Thyssenkrupp Steel: Wer ist Naveen Jindal – und was will der indische Stahlmilliardär in Duisburg?
Der Sohn des Firmengründers O.P. Jindal führt die Stahlsparte eines indischen Energie- und Baustoffimperiums, das seine Familie zu den reichsten Indiens macht (Vermögen laut Berichten rund 40 Milliarden Euro). Jindal selbst gilt als zurückhaltend, fährt auch mal im kleinen Auto vor – und hat dennoch einen der größten Stahlproduzenten des Landes aufgebaut. Berühmt wurde er nicht nur am Hochofen, sondern vor Gericht: Über Jahre kämpfte er dafür, die indische Nationalflagge auch außerhalb von Feiertagen hissen zu dürfen; 2004 bekam er vom Supreme Court Recht. Politisch saß er zehn Jahre für die Kongresspartei im Parlament, wechselte 2024 zur BJP von Premierminister Modi und schaffte das Comeback. In indischen Medien wird sein Interesse an Thyssenkrupp Steel als persönliches Herzensprojekt gehandelt.
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Premiumstahl, grüner Stahl – und ein Deal mit Sprengkraft
Jindals Kalkül: Im Gegensatz zu Thyssenkrupp fehlt ihm bislang das Premiumsegment (hochfeste Spezialstähle für Auto- und Luftfahrt). Seine Stärke liegt im Volumen- und Baustahlgeschäft – doch er will nach oben: in Premiumstahl und grünen Stahl. In Hisar läuft eine Pilotanlage für Wasserstoffstahl, im Oman ist bis 2028 eine Direktreduktionsanlage geplant, die Vormaterial für grünen Stahl liefern könnte – perspektivisch auch für Europa. Größenordnungen: Jindal produziert rund 20 Mio. Tonnen Rohstahl mit ca. 20.000 Mitarbeitern; Thyssenkrupp Steel Europe liegt bei etwa 27.000 Beschäftigten, beim Umsatz aber vorn (Jindal ca. 6 Mrd. Euro, TK Steel knapp 11 Mrd. Euro). Für Thyssenkrupp wäre es formal „klein kauft groß“ – wirtschaftlich kippt das Bild wegen hoher Verluste und Pensionslasten. Ein Verkauf müsste wohl mit Kapital flankiert werden; im Gegenzug stehen Investitionen, Beschäftigungsgarantien und Standorttreue im Raum. In den nächsten Wochen sollen die Bücher geöffnet werden, bis Januar könnte ein verbindliches Angebot folgen – und damit eine Entscheidung, die nicht nur betriebswirtschaftlich, sondern strategisch und geopolitisch ist.