Beyond Gravity : Ohne Satelliten kein Stromnetz: Die unsichtbare Macht der Raumfahrtindustrie
Manfred Sust, Head of Advanced Technologies, Beyond Gravity: "Die Abhängigkeit ist unermesslich"
- © Matthias HeschlWenn Manfred Sust über Raumfahrt spricht, geht es nicht zuerst um Raketen oder Mondmissionen. Der Head of Advanced Technologies bei Beyond Gravity beschreibt am Industriekongress 2026 eine Branche, die lange nach anderen Regeln funktionierte als klassische Serienfertigung – und nun in eine neue industrielle Phase eintritt. Industrielle Methoden habe man zwar immer eingesetzt, sagt Sust, allerdings vor allem aus Gründen der Sicherheit, Nachvollziehbarkeit und Reproduzierbarkeit. Für echte Skaleneffekte sei der Markt lange zu klein gewesen.
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„Jetzt hat sich das geändert“, sagt Sust. Raumfahrt wird vom Spezialgeschäft weniger Missionen zu einem industriellen Zukunftsmarkt. Sust verweist auf ein erwartetes jährliches Wachstum von rund neun Prozent und eine Marktgröße von 1,8 Billionen Dollar im Jahr 2035. Zugleich fließe viel privates Kapital in den Sektor, laut Sust rund 70 Milliarden Dollar pro Jahr. Auch die Zahl der Satelliten, die bis 2030 gestartet werden sollen, übertreffe bisherige Erwartungen.
Aus dieser Dynamik entsteht Druck auf die Industrie. Wo früher Preisreduktionen von einigen Prozent als ambitioniert galten, seien heute ganz andere Sprünge möglich. Sust nennt deutliche Kostensenkungen: In der Erdbeobachtung koste ein Satellit heute nur noch etwa ein Zehntel, in der Kommunikationstechnologie nur noch ein Fünfunddreißigstel früherer Werte. Der Preisverfall zwingt zu modularen Systemen und Fertigung für höhere Stückzahlen.
Satelliten als unsichtbares Rückgrat
Noch gewichtiger ist Susts zweites Argument: Raumfahrt ist nicht mehr nur Spitzentechnologie, sondern kritische Infrastruktur. Satelliten liefern Navigation, Kommunikation, Erdbeobachtung und Zeitsynchronisation – und damit Leistungen, auf denen andere Systeme aufbauen. „Diese Abhängigkeit ist unermesslich“, sagt Sust. Fielen Galileo, GPS oder Kommunikationssatelliten aus, hätte das Folgen weit über die Raumfahrtbranche hinaus.
Sust beschreibt diese Abhängigkeit mit mehreren Beispielen. Stromnetze brauchen präzise Synchronisation. Kommunikation am Boden, Transport und Logistik hängen an Satellitennavigation und Satellitenkommunikation. Erdbeobachtung hilft, Schifffahrtsrouten sicherer zu planen. Börsenhandel arbeitet mit extrem präziser Zeitsteuerung. Precision Farming nutzt Satellitennavigation bis in den Zentimeterbereich. Für Sust ergibt sich daraus folgender Befund: „Die Weltrauminfrastruktur ist die einzige Infrastruktur, die alle diese kritischen Infrastrukturen zusammenhält.“
Diese Rolle macht Raumfahrt zugleich verletzlich. Je stärker Wirtschaft, Staat und Gesellschaft auf Satellitentechnik angewiesen sind, desto attraktiver werden Störungen. Besondere Bedeutung misst Sust der Navigation und der Übertragung genauer Zeit bei. „Wenn man die Zeitübertragung außer Kraft setzt, dann hat man die Erde im Griff“, sagt Sust.
Das war der Industriekongress 2026
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Bereits zum 16. Mal trafen sich die führenden Köpfe der produzierenden Industrie von 23. bis 25. Juni zum jährlichen Industriekongress.
