Ferrari Luce Design : Ferrari Luce: Fünf Sitze, 1.050 PS und ein Design, das Ferrari-Fans spaltet

Blauer Ferrari Luce als futuristisches Elektroauto mit glatter Front, weichen Linien und vier Türen.

Der Ferrari Luce ist das erste vollelektrische Serienmodell aus Maranello – und zugleich Ferraris erster Fünfsitzer. Sein ungewöhnliches Design sorgt unter Markenfans für deutlich mehr Gegenwind als erwartet.

- © Ferrari

Mit dem Luce beginnt für Ferrari ein neues Kapitel – und offenbar ein deutlich kontroverseres, als der Sportwagenhersteller selbst erwartet hatte. Das erste vollelektrische Serienmodell aus Maranello sollte von Anfang an provozieren und mit den gestalterischen Traditionen der Marke brechen. Dennoch räumt Ferrari inzwischen ein, dass die ablehnenden Reaktionen auf das Fahrzeug wesentlich heftiger ausgefallen sind als vorausgesehen.

Emanuele Carando, Ferraris globaler Marketingdirektor, erklärte gegenüber dem US-Automobilportal Edmunds, das Unternehmen habe mit einer starken und polarisierenden Reaktion gerechnet. Das tatsächliche Ausmaß der negativen Kommentare habe Ferrari jedoch überrascht. Carando versucht, die Debatte aus Sicht des Marketings positiv zu bewerten: Die zahlreichen Diskussionen über das Design hätten dem Luce eine enorme Aufmerksamkeit verschafft, ohne dass Ferrari dafür zusätzliche Werbeausgaben tätigen musste. Bei einer Marke, die weltweit so emotional wahrgenommen werde, hätten schließlich viele Menschen das Bedürfnis, ihre Meinung zu äußern.

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Ferrari Luce: Der erste Elektro-Ferrari kostet mindestens 550.000 Euro

Der Luce wurde am 25. Mai 2026 in Rom vollständig vorgestellt. Sein Name bedeutet auf Italienisch „Licht“. Das Modell ist nicht nur der erste rein elektrisch angetriebene Ferrari, sondern zugleich der erste Fünfsitzer der Unternehmensgeschichte. Der viertürige Wagen kostet in Europa mindestens 550.000 Euro. Die ersten Auslieferungen sollen im vierten Quartal 2026 beginnen. Nach Angaben von Ferrari dauerte die Entwicklung rund fünf Jahre.

Ferrari Luce und Jony Ive: Wie Apple-Design Maranello verändern soll

Im Mittelpunkt der Kritik steht vor allem das Äußere. Der Luce besitzt weder die lange, betont sportliche Motorhaube eines klassischen Frontmotor-Ferrari noch die flache Silhouette eines zweisitzigen Supersportwagens. Stattdessen setzt das Fahrzeug auf eine weit nach vorn gezogene Fahrgastzelle, große Glasflächen und ein für Ferrari ungewöhnlich geräumiges Karosseriekonzept.

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Diese Abkehr von der bisherigen Formensprache war nach Aussage des Unternehmens beabsichtigt. Ferrari hätte nach den Worten Carandos auch den Purosangue als technische Grundlage verwenden, dessen Zwölfzylindermotor entfernen und an seiner Stelle Batterien sowie Elektromotoren einbauen können. Man habe sich jedoch dagegen entschieden, weil ein solcher Umbau die konstruktiven Möglichkeiten des Elektroantriebs nicht ausreichend genutzt hätte.

Jony Ive, früherer Apple-Chefdesigner, arbeitete mit seinem Designkollektiv LoveFrom an der Gestaltung des Ferrari Luce mit. Der erste Elektro-Ferrari soll bewusst keine Kopie klassischer Verbrennermodelle sein.

- © Wikipedia

Warum der Elektro-Ferrari nicht alles dem Touchscreen überlässt

Die neue Architektur erlaubt eine sehr kurze Frontpartie. Dadurch sitzt der Fahrer näher an der Vorderachse, was laut Ferrari ein präziseres Einlenkverhalten ermöglichen soll. Gleichzeitig entsteht mehr Platz im Innenraum. Der Kofferraum fasst nach Angaben des Herstellers beziehungsweise von Reuters rund 600 Liter – ein für Ferrari außergewöhnlich hoher Wert.

Entwickelt wurde die Gestaltung gemeinsam mit LoveFrom, dem Designkollektiv des früheren Apple-Chefdesigners Jony Ive und des australischen Designers Marc Newson. Ive war unter anderem an der Gestaltung zahlreicher Apple-Produkte beteiligt. Beim Luce arbeitete LoveFrom mit Ferraris eigenem Designteam zusammen. Das Ergebnis sollte ausdrücklich keine elektrische Kopie eines bestehenden Verbrennermodells sein, sondern eine neue Designsprache für die Marke etablieren.

Im Innenraum des Ferrari Luce kombiniert Maranello digitale Anzeigen mit mechanischen Schaltern und Drehreglern. Anders als viele Elektroautos setzt der erste E-Ferrari nicht auf ein reines Touchscreen-Cockpit.

