Infrastruktur : Warum der Hafen Wien eine Schlüsselrolle für die Stadt spielt

Hafen Wien 2026
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Bei Häfen denkt man zuerst an Schiffe, Container und Güterumschlag. Doch die Rolle großer Logistikstandorte verändert sich. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre – von Pandemie und Lieferkettenkrisen über Energieengpässe bis hin zu geopolitischen Konflikten – haben deutlich gemacht, dass Häfen längst mehr sind als reine Verkehrsinfrastruktur. Sie werden zunehmend zu strategischen Knotenpunkten für Versorgungssicherheit, Energieversorgung, industrielle Wertschöpfung und urbane Resilienz.

Diesem Anspruch stellt sich auch der Hafen Wien zunehmend. Mit rund drei Millionen Quadratmetern Fläche – größer als das Fürstentum Monaco – zählt er zu den größten Logistikstandorten Österreichs. Rund 200 Unternehmen mit etwa 5.000 Beschäftigten sind am Standort angesiedelt. Als größtes Logistikzentrum Ostösterreichs verbindet der Hafen Wien die Bundeshauptstadt mit europäischen und internationalen Warenströmen. Gleichzeitig positioniert er sich immer stärker als Innovationsplattform und als Baustein einer klimafitten Stadtentwicklung.

„Der Hafen Wien ist First-Mover in der Hafeninnovation und zugleich eine systemrelevante Infrastruktur für unsere Stadt und den gesamten Wirtschaftsraum. Als zentrale Drehscheibe verbindet er Wien mit den europäischen und globalen Warenströmen, sichert die tägliche Versorgung und ermöglicht wirtschaftliche Wertschöpfung in großem Maßstab. Mit rund 5.000 Arbeitsplätzen, rund 200 angesiedelten Unternehmen und seiner Bedeutung für Industrie, Handel und Logistik ist er ein wesentlicher Standortfaktor für Wachstum, Beschäftigung und internationale Wettbewerbsfähigkeit. Der Hafen Wien ist damit nicht nur Teil der Wirtschaftslandschaft, sondern eine ihrer tragenden Säulen“, sagt Wiens Vizebürgermeisterin und Wirtschaftsstadträtin Barbara Novak.

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Vom Umschlagplatz zur Innovationsplattform

Mit dem Thinkport beherbergt der Hafen Wien den ersten und bislang einzigen Innovationshub eines Binnenhafens im Global Port Innovators Network. Gemeinsam mit internationalen Hafenstandorten wie Hamburg, Valencia, Halifax und San Diego arbeitet Wien an Lösungen für die Güterlogistik der Zukunft.

Während viele Binnenhäfen vor allem regionale Logistikaufgaben übernehmen, positioniert sich Wien damit als Teil eines internationalen Innovationsnetzwerks, das sich mit den großen Herausforderungen der Branche beschäftigt: Dekarbonisierung, Digitalisierung, Automatisierung und resiliente Lieferketten.

Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich Güterverkehr künftig effizienter, nachhaltiger und widerstandsfähiger organisieren lässt. Der Thinkport bringt dafür Unternehmen, Forschungseinrichtungen und die öffentliche Hand zusammen und macht Wien international als Standort für nachhaltige Logistiksysteme sichtbar.

Die Grundlagen dafür wurden bereits in den vergangenen Jahren geschaffen. Gemeinsam mit der BOKU Wien entwickelte der Hafen den Thinkport zunächst als Logistiklabor. Das Hafenareal wurde dabei immer wieder als Testumgebung für neue Technologien genutzt.

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„Das, was wir als Hafen Wien außerdem noch einbringen, ist unser Areal als Testumgebung anzubieten“, erklärte die technische Geschäftsführerin Doris Pulker-Rohrhofer bereits vor einiger Zeit im dispo-Gespräch. „Tests zu autonomen Fahren hatten wir hier schon, oder auch ein solarbetriebenes Auto. Wir hatten etwa auch das Thema elektronische Ladezonen-Bewirtschaftung. Damit können wir die Themen Innovation und Nachhaltigkeit pushen.“

Neben Digitalisierung und Automatisierung beschäftigt sich der Thinkport auch mit alternativen Energieträgern. „Was wir noch bearbeiten, ist das Thema alternative Energie, insbesondere Wasserstoff – ein Thema bei dem ich den Eindruck habe, dass viele Player gemeinsam lernen und sich miteinander weiterentwickeln. Hier geht es um Fragen wie: Welche Rolle nehmen Häfen in diesem Bereich ein? Ist es die Lagerung? Ist es der Transport? Ist es die Erzeugung von Energie, um grünen Wasserstoff zu produzieren?“, so die technische Geschäftsführerin.

