Fraunhofer Logistik Kommentar : Spitzensport Logistik: Formel E-LKW
Christoph Ecker (links) ist Leiter des Geschäftsbereichs Logistik und Supply Chain Management bei Fraunhofer Austria. Stephan Keckeis ist Projektleiter bei der Fraunhofer Austria Research GmbH im Geschäftsbereich Logistik- und Supply Chain Management.
- © Fraunhofer AustriaAnschaffungskosten, Reichweite, Ladeinfrastruktur und Fahrerakzeptanz prägen derzeit den Blick österreichischer Unternehmen auf die Elektrifizierung ihrer LKW-Flotten. Da das Flottenmanagement oft nicht im strategischen Fokus steht, fehlt es an Transparenz über tatsächliche Kosten, Einsparpotenziale und geeignete Einsatzszenarien von E-LKW. Öffentliche Förderungen dienen in vielen Fällen als zentrale Anreizwirkung für die Anschaffung der E-Fahrzeuge und Infrastruktur. Ist der E-LKW einmal beschafft, kommt er vor allem auf Standardrouten mit kurzen Distanzen und bekannter Ladeinfrastruktur zum Einsatz. Ein grundsätzlich sinnvoller Einstieg, der jedoch nicht das volle Potenzial der E-Mobilität abschöpft.
Aus diesem Grund hat Fraunhofer Austria ein Total-Cost-of-Ownership Bewertungstool entwickelt. Damit wird es Unternehmen ermöglicht, die Wirtschaftlichkeit von E-, Misch- und Verbrenner-LKW-Flotten transparent und objektiv zu vergleichen. Dazu werden reale Transportdaten, Verbrauchswerte, Fahrzeugtypen, vorhandene (Lade-)Infrastruktur sowie Streckeneigenschaften wie Topografie oder Autobahnanteil verwendet, um die operativen Betriebskosten der unterschiedlichen Antriebstypen zu bewerten. Die ermittelten Betriebskosten werden anschließend den Anschaffungskosten gegenübergestellt, um konkrete Handlungsempfehlungen für die optimale Zusammensetzung der LKW-Flotte abzuleiten.
Mit diesem Bewertungsverfahren gelingt es jedem Unternehmen, transparent und zukunftssicher die ersten Schritte zur skalierbaren und wirtschaftlichen E-Mobilität in der Transportlogistik umzusetzen. Schaffen auch Sie mit Ihrer E-LKW-Flotte die elektrische Höchstleistung der Formel E!
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Nachfolgend finden Sie weitere Kommentare der Serie "Spitzensport Logistik" aus dem Jahr 2025.
Spitzensport Logistik: Staffellauf Transportlogistik
Die Leichtathletik WM in Tokio (13.–21. September 2025) zeigte viele Parallelen zur Transportlogistik – im Speziellen die 4x100 Meter Staffel. Für einen perfekten Staffellauf reicht es nicht nur aus, schnelle Einzelathleten einzusetzen, sondern es braucht auch Präzision, Timing, Koordination und Harmonie – nur so kommt die Staffel sicher und mit Bestzeit ins Ziel. Genau diese Faktoren entscheiden auch über den Erfolg der Logistik auf der letzten Meile.
Dafür müssen zunächst grundlegende Fragen geklärt werden: Welche Ziele sollen auf meiner letzten Meile erreicht werden? Welche Rahmenbedingungen müssen berücksichtigt werden? Was erwarten unsere Kunden? Diese Fragen hören sich banal an, sind in den meisten Fällen aber schwer zu beantworten. Denn was für einen Kunden eine perfekte Lieferung bedeutet, hängt von Aspekten wie Lieferfrequenz, Transportvolumen, Bestellvorlaufzeiten, Zeitfenster, Nachhaltigkeitsvorgaben und geforderter Zusatzleistungen ab.
Ergänzend erschweren gesetzliche Vorgaben wie maximale Lenkzeiten oder Fahrverbote in Innenstädten sowie steigende Kosten (z.B. für Kraftstoffe). Und in Zeiten von Fachkräftemangel spielen auch Lenkberechtigungen und realistische Planungen für Fahrer:innen eine wichtige Rolle. Aufgrund der Vielzahl an Faktoren und der unterschiedlichen Anforderungen je Kunde verlassen sich Unternehmen oft nur aufs Bauchgefühl bei der Transportplanung.
