Nahostkrieg Logistik : Dominoeffekt im Containerverkehr: Diese Häfen bringt der Nahostkrieg jetzt an ihre Grenzen
Verladung bei Gebrüder Weiss: Mit jedem Tag, den der Konflikt anhält, wird die Lage komplexer.
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Für Speditionen bedeutet der Krieg im Nahen Osten eine ständige Neuplanung. Harald Kostial, Head of Corporate Air & Sea beim Vorarlberger Transportlogistiker Gebrüder Weiss, beschreibt die zweite Woche dieser Krise als herausfordernd - brachte sie doch neben dem Kriegsleid weitere Spannung auf den Transportkorridoren zu See, Luft oder Straße. Wenn auch - wie Kostial sagt - keine beschädigten Sendungen zu verzeichnen sind: Der Konflikt verändert den Ablauf der Transporte fundamental. Insgesamt sind bereits zahlreiche Lieferungen betroffen. „Wir sprechen hier von rund 800 Sendungen, die festhängen“, sagt Kostial.
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Stark betroffen ist die Seefracht. Hier sind die Transportzeiten lang, und Routen lassen sich kurzfristig nur schwer ändern. Einiges in diese Richtung passiert dennoch. Ein zentraler Punkt in den Planungen der Frächter sind Ausweichhäfen rund um den Persischen Golf.
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Etwa Khor Fakkan an der Ostküste der Emirate. Ebenfalls stärker angefahren werden Dschidda in Saudi-Arabien oder Akaba in Jordanien. Doch diese Lösungen funktionieren nur, solange es ausreichend Verladekapazitäten gibt.
Der Dominoeffekt in den Häfen
Mit jedem Tag, den der Konflikt anhält, wird die Lage komplexer. Zu Beginn konnten viele Sendungen noch relativ nahe an ihrem Ziel umgeladen werden. Doch diese Optionen werden knapper. „Je länger das andauert, desto kritischer wird die Situation in der Gesamtregion“, sagt der Logistiker. Häfen wie Dubai - einer der Top-10-Containerumschlagshäfen der Welt - seien gar nicht bedienbar, Ausweichhäfen seien nicht auf solche zusätzlichen Mengen vorbereitet. „Was wir erleben, ist ein Domino- -Effekt", sagt Kostial. „Mit zunehmender Fortdauer der Krise wird immer neue Ware auf den Weg gebracht, und es ist ja noch Ware auf dem Weg“, beschreibt er die Kettenreaktion entlang der Lieferkette.
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Immerhin konnten bislang extreme Umwege noch vermieden werden. „Riesige Schleifen hatten wir glücklicherweise noch nicht zurückzulegen“, sagt Kostial. Derzeit werden viele Transporte über nahegelegene Alternativen geführt. „Den überwiegenden Teil der Sendungen in die Region transportieren wir derzeit über den Seehafen Khor Fakkan, der an Ostküste der Vereinigten Arabischen Emirate am Golf von Oman liegt“, sagt er. Wie lange das funktioniert, ist allerdings ungewiss. Was es demnach braucht, sind wohl noch großräumigere Lösungen. „Da sprechen wir auch von Häfen an der Westküste Indiens“, sagt Kostial.
Luftfracht: Der Luftraum als Engpass
Auch die Luftfracht ist betroffen. Zu Beginn der Krise kam der Verkehr nahezu zum Erliegen. „Am Anfang war der Luftraum komplett gesperrt“, sagt Kostial. Inzwischen gibt es wieder eingeschränkte Verbindungen. „Jetzt führen die lokalen Fluglinien - Emirates, Etihad oder Qatar - wieder vereinzelt Flüge durch“, sagt er. Doch die Kapazität liegt weit unter dem Normalniveau. „Ein Flughafen wie Dubai hat an einem normalen Tag 1.500 oder 2.000 Starts und Landungen“, so Kostial. Hier falle der Großteil aus. Für Speditionen bedeute das tägliche Einzelfallentscheidungen.
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Etwas Entlastung bringt für die Branche der Zeitpunkt der Krise. „Ein Vorteil ist, dass das chinesische Neujahrsfest gerade zu Ende gegangen ist“, sagt Kostial. In dieser Phase sind die Transportvolumen aus China nach Europa traditionell niedriger als in den Monaten davor.
Lager werden zum Engpass
Neben Seehäfen und Flughäfen geraten auch Lagerkapazitäten unter Druck. Wenn Waren nicht weitertransportiert werden können, müssen sie zwischengelagert werden - analog zur Situation in den Seehäfen. Mit zunehmender Dauer des Konflikts entsteht dadurch ein weiteres Problem. „Auch dort wird es mit Fortdauer zu Engpässen in den Kapazitäten kommen“, sagt Kostial. Gebrüder Weiss arbeitet in der Region mit einer Reihe von lokalen Partnern zusammen. Doch auch dort sind die Kapazitäten endlich.