>> Zehn Jahre an der Spitze: Wie Doris Pulker-Rohrhofer den Hafen Wien mitgestaltet 

© Thinkport / Monika Fellner

Warum Versorgungssicherheit zur neuen Kernaufgabe wird

Die strategische Bedeutung des Hafens zeigt sich jedoch nicht nur bei Innovationen, sondern zunehmend bei der Versorgung der Stadt. Seit den Erfahrungen der Corona-Pandemie ist deutlich geworden, wie abhängig moderne Ballungsräume von funktionierenden Lieferketten sind. Krankenhäuser, Handel, Industrie und öffentliche Einrichtungen benötigen zuverlässige Logistikstrukturen, die auch in Krisenzeiten funktionieren.

Genau an dieser Stelle übernimmt der Hafen Wien mittlerweile Aufgaben, die weit über klassische Hafenlogistik hinausgehen. So fungiert der Standort seit etwa zwei Jahren als zentraler Lager- und Verteilknoten des Wiener Gesundheitsverbunds. Mehr als 32.500 Produkte werden dort angenommen, gelagert, kommissioniert und an die Wiener Spitäler verteilt.

„Es freut mich sehr, dass uns das gelungen ist, das unterstreicht auch die Bedeutung, die wir als Logistikzentrum haben. Unsere Lage ist ideal, man ist in kürzester Zeit in allen Spitälern in Wien. Man kann hier außerdem sehr umweltfreundlich anliefern, und wir haben noch dazu ein sehr sicheres Gelände, das rund um die Uhr bewacht ist. Wir sind auch Zolldienstleister, können also sozusagen das Rundum-Sorglos-Paket anbieten“, sagt Pulker-Rohrhofer.

Rekordjahr 2025 liefert die wirtschaftliche Basis

Dass der Hafen Wien diesen Kurs verfolgen kann, liegt auch an einer starken wirtschaftlichen Entwicklung: Die Hafen Wien-Gruppe erzielte 2025 einen Umsatz von 55,4 Millionen Euro und steigerte ihr Ergebnis auf 10,9 Millionen Euro. Die Tochtergesellschaft WienCont erwirtschaftete einen Umsatz von 21 Millionen Euro.

Auch operativ wurden neue Höchstwerte erreicht. Der Containerumschlag lag bei 483.000 TEU. Im Containerdepot wurde mit mehr als 2,8 Millionen TEU-Lagertagen ein neuer Rekordwert erzielt.

Der Gesamtumschlag auf Wasser- und Landwegen stieg auf 1.291.336 Tonnen und damit um 9,81 Prozent. Gemeinsam mit WienCont wurden insgesamt 4.101.138 Tonnen umgeschlagen – ein Plus von 7,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Besonders dynamisch entwickelte sich der Ölhafen Lobau. Dort wurden 1.019.798 Tonnen umgeschlagen, was einer Steigerung von 15,12 Prozent entspricht. Insgesamt wurden dort 1.006 Schiffe be- und entladen.

Auch die drei Geschäftsbereiche entwickelten sich positiv. Im Bereich Immobilien und HQ7 sorgten höhere Umsätze, stabile Auslastungen und erfolgreiche Filmproduktionen für Wachstum. Die Hafenlogistik profitierte von steigenden Umschlagsmengen und hoher Auslastung. WienCont wiederum verzeichnete Rekordwerte im Containergeschäft sowie eine positive Entwicklung der Depot- und Reparaturservices.

v.l.: Friedrich Lehr, kaufmännischer Geschäftsführer Hafen Wien, Doris Pulker-Rohrhofer, technische Geschäftsführerin Hafen Wien, Vizebürgermeisterin und Wirtschaftsstadträtin Barbara Novak und Oliver Stribl, Geschäftsführer Wien Holding

- © David Bohmann

Warum die Lager voll sind

Hinter den Zahlen steht eine Entwicklung, die viele Logistikstandorte derzeit beobachten: Der Bedarf an Lagerflächen wächst. Bereits 2024 berichtete die Hafen-Geschäftsführung von vollständig ausgelasteten Lagerkapazitäten und zusätzlichen Hallenprojekten für Industriekunden. „Wir hatten und haben volle Läger. Alle unsere Lagerhäuser sind gefüllt“, erklärte Pulker-Rohrhofer gegenüber Disco.

Für einen großen Kunden aus dem Fahrzeugbau wurden zusätzliche Hallen errichtet. Die Unternehmen konzentrieren sich dabei zunehmend auf Produktion und Entwicklung, während Logistik- und Lageraufgaben an spezialisierte Partner ausgelagert werden.

Der Hafen profitiert dabei von seiner Lage, seinen multimodalen Verkehrsanbindungen und seiner Fähigkeit, auch komplexe Industrieprodukte umzuschlagen und zu lagern.

809 Tonnen CO₂ weniger: Wie der Hafen seine Logistik umbaut

Parallel zum Wachstum investiert der Hafen massiv in die Dekarbonisierung seiner Infrastruktur. So werden sämtliche Terminalfahrzeuge mit HVO100 betrieben. Allein dadurch konnten im Jahr 2025 rund 809 Tonnen CO₂ eingespart werden. Darüber hinaus wird der gesamte Standort mittlerweile mit 100 Prozent Ökostrom versorgt.