Damit all diese Herausforderungen aber zu einer optimalen Transportplanung führen, braucht es mathematische Optimierung. Bei Fraunhofer Austria setzen wir auf datengetriebene Optimierungs-Ansätze mit etablierten Data-Science-Methoden, eigens entwickelten Routing-Algorithmen und positionsgenauen Geoinformationssystemen. Dadurch können für jeden Kunden und Anwendungsfall die optimalen Routen und Touren berechnet werden. Die eingesetzten Methoden führen zu einer klaren und realistischen Planung, bei der jeder Kunde genau dann beliefert wird, wenn er seine Waren benötigt – und das bei optimaler Nutzung der verfügbaren Ressourcen und Kapazitäten sowie unter Einhaltung aller rechtlichen Vorgaben.
Durch den Einsatz von mathematischer Optimierung und Data Science schafft jedes Unternehmen den perfekten Staffellauf in der Transportlogistik. Mit starker Performance, optimalen Routen und Touren gelingt jede Wechselzone inklusive zufriedener Kunden.
Spitzensport Logistik: Zwischen Regalfach und Rennstall
Die Formel 1 Saison 2025 ist vom WM-Zweikampf der beiden McLaren-Piloten Lando Norris und Oscar Piastri geprägt. Beide sitzen im mit Abstand schnellsten Fahrzeug. Ein wesentliches Erfolgsrezept des Rennstalls ist die Sammlung, Aufbereitung und Analyse unendlich vieler Datensätze in Echtzeit, um eine ideale Abstimmung des Fahrzeugsetups auf die aktuellen Streckenbedingungen zu erzielen. Daten als Erfolgsfaktor? Das hört man auch sehr oft in der Logistik. Doch was tun, wenn Excel ausgedient hat?
Lieferfähigkeit zu minimalen Kosten, das ist die Grundvoraussetzung für eine gut organisierte Lagerlogistik. Um dies zu erreichen, sind permanent eine Vielzahl an strategischen Entscheidungen zu treffen, die idealerweise durch datenbasierte Analysen untermauert werden. Dies gilt sowohl bei großen Investitionsprojekten wie der Lagerautomatisierung, als auch für kleinere Optimierungen wie der Reduktion von Kommissionierwegen.
Doch die Bereitstellung einer ausreichenden Datenmenge und -qualität stellt viele Unternehmen vor Herausforderungen. Artikelstammdaten fehlen oft Abmessungen, Gewichte und Verpackungsmengen. Stellplätze und Lagerbereiche sind oft systemisch nicht erfasst. Bewegungsdaten, Ein- und Auslagerungsdaten werden oft ohne Bezug zur physischen Materialbewegung erfasst. Sofern all diese Daten verfügbar sind, besteht noch immer die Herausforderung, diese Datenmengen aufbereiten und analysieren zu müssen.
Bei Fraunhofer Austria setzen wir auf spezielle Datenanalysetools. Mittels Alteryx können heterogene Datenquellen verknüpft, fehlende oder qualitativ mangelhafte Daten plausibilisiert und aufbereitet, mehrere Millionen an Datenzeilen analysiert sowie Kennzahlen berechnet werden. Dashboards in Tableau und PowerBI dienen durch interaktive Visualisierung als Unterstützungswerkzeuge im Entscheidungsprozess.
Anhand dieser eingesetzten Tools können Entscheidungen auf Basis messbarer, datenbasierter Fakten getroffen werden – ganz ohne Excel und genauso effizient und zielführend wie in der Formel 1. Wie der Ex-Formel 1 Fahrer Romain Grosjean einmal sagte: „Ich verbringe genauso viel Zeit mit dem Fahren wie am Computer, um mir die Daten anzuschauen.“ Nutzen auch Sie Ihren Datenschatz, um die ideale Rundenzeit zu erzielen!
Spitzensport Logistik: Le Tour de la Supply Chain
Im Juli versammelt sich die Rennrad-Elite zum prestigeträchtigsten Rennen im Straßenradsport – le Tour de France. Die besten Athleten der Welt rittern in 21 Etappen auf 3.320 Kilometer und über 50.000 Höhenmeter um das berühmte Maillot Jaune, das gelbe Trikot des Gesamtsiegers. Jedoch, entgegen der weitläufigen Meinung, Straßenradsport sei ein Einzelsport, ist es vielmehr eine Teamleistung mit einer Strategie, die jeweils das Optimum jedes Kettengliedes der Mannschaft herausholen soll.