Foto: Matthias Heschl / Industriekongress 2026
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Schauplatz des Kongresses war das IMLAUER Hotel Schloss Pichlarn in Aigen im Ennstal.
Foto: Matthias Heschl / Industriekongress 2026
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Am Vorabend stand beim „Gespräch unter der Linde: Fokus finden im Lärm der Welt“ die Frage im Mittelpunkt, wie moderne Führung in Zeiten von künstlicher Intelligenz, technologischen Umbrüchen und geopolitischer Unsicherheit Orientierung schaffen kann. Ali Mahlodji, CEO futureOne und Thomas Welser, CEO Welser Profile diskutierten mit Beatrice Schmidt, Geschäftsführerin FM FORUM Industriemedien, darüber, warum klare Prioritäten, persönliche Resilienz, Purpose und Authentizität zu zentralen Kompetenzen werden, um Organisationen durch permanente Veränderung zu führen.
Foto: Lukas Krec / Industriekongress 2026
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Beatrice Schmidt, Geschäftsführerin FM FORUM Industriemedien...
Foto: Matthias Heschl / Industriekongress 2026
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eröffnete den Industriekongress 2026...
Foto: Matthias Heschl / Industriekongress 2026
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...mit Rudolf Loidl, Chefredakteur des INDUSTRIEMAGAZIN.
Foto: Matthias Heschl / Industriekongress 2026
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Zu Beginn analysierte der Politologe Herfried Münkler, wie geopolitische Rivalität, hybride Konflikte sowie technologische und rohstoffpolitische Abhängigkeiten die neue Weltordnung prägen – und was diese Machtverschiebungen für Europas Wirtschaft, Sicherheit und strategische Eigenständigkeit bedeuten.
Foto: Matthias Heschl / Industriekongress 2026
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Danach analysierte Ulrike Franke vom European Council on Foreign Relations, wie sich durch hybride Bedrohungen, Cyberangriffe und die wachsende sicherheitspolitische Bedeutung kritischer Technologien das Verhältnis zwischen Staat und Privatwirtschaft verschiebt – und warum Industrieunternehmen in der neuen geopolitischen Lage stärker Teil strategischer Sicherheitsarchitekturen werden.
Foto: Matthias Heschl / Industriekongress 2026
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Es folgte ein Vortrag von Christoph Neumayer von der Industriellenvereinigung zur österreichischen Industriestrategie, in dem er darlegte, wie sich der Industriestandort angesichts veränderter globaler Rahmenbedingungen vom rein wirtschaftlichen Erfolgsmodell zu einem geopolitisch geprägten Standortmodell zwischen Wettbewerbsfähigkeit, Versorgungssicherheit und strategischer Eigenständigkeit wandelt.
Foto: Matthias Heschl / Industriekongress 2026
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In der anschließenden Paneldiskussion „Von der Globalisierung zur Geoökonomie – Wer setzt künftig die Regeln?“ diskutierten Miba-CEO F. Peter Mitterbauer, Dr. Ulrike Franke, Herfried Münkler, Christoph Neumayer und der Industriemanager Thomas Friess über die veränderte Rolle der Wirtschaft in einer zunehmend geopolitisch geprägten Welt. Im Mittelpunkt standen die Fragen, ob Wirtschaftspolitik zur Sicherheitspolitik wird, wie sich Europa zwischen den USA und China positionieren kann und welche Verantwortung Industrie und Staat in einer neuen geoökonomischen Ordnung übernehmen müssen.
Foto: Matthias Heschl / Industriekongress 2026
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Am Nachmittag folgten fünf Parallel Sessions. Zum einen fanden die Finalisten-Präsentationen des von Fraunhofer Austria und INDUSTRIEMAGAZIN ausgelobten Produktionswettbewerbs "Fabrik des Jahres" statt. Es präsentierten Geschäftsführer und Produktionsmanagerinnen und -manager von Fill, hollu, Hirschmann Automotive und Zotter (im Bild).
