Förderungen : Kreativgeist

Es ist ein gut eintrainiertes Frage-Antwort-Spiel. Hat ein Exporteur Fragen, bekommt er bei der OeKB oft eine einfache Antwort: „Egal was Ihre Firma im Ausland macht – wir finden ganz sicher das richtige Produkt dafür.“ Und das ist dann nicht einmal übertrieben. Die diskrete, eher im Hintergrund agierende Oesterreichische Kontrollbank gehört heimischen Banken, handelt jedoch im Auftrag der Republik. Bei Exporthaftungen verfügt sie über einen Rahmen von stolzen 50 Milliarden Euro, ihr Budget für die Finanzierung von Auslandsinvestitionen beläuft sich auf 45 Milliarden Euro. Die OeKB übernimmt für einen Kleinbetrieb die Risiken eines Geschäfts von wenigen tausend Euro und für einen Konzern die Haftung bis weit über 100 Millionen Euro, die zum Beispiel der Bau einer neuen Zellstoffanlage wert ist. Parallel dazu geben Experten des Hauses Tipps zu den aktuellen politischen Risiken in Ecuador oder der Geschäftskultur in Südkorea.
Zentrale Förderstellen
Die OeKB ist in Österreich eine der zentralen Förderstellen. Diese Institutionen stehen im Auftrag des Bundes, der Länder und Gemeinden den Unternehmen beim Sprung in einen fernen Markt, bei einer Produkteinführung oder der Verbesserung ihrer Prozesse zur Seite. Das hat nicht nur auf den Arbeitsmarkt massive Auswirkungen – so sicherten im Vorjahr allein die Förderungen des aws in Höhe von 861 Millionen Euro rund bestehende 62.000 Arbeitsplätze und schafften 6.400 neue. Es verbessert auch die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes insgesamt. So kommen die Innovationsexperten des IHS in einer Untersuchung vom Oktober zu dem Ergebnis, dass Österreich in den vergangenen Jahren bei „einigen zentralen Indikatoren zumindest dem Niveau einiger Innovation Leader“ entspreche.
Wer allerdings nach dem passenden Förderprogramm für sein Unternehmen sucht, erkennt sehr schnell auch einen gravierenden Nachteil des heimischen Fördersystems – es ist ziemlich unübersichtlich. Etliche dutzend Förderinstanzen vergeben derzeit unglaubliche 2.600 Förderprogramme auf Bundesebene, daneben gibt es 3.100 Programme der Länder. Und trotzdem steigt die Treffsicherheit der Förderungen. Hier die wichtigsten Anlaufstellen und ihre Budgets, mit denen 2014 zu rechnen sein wird.
Eine Milliarde für Kredite und Zuschüsse
Eine gute erste Anlaufstelle ist der Austria Wirtschafts Service. Die Förderbank des Bundes bietet Firmen pro Jahr Leistungen mit einem Volumen von einer Milliarde Euro an, davon werden heuer voraussichtlich über 850 Millionen Euro abgerufen. Die Förderbank geht davon aus, dass auch 2014 rund eine Milliarde Euro an Gesamtfördervolumen zur Verfügung stehen wird. Der größte Teil davon entfällt mit 600 Millionen Euro auf das wohl bekannteste Produkt des aws, nämlich die erp-Kredite. Diese Kredite gibt es ab 10.000 und bis 7,5 Millionen Euro. Der Vorteil: Zinsen unter Marktniveau und eine längere Laufzeit von bis zu 18 Jahren, davon die ersten Jahre tilgungsfrei. Die eingeplanten Mittel würden bis Ende des Jahres vollständig vergeben sein, wie aws-Geschäftsführer Bernhard Sagmeister erklärt: „Mit den erp-Krediten werden wir also heuer wieder eine Punktlandung hinlegen.“
Zur Verfügung stehen auch 250 Millionen Euro an Garantien, 100 Millionen Euro an Zuschüssen sowie 65 Millionen Risikokapital.
Exportförderungen und Haftungen
Nun zu den Exporten, bekanntlich der Motor der heimischen Wirtschaft. Bei Exportförderungen gilt das Hausbankenprinzip: Die Banken sind der Vermittler zwischen den staatlichen Förderprogrammen und den Unternehmen, sie sind also wie auch die Förderungsgesellschaften auf Landesebene eine gute erste Anlaufstelle in diesem Bereich. Die Banken bewerten das Projekt und die Bonität der Geschäftspartner. Marktführer in Österreich ist dabei die Bank Austria: Über sie wird jede zweite Exportfinanzierung und jede dritte Investitionsfinanzierung abgewickelt. Die Banken wiederum suchen um eine Exportfinanzierung bei den Förderinstanzen an.
