen wollen. Seitdem zeigen die Absatzzahlen eine leichte Erholung.

Stellantis vollzieht nach Milliarden-Verlust und Elektro-Fehleinschätzung die Rückkehr zum Verbrenner: Qualitätsprobleme, Garantiekosten und der Stellenabbau in Europa belasten die Bilanz zusätzlich – erst ab 2026 rechnet der Autobauer wieder mit operativen Gewinnen.

- © Stellantis

Stellantis kämpft mit Qualitätsproblemen – Milliarden für Garantiekosten

Ein Teil der milliardenschweren Belastungen steht jedoch nicht direkt im Zusammenhang mit dem Strategiewechsel. Seit Jahren kämpft der Konzern mit Qualitätsproblemen. Für zusätzliche Garantiekosten werden 4,1 Milliarden Euro zurückgestellt. Der bereits angekündigte Stellenabbau in Europa schlägt mit 1,3 Milliarden Euro zu Buche. Insgesamt kalkuliert Stellantis in den kommenden vier Jahren mit tatsächlichen Mehrkosten von 6,5 Milliarden Euro infolge der Neuausrichtung, da einige Modelle eingestellt und andere voraussichtlich deutlich seltener verkauft werden.

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Mit seiner Kehrtwende folgt Stellantis dem Kurs der US-Konkurrenten Ford und General Motors, die angesichts der Politik der US-Regierung unter Donald Trump und der schwachen Nachfrage nach Elektroautos ebenfalls ihre ambitionierten Elektroziele zurückgenommen haben. Im Zuge der Neuausrichtung trennt sich Stellantis unter anderem von seiner Beteiligung an einem Batteriewerk in Kanada. Diese geht für einen symbolischen Preis von 100 Dollar (85 Euro) an den südkoreanischen Batteriehersteller LG Energy Solution.

Für das Jahr 2026 peilt Stellantis ein Umsatzwachstum von rund fünf Prozent und wieder operative Gewinne an. Ein positiver Cashflow wird jedoch erst für 2027 erwartet.