Foto: Matthias Heschl / Industriekongress 2026
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In der zweiten Parallel Session „Von globaler Skalierung zu regionaler Stärke: Die neue Logik des Wachstums“ zeigte Simon-Kucher & Partners, wie sich Wachstumsstrategien in einer fragmentierten Welt verändern und warum regionale Marktstärke für Industrieunternehmen zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Foto: Matthias Heschl / Industriekongress 2026
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In einer weiteren Parallel Session unter dem Titel „Die Produktion der Zukunft: Standort sichern, global bestehen“ zeigte Siemens AG Österreich, wie moderne Produktionstechnologien, Digitalisierung und industrielle Effizienz dazu beitragen können, den Standort zu stärken und zugleich im internationalen Wettbewerb zu bestehen.
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In der Parallel Session „Wie stelle ich die Kontinuität meines Geschäfts bei externen und internen Ereignissen kosteneffizient sicher?“ zeigte AWS, wie Unternehmen ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber Krisen, Ausfällen und internen Wissensverlusten stärken und zugleich Kosten, Verfügbarkeit und Geschäftskontinuität im Blick behalten können.
Foto: Matthias Heschl / Industriekongress 2026
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In der Parallel Session „Effizienz mit Wirkung: Wie Unternehmen Maßnahmen in Ergebnis übersetzen“ zeigte die ERA Group, wie Unternehmen Effizienzprogramme so ausrichten können, dass Maßnahmen nicht nur Kosten senken, sondern messbar auf Ergebnis, Umsetzungskraft und nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit einzahlen.
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Es folgte ein Vortrag von Christian Knill von der Knill Gruppe zur „Infrastruktur in einer fragmentierten Welt“, in dem er darlegte, warum Stromnetze, Bahninfrastruktur und Verbindungstechnik angesichts geopolitischer Spannungen, Elektrifizierung und neuer Industriepolitik zu strategischen Voraussetzungen für Europas industrielle Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz werden.
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Danach sprach Stefan Greimel von Treibacher Industrie über „Kritische Materialien in einer fragmentierten Welt“ und zeigte, warum strategische Rohstoffe für Energiewende, Hightech und Verteidigung zu einer Schlüsselfrage für Europas industrielle Zukunft und Versorgungssicherheit werden.
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In der folgenden Paneldiskussion „Resilienz statt Effizienz? Wie Europa seine industrielle Basis sichern kann“ diskutierten Stefan Greimel, Christian Knill, Marienhütte-Chef Markus Ritter und Spritzgießwerkzeugbauer Mario Haidlmair über die Frage, wie Europas Industrie in einer zunehmend geopolitisch geprägten Welt widerstandsfähiger werden kann. Im Mittelpunkt standen die Rolle aktiver Industriepolitik, die Bedeutung strategischer Versorgungssicherheit sowie das veränderte Verhältnis zwischen Staat und Unternehmen im Spannungsfeld zwischen den USA und China.
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In den Abendstunden wurden die Sieger des Awards Beste Fabrik gekürt.
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Den Award Sustainable Factory holte sich hollu Systemhygiene.
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Fill gewann den Award Smart Factory.
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Der Sieger der Kategorie Efficient Factory und Gesamtsieger: Hirschmann Automotive aus Rankweil.
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Der zweite Kongresstag stand unter dem Leitmotiv „Resilienz. Sicherheit. Innovation.“ und richtete den Blick darauf, mit welchen Strategien Europas Industrie in einer fragmentierten Welt ihre Stärke sichern und neue Chancen in Energiewende, Circular Economy, Verteidigung und technologischer Innovation nutzen kann. Erste Rednerin:
Katharina Rogenhofer vom KONTEXT Institut referierte unter dem Titel „Mehr als nur grün: Wie Kreislaufwirtschaft Europas Abhängigkeiten reduziert“ darüber, wie neue Wertschöpfungsketten, Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft zu strategischen Hebeln für Versorgungssicherheit, industrielle Resilienz und Europas geopolitische Handlungsfähigkeit werden.Foto: Matthias Heschl / Industriekongress 2026
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Markus Schober, COO der HAI Gruppe, zeigte unter dem Titel „Aluminium: Kreislaufwirtschaft als industrielle Strategie“, wie Recycling, geschlossene Materialkreisläufe und erneuerbare Energie angesichts hoher Energiepreise, Dekarbonisierung und globaler Überkapazitäten zu zentralen Wettbewerbsfaktoren der Aluminiumindustrie werden.