Für KMU ist hierbei der Exportfonds zuständig. Über den Exportfonds, der anteilig der OeKB und der Wirtschaftskammer gehört, lassen sich 30 Prozent des Exportumsatzes zu einem Verfahrenszinssatz von aktuell 1,40 Prozent p. a. finanzieren. Bei großen Betrieben übernimmt die OeKB die Exportfinanzierung. Von ihrem Finanzrahmen von 45 Milliarden Euro sind derzeit rund 30 Milliarden Euro vergeben. Einzigartig macht den Service der OeKB die Verbindung von Exporthaftungen und der Rahmenfinanzierung unter einem Dach.
Schadensfälle: Nicht automatisch ein Totalverlust
Für Exporthaftungen nimmt die OeKB Prämien, die zwischen 0,3 und 3 Prozent der Versicherungssumme pro Jahr betragen. Natürlich komme es auch zu Schadensfällen, wie Peter Gumpinger von der OeKB zugibt. „In diesem Fall kommen die Unternehmen sehr rasch zu ihrem Geld. Doch ein Schadensfall bedeutet noch nicht verlorenes Geld: Bei den dann folgenden Betreibungsmaßnahmen kann man sehr oft Geldanteile zurückholen.“ Gumpinger weist auch darauf hin, dass die Bilanz aus Einnahmen und Ausfällen stets positiv ist – die Haftungen sind also trotz der Schadensfälle ein Geschäft für die Republik. „Im vergangenen Jahr gab es hier ein positives Ergebnis von rund 136 Mio. Euro. Das liegt unter anderem an der breiten Risikostreuung wegen der Vielzahl der Zielmärkte. Aber auch am allgemeinen Trend, dass die Schadensfälle grundsätzlich abnehmen“, so Gumpinger.
Direktförderung daheim, Beratung in 115 Ländern
In puncto Beratungen sind die weltweit positionierten 115 AußenhandelsCenter der Außenwirtschaft Austria eine weitere österreichische Besonderheit. „Zu Hause“ wiederum können Firmen auf Landesebene auf Programme von „go-international“ zugreifen. Diese Initiative der Wirtschaftskammer im Auftrag des Wirtschaftsministeriums kombiniert Direktförderungen mit Maßnahmen wie Infoveranstaltungen oder der Organisation von Sondierungsreisen. In der Förderperiode IV von Juli 2013 bis März 2015 stehen „go-international“ 31 Millionen zur Verfügung – um vier Millionen weniger als in der letzten Periode. „Aus Sicht der Exportwirtschaft sollte das Budget für die nächste Periode unbedingt auf 50 Millionen erhöht werden“, erklärt Richard Bandera von „go-international“. Besonders beliebte Programme wie der Exportcheck – ein Zuschuss für technische Unternehmen in Höhe von 12.000 Euro – sind schnell vergriffen.
Begehrte Forschungsförderungen
Im Bereich der Forschungsförderung ist die FFG der wichtigste Förderpartner. Ihre Programme zielen vor allem auf die Kooperation zwischen Firmen und Forschungsstellen. Das Angebot der FFG ist offenbar sehr gefragt: Für heuer sind praktisch alle Mittel bereits vergeben, derzeit muss die Gesellschaft Anträge ablehnen. Für das Jahr 2014 rechnet Michael Binder, Leiter der Strategieabteilung der FFG, damit, dass die Budgets von heuer beibehalten werden.
Über die Programme der EU, die auch von der FFG betreut werden, ist übrigens viel mehr Geld nach Österreich zurückgeflossen, als das Land nach Brüssel überwiesen hat. „Pro Jahr gehen rund 130 Millionen Euro nach Österreich zurück, das ist durchaus eine substanzielle Menge“, sagt Binder – für ihn ein Zeichen, dass sich heimische Forscher sehr erfolgreich im Wettbewerb durchsetzen können, da die Forschungsprogramme der EU nicht nach starren Regeln, sondern an die Besten vergeben werden. Bei allen anderen EU-Förderungen gilt der Grundsatz: Kein Geld aus der EU ohne die gleichzeitige Zusage von nationalen Mitteln.
Bei EU-Förderungen klafft ab 2014 ein Loch. Bis jetzt. Ab 2014 gibt es in dieser für viele heimische Instanzen wichtigen Förderquelle eine große Lücke. In der Förderperiode 2007–2013 seien 5,8 Milliarden Euro an Förderungen nach Österreich geflossen, sagt Christoph Huter aus der Stabsabteilung für EU-Koordination in der WKÖ. „Wie viel in Zukunft fließen wird, ist derzeit völlig offen. Vor dem dritten Quartal ist nicht damit zu rechnen, dass EU-Programme verfügbar sind. Ab Jänner klafft hier also ein großes Loch.“