Energiewirtschaft

Toshibas Rettungsplan: Westinghouse in die Pleite, Chipsparte abstoßen

Der japanische Industriekonzern Toshiba arbeitet weiter intensiv an der eigenen Rettung. Der erste Schritt ist schon entschieden: Atomkraftsparte Westinghouse geht in die Insolvenz. Danach ist der Verkauf von Anteilen an der hochprofitablen Sparte für Speicherchips geplant.

Der angeschlagene japanische Industriekonzern Toshiba schickt seine kriselnde Kraftwerks-Tochter Westinghouse in die Insolvenz und will damit seine eigene Zukunft sichern. Zudem hat Toshiba nach eigenen Angaben erste Angebote für den Verkauf der Mehrheit an seiner profitablen Chip-Sparte erhalten.

Die Offerts seien so hoch, dass eine Überschuldung des Konzerns wohl vermieden werden könne, sagte Konzernchef Satoshi Tsunakawa. Noch vor wenigen Wochen war am Finanzmarkt die Überlebensfähigkeit der Firmengruppe mit ihren fast 190.000 Mitarbeitern in Frage gestellt worden, die neben Computerchips und Atomkraftwerken auch Laptops, Industrieanlagen, Aufzüge und Waschmaschinen produziert.

Die Aktionäre von Toshiba haben bereits den Weg zum Verkauf der hochprofitablen Chip-Sparte freigemacht. Sie stimmten in Tokio mehrheitlich für das Vorhaben, durch das sich der Konzern finanziell Luft verschaffen will.

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Toshiba geht davon aus, dass die zum Verkauf stehende Chipsparte - die weltweite Nummer zwei bei NAND-Speicherchips - insgesamt etwa 18 Mrd. Dollar wert ist. Mindestens die Hälfte der Tochter soll veräußert werden.

Die Aktionäre stimmten grundsätzlich aber auch einem Komplettverkauf zu. Für die Sparte soll es Insidern zufolge etwa zehn Interessenten geben, darunter Western Digital, Micron, SK Hynix und Finanzinvestoren wie Bain Capital.

Pleite der Atomkraftsparte beschert den Japanern Milliardenverlust

Noch reißt die Westinghouse-Insolvenz aber tiefe Löcher in die Bilanz des Konzerns. Der US-Atomkraftwerksbauer beantragte am Mittwoch Gläubigerschutz, wie aus einer Mitteilung an die Aufsichtsbehörden hervorging.

Toshiba stimmte für das in wenigen Tagen auslaufende Geschäftsjahr auf einen Verlust von einer Billion Yen (8,4 Mrd. Euro) ein, fast dreimal so viel wie bisher angenommen. Im Dezember lagen die Belastungen im Zusammenhang mit den Westinghouse-Problemen bei umgerechnet neun Milliarden Euro und damit ein Drittel höher als zuletzt gedacht. Mehr dazu: Verlustbringer Atomkraft: Toshiba will Westinghouse in die Pleite schicken >>

Die Insolvenz dürfte schwierige Verhandlungen zwischen dem japanischen Konzern, seiner US-Tochter und den Gläubigern auslösen und könnte auch die Regierungen in Tokio und Washington alarmieren. Japan befürchtet, dass ein Westinghouse-Kollaps bei US-Präsident Donald Trump auf Kritik stößt, weil Arbeitsplätze in den USA verloren gehen könnten.

Kosten von Atomkraftwerken explodieren

Westinghouse beschäftigt weltweit 12.000 Mitarbeiter. Zudem müssten möglicherweise die US-Steuerzahler für zwei Projekte in Georgia und South Carolina aufkommen. Ein japanischer Regierungssprecher sagte, die beiden Regierungen hätten bereits Gespräche aufgenommen.

Die Probleme bei Westinghouse waren aufgetreten, nachdem Toshiba 2015 ein US-Unternehmen zum Bau von Kernkraftwerken gekauft hatte. Bei zwei AKWs, die schon im Bau waren, stiegen die Kosten drastisch an. Toshiba schrieb Milliarden ab.

Toshiba braucht Geld: Hochprofitable Chipsparte soll weg

Um an Geld zu kommen, hat Toshiba deshalb seine Chipsparte zum Verkauf gestellt. Für diese seien die ersten Angebote eingegangen, sagte Konzernchef Tsunakawa.

Der weltweit zweitgrößte Hersteller von NAND-Speicherchips werde wohl mit mindestens 16,5 Mrd. Euro bewertet. Am Donnerstag sollen die Aktionäre dem Verkauf zustimmen. Einem Insider zufolge haben etwa zehn mögliche Käufer ihr Interesse angemeldet, darunter Western Digital, Micron, der südkoreanische Chiphersteller SK Hynix und Finanzinvestoren wie Bain Capital. Mehr dazu hier: Toshiba will den Verkauf seiner Halbleitersparte neu aufrollen >>

Apple-Zulieferer Foxconn klopft schon an der Tür

Staatlich unterstützte japanische Fonds dürften in einer zweiten Bieterrunde als Teil eines Konsortiums einsteigen, hieß es. Eine mit der Sache vertraute Person sagte, es sei damit zu rechnen, dass der Apple-Zulieferer Foxconn die höchste Offerte abgibt. Andere Insider gehen aber davon aus, dass die Regierung in Japan dem Verkauf der Sparte an Foxconn wegen der engen Beziehungen des Unternehmens mit China einen Riegel vorschiebt. (reuters/apa/red)

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