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Brigadier Stefan Lampl vom EU-Militärstab erläuterte in seinem Vortrag „Sicherheit braucht Industrie – Warum Verteidigungsfähigkeit ohne industrielle Stärke nicht möglich ist“, welche Bedeutung technologische Innovation, Produktionskapazitäten und industrielle Leistungsfähigkeit künftig für Europas Sicherheit und Verteidigungsfähigkeit haben.
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Jasmin Zehic von Rheinmetall MAN Military Vehicles Österreich sprach unter dem Titel „Neue Allianzen zwischen Werkbank und Wehrtechnik“ darüber, wie der steigende Bedarf an Sicherheits- und Dual-Use-Technologien neue Kooperationsmöglichkeiten zwischen ziviler Industrie und Verteidigungswirtschaft eröffnet und industrielle Wertschöpfungsketten verändern kann.
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Manfred Sust von Beyond Gravity sprach über „Innovation im Orbit als kritische Infrastruktur“ und erklärte, warum Satelliten, Kommunikation, Navigation und Erdbeobachtung zu zentralen Grundlagen moderner Wirtschaft und Sicherheit werden und Raumfahrttechnologie damit an Bedeutung für technologische Souveränität und strategische Autonomie gewinnt.
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Christian Tauber von NEOALP und Rudolf Loidl diskutierten unter dem Titel „Humanoide Robotik in der industriellen Praxis“ über konkrete Einsatzmöglichkeiten, technische Herausforderungen und die Zukunft humanoider Systeme in österreichischen Industriebetrieben.
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Im Anschluss diskutierten Walter Woitsch von EY Parthenon und Rudolf Loidl im Wrap-up „Europäische Industrie stärken, wo es zählt“, auf welche Kernkompetenzen sich Europas Industrie fokussieren muss, um Wertschöpfung, Know-how und Management langfristig im eigenen Einflussbereich zu halten.
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In der Paneldiskussion „Subvention, Souveränität, Strukturwandel?“ diskutierten Brigadier Stefan Lampl, Jasmin Zehic, Peter Koren von der IV und Roswenbauer-CEO Robert Ottel darüber, wie Europa seine Industriepolitik zwischen globalem Wettbewerb, wachsender Regulierung und dem Anspruch auf strategische Autonomie neu ausrichten kann. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Antworten es braucht, um Wettbewerbsfähigkeit, Nachhaltigkeit und Sicherheit künftig stärker miteinander zu verbinden.
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Weitere Impressionen vom Industriekongress finden Sie in der Bilderstrecke.
Foto: Matthias Heschl / Industriekongress 2026
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Warum ESA-Beiträge Industriepolitik sind
Europa hat in diesem Feld nach Susts Einschätzung eine starke Ausgangsposition. Die European Space Agency sei hochkompetent, die Kernfelder Erdbeobachtung, Navigation und Kommunikation seien früh adressiert worden. Auch die Rolle der Europäischen Union habe sich verändert. Copernicus bezeichnet Sust als das beste Erdbeobachtungssystem der Welt. Galileo sei später als GPS gekommen, aber „wesentlich besser und wesentlich stabiler“. Mit IRIS² werde derzeit ein weiteres europäisches Infrastrukturprogramm aufgebaut.
