Stahlindustrie

Thyssenkrupp: Fusion mit Tata Steel droht zu scheitern

Wie schon bei Siemens und Alstom könnten die Kartellwächter der EU auch die Fusion der Stahlriesen Thyssenkrupp und Tata Steel nicht erlauben, weil damit laut Brüssel höhere Stahlpreise drohen würden. Bei Thyssen selbst sieht man trotzdem weiter "Spielraum" für eine Einigung.

Die geplante Stahlfusion zwischen Thyssenkrupp und der indischen Tata Steel droht einem Zeitungsbericht zufolge ohne größere Zugeständnisse der Unternehmen an der EU-Kommission zu scheitern. Die EU-Kartellbehörden befürchteten, dass der Zusammenschluss zu einer geringeren Auswahl und höheren Preisen für Stahl in verschiedenen Bereichen führen könnte, berichtet die "Financial Times". Die Zeitung berief sich auf drei mit der Angelegenheit vertraute Personen.

EU fürchtet höhere Preise für Abnehmer in der Autoindustrie und anderen Industriebranchen

Betroffen wären etwa die Automobilindustrie, elektrische Erzeugnisse wie Transformatoren sowie beschichteter Stahl für Verpackungen. Die Gespräche zwischen Thyssenkrupp, Tata Steel und EU-Beamten gehen den Angaben nach weiter. Ein verbessertes Angebot der Unternehmen, um noch grünes Licht zu bekommen, sei möglich.

Eckdaten zu den Plänen

Thyssenkrupp und Tata wollen den zweitgrößten Stahlkonzern Europas nach Arcelormttal mit rund 48.000 Beschäftigten schmieden. Die EU-Kommission hatte Bedenken angemeldet, woraufhin die Konzerne den Verkauf von Geschäften angeboten haben. Einem Insider zufolge haben sie unter anderem vorgeschlagen, im Bereich feuerverzinkter Stahl für die Automobilindustrie zwei Anlagen in Spanien und Belgien zu verkaufen. Beim Verpackungsstahl biete Tata die Abgabe zweier Anlagen in Belgien und Großbritannien an. Die EU-Kommission will spätestens am 17. Juni über den Fall entscheiden.

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Thyssen sieht weiter Spielraum für eine Einigung

Thyssenkrupp sieht jedoch weiterhin Möglichkeiten für eine Einigung. "Die Wettbewerbskommission hat die von Thyssenkrupp und Tata Steel vorgeschlagenen Nachbesserungen der Zusagen zum Anlass genommen, einen weiteren Markttest durchzuführen", erklärte der deutsche Konzern.

Zu den Ergebnissen des Tests sei man in andauernden Gesprächen mit der EU-Kommission. "Es gibt nach wie vor verschiedene Möglichkeiten, unsere bereits gemachten Zusagen anzupassen, ohne die wirtschaftliche Logik des Joint Ventures in Frage zu stellen." In der kommenden Woche sei ein weiteres Gespräch mit EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager zur Bewertung der Transaktion geplant.

Wolfgang Eder: Voestalpine hat kein Interesse

Bei den weitreichenden Angeboten der Stahlkonzerne an die EU, die den Verkauf von Konzernteilen vorsehen, bieten sich anderen Stahlherstellern eigentlich neue Übernahmemöglichkeiten: Fusion von Thyssen und Tata bringt Möglichkeiten für Zukäufe >>

Allerdings hat in Österreich Wolfgang Eder, Konzernchef der Voestalpine, zuletzt bekräftigt, dass sein Unternehmen keinerlei Interesse an derartigen Übernahmen habe. Details dazu hier: Voestalpine rüstet sich für eine "massiv schlechtere Konjunktur" >>

(reuters/apa/red)