ASML: Wenn Licht zu Macht wird

ASML ist das Unternehmen, das eine der entscheidenden Schlüsseltechnologien der modernen Welt beherrscht: die EUV-Lithografie. Mit ihr lassen sich extrem feine Strukturen im Nanometerbereich auf Siliziumwafer übertragen – eine Voraussetzung für die leistungsfähigsten Chips unserer Zeit. Die zugrunde liegende Idee entstand bereits in den 1980er-Jahren in japanischen Forschungslaboren und galt lange als theoretisch elegant, aber praktisch kaum umsetzbar. Extreme ultraviolette Strahlung ist schwer zu erzeugen, funktioniert nur im Vakuum und erfordert eine Präzision im atomaren Bereich. Jahrzehntelang wurde an dieser Technologie geforscht, vor allem in staatlich finanzierten US-Laboren, bis nach dem Ende des Kalten Krieges viele Programme eingestellt wurden. In dieser Phase übernahm ASML die riskante Aufgabe, aus Grundlagenforschung ein industriell nutzbares System zu machen. Mit einem kleinen Team, starken Partnern und Milliardeninvestitionen von Chipkonzernen wie Intel, Samsung und TSMC hielt das Unternehmen an EUV fest, obwohl die Technologie lange als gescheitert galt. Erst Mitte der 2010er-Jahre gelang der Durchbruch: EUV wurde wirtschaftlich nutzbar. Seitdem sind die modernsten Chips der Welt ohne diese Technik nicht mehr herstellbar – und ASML ist der einzige Anbieter der entsprechenden Maschinen.

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Heute ist ASML ein globaler Konzern mit über 44.000 Mitarbeitern, mehr als 30 Milliarden Euro Umsatz und faktischem Monopol auf EUV-Lithografie. Die Lieferzeiten für neue Systeme betragen Jahre, während die Nachfrage stetig wächst. Besonders der Boom der künstlichen Intelligenz hat den Bedarf an Hochleistungsrechnern und damit an modernsten Chips explodieren lassen. Große Technologiekonzerne investieren Hunderte Milliarden Dollar in Rechenzentren, doch neue Chipfabriken lassen sich nicht beliebig schnell bauen. Dadurch wird Rechenleistung zur knappen Ressource – und EUV zur zentralen Engpass-Technologie. Genau an dieser Stelle bündelt sich die Macht der globalen Chipindustrie bei ASML. Die Auftragsbücher sind so voll wie nie, allen voran durch Kunden wie TSMC, die massiv in neue Fertigungskapazitäten investieren. ASMLs Erfolg ist dabei nicht das Ergebnis schnellen Wachstums, sondern jahrzehntelanger Beharrlichkeit, technischer Rückschläge und langfristiger Forschung. In Veldhoven entsteht heute eine Maschine, ohne die moderne Prozessoren, KI-Anwendungen und digitale Infrastruktur nicht denkbar wären – ein Beleg dafür, dass technologische Schlüsselinnovationen auch abseits der großen Tech-Metropolen entstehen können und Europas Rolle in der digitalen Zukunft weit größer ist, als es oft scheint.

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