Huawei übernimmt: BMW und Audi verlieren im wichtigsten Markt an Kontrolle

Huawei, einst Synonym für Smartphones und 5G-Technologie, hat sich in wenigen Jahren zum Schlüsselspieler der globalen Automobilindustrie entwickelt. Seit die US-Sanktionen 2019 den Zugang zu westlicher Technologie versperrten, diversifizierte der Konzern radikal – und entdeckte das Auto als strategisches Wachstumsfeld. Heute liefert Huawei Betriebssysteme, Sensorik, Chips, Software und Ladeinfrastruktur – alles, was das E-Auto digital antreibt. Im Rahmen von Modellen wie „Huawei Inside“ (HI) oder der „Harmony Intelligent Mobility Alliance“ (HIMA) kooperiert das Unternehmen eng mit chinesischen Herstellern wie BAIC, Changan oder Seres. Das Erfolgsmodell Aito, produziert von der Sokon-Gruppe, symbolisiert diese neue Machtverteilung: 2024 wurden fast 387.000 Fahrzeuge verkauft – entworfen, digitalisiert und vermarktet von Huawei. Der Technologiekonzern agiert längst nicht mehr als Zulieferer, sondern als Systemarchitekt des modernen Fahrzeugs. Selbst deutsche Premiummarken folgen diesem Trend: Audi rüstet in China Modelle mit Huaweis Fahrerassistenzsystem aus, BMW integriert das Betriebssystem HarmonyOS in seine neue Elektroauto-Generation. Der Grund ist simpel – rund 30 Prozent der chinesischen Kunden besitzen Huawei-Geräte. Wer hier bestehen will, muss sich in Huaweis digitales Ökosystem einfügen.

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Systemwechsel in der Autoindustrie: Wenn Tech-Konzerne das Steuer übernehmen

Mit rund 31 Millionen verkauften Fahrzeugen bleibt China der größte Automarkt der Welt – und zugleich der härteste. Während BYD, Geely und Nio Rekordabsätze feiern, verlieren deutsche Hersteller rapide Marktanteile. Volkswagen fiel von 14,4 auf 12,1 Prozent, BMW und Mercedes liegen bei nur noch drei beziehungsweise 2,7 Prozent. Die einstige Vormachtstellung deutscher Ingenieurskunst schwindet – Software, Konnektivität und Nutzererlebnis sind die neuen Währungen. Genau hier dominiert Huawei: Seine Technologie prägt das digitale Rückgrat moderner Fahrzeuge, vom Bordcomputer bis zur Cloud. BMW und Audi haben ihre Partnerschaften bislang auf China beschränkt, doch das Gleichgewicht verschiebt sich unaufhaltsam. Wer das Betriebssystem liefert, kontrolliert künftig das Fahrzeug – und damit den Zugang zum Kunden. Für deutsche Hersteller ist Huawei damit zugleich Risiko und Rettungsanker: Ohne die Integration in chinesische Softwarewelten verlieren sie den Anschluss, mit ihr riskieren sie Abhängigkeit. Der Wandel zeigt, wie tiefgreifend der Systemwechsel in der Autoindustrie ist – von der mechanischen zur datengetriebenen Wertschöpfung. Huawei steht dabei sinnbildlich für eine neue Machtordnung, in der Tech-Konzerne bestimmen, wohin die Mobilität der Zukunft fährt – und wer dabei am Steuer sitzt.