- © Ferrari

1.050 PS, vier Elektromotoren und 2,5 Sekunden auf 100

Während die äußere Form viele Beobachter irritiert, wurde das Interieur deutlich positiver aufgenommen. Ferrari und LoveFrom verzichten dort auf eine ausschließlich von großen Touchscreens dominierte Bedienung. Stattdessen kombiniert der Luce digitale Anzeigen mit mechanischen Schaltern, Drehreglern und weiteren physischen Bedienelementen.

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Ferrari verwendet im Innenraum unter anderem Leder, Glas und eloxiertes Aluminium. Die zahlreichen Schalter sollen dem Fahrer eine direkte und fühlbare Rückmeldung geben. Damit unterscheidet sich das Bedienkonzept von vielen modernen Elektroautos, bei denen ein Großteil der Funktionen über zentrale Bildschirme gesteuert wird. Die Kombination aus digitalen Anzeigen und klassisch anmutenden Bedienelementen zählt zu den Aspekten, die bei der Präsentation vergleichsweise viel Zustimmung erhielten.

Ferrari Luce Reichweite: Mehr als 500 Kilometer und Laden mit bis zu 350 kW

Technisch soll der Luce trotz seines hohen Gewichts die für Ferrari typische Fahrdynamik bieten. Das Fahrzeug verfügt über vier Elektromotoren – einen für jedes Rad. Die Systemleistung beträgt bis zu 1.050 PS. Den Sprint von null auf 100 Kilometer pro Stunde soll der mehr als 2,2 Tonnen schwere Wagen in 2,5 Sekunden absolvieren. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei über 310 Kilometern pro Stunde.

Die Batterie besitzt eine Kapazität von 122 Kilowattstunden. Ferrari nennt eine Reichweite von mehr als 500 Kilometern; bei der Vorstellung war von bis zu rund 530 Kilometern nach WLTP die Rede. Geladen werden kann mit einer Leistung von bis zu 350 Kilowatt. Eine aktive Federung, eine Hinterradlenkung und eine gezielte Verteilung der Antriebskraft auf die einzelnen Räder sollen dazu beitragen, das hohe Gewicht in Kurven möglichst wenig spürbar zu machen.

Auch beim Klang versucht Ferrari, eine eigenständige Lösung zu finden. Der Luce soll keinen künstlich nachgeahmten Verbrennungsmotor erzeugen. Stattdessen werden natürliche mechanische Schwingungen und Geräusche des elektrischen Antriebs erfasst und verstärkt. Damit will Ferrari auch ohne Zwölf- oder Achtzylindermotor eine akustische Verbindung zwischen Fahrzeug und Fahrer herstellen.

Ferrari Luce und Purosangue: Warum Maranello auf die zweite Chance der Fans hofft

Carando geht davon aus, dass sich die Diskussion mit der Zeit beruhigen wird. Als Vergleich nennt er die Einführung des Purosangue. Ferraris erstes viertüriges Serienmodell mit höherer Karosserie wurde bei seiner Vorstellung ebenfalls von zahlreichen Markenfans abgelehnt. Damals lautete ein häufig geäußerter Vorwurf, Firmengründer Enzo Ferrari würde sich angesichts eines solchen Modells „im Grab umdrehen“. Inzwischen gehört der Purosangue nach Darstellung Carandos zu den beliebtesten Fahrzeugen der Marke.

Ferrari weist zugleich Berichte zurück, wonach bestehende Kunden zum Kauf des Luce gedrängt würden. Der inzwischen ausgeschiedene langjährige Marketing- und Vertriebschef Enrico Galliera bezeichnete Meldungen als falsch, laut denen Interessenten den Elektro-Ferrari erwerben müssten, um später Zugang zu limitierten Sondermodellen zu erhalten. Der Luce solle ausschließlich an Kunden verkauft werden, die das Fahrzeug tatsächlich besitzen wollten.

Der Ferrari Purosangue wurde bei seiner Vorstellung ebenfalls heftig diskutiert. Heute dient Ferraris erster Viertürer als Beispiel dafür, dass sich Kritik an neuen Modellen mit der Zeit abschwächen kann.

- © Ferrari

Ferrari Luce: Der riskanteste Elektro-Neustart in Maranellos jüngerer Geschichte

Ferrari nutzt allerdings ein komplexes Bewertungssystem, um festzulegen, welche Kunden bevorzugt besonders seltene oder begehrte Modelle bestellen dürfen. In dieses System fließen nach Unternehmensangaben verschiedene Interaktionen eines Kunden mit der Marke ein. Eine feste Kopplung nach dem Prinzip „Kaufe dieses Auto, dann erhältst du Zugang zu einem anderen“ gebe es jedoch nicht.

Ob sich der Luce ähnlich wie der Purosangue langfristig durchsetzen wird, bleibt offen. Fest steht bereits jetzt, dass Ferrari mit seinem ersten Elektroauto nicht versucht, die Vergangenheit möglichst genau zu kopieren. Das Unternehmen präsentiert den Luce vielmehr als eigenständiges Produkt für wohlhabende Kunden, die neben Leistung auch Platz, moderne Technik und elektrische Mobilität suchen. Gerade dieser bewusste Bruch mit den Erwartungen traditioneller Ferrari-Fans macht das Modell zu einem der riskantesten, aber auch meistdiskutierten Fahrzeuge in der jüngeren Geschichte der Marke.

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