Gleichzeitig entwickelt sich der Hafen zunehmend zu einem Energieproduzenten. Derzeit stammen rund 25 Prozent des Strombedarfs aus eigener Erzeugung. Mit einer weiteren Photovoltaikanlage inklusive Speicherlösung soll dieser Anteil bis 2026 auf 34 Prozent steigen.

Die sechste Photovoltaikanlage befindet sich bereits im Ausbau. Ergänzt wird sie erstmals durch ein Speichersystem, das die Eigenversorgung deutlich erhöhen soll. Zusätzlich investiert der Hafen in E-Kräne, Elektro-Stapler, Elektrofahrzeuge und E-Bikes.

„Zum einen setzen wir stark auf alternative Energien. Wir haben vier Photovoltaikanlagen, eine fünfte entsteht derzeit am Dach der Filmhalle. Wir steigen auch in vielen Bereichen vom Heizkessel auf Luftwärme-Pumpen um und haben auf Ökostrom umgestellt. Das Terminal wird zu 100 Prozent aus Wasserkraft versorgt. Wir setzen außerdem auf LED statt normaler Beleuchtung, was uns rund 87 Prozent an zusätzlicher Energie einspart“, erläuterte Pulker-Rohrhofer vor einiger Zeit im dispo-Gespräch.

16 Fußballfelder neue Fläche – ohne zusätzliche Bodenversiegelung

Besonders bemerkenswert ist ein Projekt im Hafen Freudenau, das exemplarisch zeigt, wie der Standort Wachstum und Nachhaltigkeit miteinander verbinden will. Dort entstehen derzeit 113.600 Quadratmeter neue Betriebsflächen – das entspricht etwa 16 Fußballfeldern.

Anstatt neue Flächen außerhalb des Hafens zu erschließen, setzt Wien auf Kreislaufwirtschaft. Rund eine Million Kubikmeter Material von Wiener Großbaustellen werden wiederverwendet und für die Landgewinnung eingesetzt. Das Projekt schafft dringend benötigte Kapazitäten für das weitere Wachstum des Standorts, ohne zusätzlichen Boden zu versiegeln. Bereits im Vorjahr hatte der Hafen erste Schritte dieses Projekts umgesetzt.

„Wir schütten gerade unser Hafenbecken weiter zu, wo wir zirka 43.600 Quadratmeter an Land gewinnen werden“, erklärte Pulker-Rohrhofer damals. Hintergrund sei vor allem das starke Wachstum der Container-Tochter WienCont gewesen.

Gemeinwohlbilanz als Teil der Strategie

Neben wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit und Klimaschutz rückt der Hafen Wien auch gesellschaftliche Verantwortung stärker in den Mittelpunkt. 2025 wurde erstmals ein Gemeinwohl-Bericht erstellt. Gleichzeitig erhielt der Hafen die Auszeichnung als gemeinwohl-bilanziertes Unternehmen.

Die Bilanz bewertet faire Lieferketten, verantwortungsvolle Geschäftsbeziehungen, Transparenz sowie ökologische und gesellschaftliche Auswirkungen des Wirtschaftens.

„Der Hafen Wien konnte 2025 trotz herausfordernder Rahmenbedingungen seine wirtschaftliche Stärke weiter ausbauen. Besonders erfreulich entwickelten sich unsere Geschäftsbereiche Immobilien, Hafenlogistik und WienCont. Die hohe Auslastung unserer Lager- und Büroflächen, Rekordwerte am Containerterminal sowie die positive Entwicklung im Bereich Massen- und Schwergut zeigen, dass der Hafen Wien seine Rolle als leistungsfähige Logistikdrehscheibe erfolgreich ausbaut. Gleichzeitig investieren wir konsequent in Nachhaltigkeit und Zukunftsthemen – von innovativen Logistiklösungen über klimafreundliche Technologien bis hin zur Erstellung unserer ersten Gemeinwohlbilanz. Damit schaffen wir die Grundlage für eine wirtschaftlich erfolgreiche und verantwortungsvolle Weiterentwicklung des Standorts“, sagt Pulker-Rohrhofer.

Agenda 2026: Vom Vorreiter zum Maßstab

Für die kommenden Jahre will der Hafen Wien seinen Kurs konsequent fortsetzen. Im Mittelpunkt stehen der weitere Ausbau des Thinkports als internationale Innovationsdrehscheibe, zusätzliche Investitionen in emissionsarme Logistik und E-Lkw-Infrastruktur, die Erweiterung der Photovoltaik sowie die Steigerung der Eigenstromproduktion.

Gleichzeitig soll der Hafen seine Rolle als Plattform für urbane Versorgung, Resilienz und nachhaltige Stadtentwicklung weiter ausbauen. „Der Hafen Wien zeigt damit eindrucksvoll, wie wirtschaftlicher Erfolg, Innovation und Klimaschutz Hand in Hand gehen können – und wie die Infrastruktur von morgen schon heute entsteht“, sagt Barbara Novak.