Für Österreich sieht Sust einen besonderen Hebel in der ESA. Das Land ist seit 1987 Mitglied und in Programmen zu Erdbeobachtung, Kommunikation, Navigation und Wissenschaft aktiv. Entscheidend ist für ihn die Unterscheidung zwischen Pflichtbeiträgen und Wahlprogrammen. Der Pflichtbeitrag finanziert unter anderem den Betrieb der ESA und das Wissenschaftsprogramm. Die Wahlprogramme dagegen sieht Sust nicht als klassische Forschungsförderung, auch wenn sie in Österreich häufig unter diesem Begriff laufen. Aus seiner Sicht handelt es sich in hohem Maß um Vorentwicklungen für spätere Infrastrukturprogramme der Europäischen Union. Wer dort früh beteiligt ist, kann später unter kommerziellen Bedingungen an Programmen wie Copernicus, Galileo oder IRIS² mitwirken. „In Wirklichkeit ist das der Aufbau einer leistungsfähigen Industrie“, sagt Sust.
Beyond Gravity steht für diese Logik. Das Unternehmen ist mit technologisch anspruchsvollen Komponenten in Satellitenprogrammen vertreten. Sust beschreibt vier Produktbereiche: Elektronik, Mechanismen, Thermalisolation und Bodenausrüstung. In Elektronik, Mechanismen und Thermalisolation habe das Unternehmen in einzelnen Feldern Weltmarktführerschaft erreicht.
Navigation als Einstieg in den Markt
Der Einstieg in viele Anwendungen erfolgte bei Beyond Gravity über weltraumgebundene Navigationsempfänger – vereinfacht gesagt: Navigationssysteme für Satelliten selbst. Diese Technik bestimmt, wo sich ein Satellit befindet und wie Messdaten aus dem All präzise verortet werden können. Hochpräzise Sensoren nützen wenig, wenn die Position der Messung nicht exakt bekannt ist.
Aus dieser Kompetenz entwickelte Beyond Gravity weitere Nutzlasten. Der Kern der Navigationssysteme wurde um zusätzliche Module erweitert. Sust spricht von einem modularen System, „quasi ein Lego“, mit dem Nutzlasten zusammengesetzt werden können. Dadurch könne das Unternehmen schneller auf Kundenwünsche reagieren – etwa für die ESA, für Navigationssysteme, für IRIS² oder auch für das österreichische Bundesheer, wenn es um die Detektion von Störungen auf dem Schlachtfeld geht.
Neue Satellitenkonstellationen, vor allem im niedrigen Erdorbit, verlangen andere Kostenstrukturen als einzelne Großmissionen. Sust verweist darauf, dass Beyond Gravity Navigationsempfänger für diese Konstellationselektronik entwickelt hat: gleiche Performance, aber optimiert für den Einsatz im Low Earth Orbit und für deutlich niedrigere Preise. Der technische Feind bleibe dabei die Strahlung.
Österreichs Raumfahrt als Nischenstärke
Beyond Gravity Österreich ist Teil des Schweizer Unternehmens Beyond Gravity. Sust beschreibt die Zusammenarbeit insgesamt als stark. Rund die Hälfte des Geschäfts gehe nach Europa, ein etwas kleinerer Teil in den Rest der Welt. Im Konzern habe Österreich in bestimmten Bereichen eine starke Position.
In Österreich gebe es rund 150 Organisationen in diesem Bereich, etwa zwei Drittel davon im Upstream, also im Bereich der Raumfahrtinfrastruktur und der Ausrüstung, ein Drittel im daten- und dienstleistungsnahen Bereich. Die jährliche Wertschöpfung beziffert Sust mit rund 200 Millionen Euro. Österreich zahle rund 113 Millionen Euro pro Jahr an ESA-Beiträgen ein, Pflichtbeitrag und Wahlbeiträge zusammen. Damit ist Raumfahrt Teil industrieller Resilienz, ein Feld europäischer Souveränität und ein Markt, in dem sich Österreich über Spezialisierung behaupten kann.