Genau dieses effiziente Ineinandergreifen von Kettengliedern ist auch in funktionierenden Supply Chains unabdinglich. Eine wohldurchdachte Strategie und reibungslose Kommunikation sorgen für effektives Eingreifen bei Änderungen des Rennverlaufs. Damit ein Produkt schlussendlich zur richtigen Zeit, am richtigen Ort und mit der richtigen Quantität und Qualität beim Konsumenten ankommt, liegt meist ein weiter Weg zurück. Oft sind diese Wege gesäumt mit Stürzen, ungeplanten Mehraufwänden und anderen Widrigkeiten.
Im vergangenen Herbst beispielsweise gelangten über 600 Arzneiprodukte in Österreich nicht vollständig an ihr Ziel und waren zumindest vorübergehend nicht verfügbar. Die Ursachen dafür sind vielschichtig, wie beispielsweise der Mangel an Digitalisierung im pharmazeutischen Bereich. Unterschiedliche Datenquellen reichen von Produktionsdaten bis zu textuellen, geopolitischen Daten und machen eine einfache Zeitreihenprognose beinahe unmöglich. Nichtsdestotrotz reichen die potenziellen Vorteile verlässlicher Vorhersagemodelle von einer besseren Verfügbarkeit von Medikamenten bis hin zu optimierten Lieferketten mit geringeren Kosten und weniger abgelaufenen Wirkstoffen (APIs).
Genau hier setzt das Forschungsprojekt REMEDY an und untersucht das Potenzial für die Implementierung von KI-basierten Vorhersagesystemen, um strukturelle Probleme in der pharmazeutischen Lieferkette in Österreich zu beseitigen. Mithilfe intelligenter Nutzung von Daten und standardisierten Schnittstellen soll die europäische Pharmabranche souveräner und resilienter werden. Eine frühe Erkennung von potenziellen Engpässen erhöht die Flexibilität durch Substitution von Ressourcen und Rohmaterialien, wodurch schlussendlich Kosten gesenkt und die Materialverfügbarkeiten erhöht werden.
Mit REMEDY können also eventuelle Hindernisse entlang der Strecke frühzeitig erkannt und entsprechend reagiert werden, damit auch alle Teams und Sportler die großen Herausforderungen wie das Alp d’Huez meistern und alle das Ziel erreichen. Allez!
Spitzensport Logistik: Im Flug zum Lagerlayout
30. März 2025, Planica, Skifliegen – Domen Prevc flog mit 254,5 Metern einen neuen Weltrekord im Skifliegen. Ihm immer auf den Fersen war eine kleine Drohne, die den Flug aus der Verfolgerperspektive dokumentierte. Auch in der Lagerlogistik werden Drohnen seit Jahren als vielversprechendes Werkzeug angepriesen. Wirklich durchsetzen konnte sich die Technologie bisher aber noch nicht. Welchen Beitrag können Drohnen in der Lagerlogistik leisten?
Die Zielsetzung, dass Läger einmal gebaut werden und den Anforderungen der nächsten Jahrzehnte entsprechen, tritt in der Realität so gut wie nie ein. Als Resultat treten durch den Um-, Aus- oder Zubau von Lagerflächen gewachsene Lagerstrukturen auf. Die neuen Lagerlayouts werden allerdings im Zuge dieser Umplanungen und Erweiterungen oft nicht aktualisiert. Für zukünftige Planungen fehlt eine wesentliche Grundlage. Vor allem wenn man bedenkt, dass ein effizient gestaltetes Lagerlayout zu einer Senkung der innerbetrieblichen Materialtransportkosten von bis zu 30 Prozent führen kann. Eine nachträgliche, manuelle Aufnahme und Vermessung des Status Quo ist daher in vielen Fällen unumgänglich. Dies ist allerdings mit einem hohen Zeit- und Ressourcenaufwand verbunden. Eine Möglichkeit diesen Prozess zu automatisieren, ist der Einsatz von Drohnen in Kombination mit Fotogrammmetrie. Dieses Verfahren dient der Vermessung und Rekonstruktion von Objekten anhand von Fotoaufnahmen.
Genau dieses Prinzip verfolgt die Fraunhofer Austria Drohne „Flying Duck“. Anhand einer vordefinierten Flugroute durch das Lager werden Fotos an definierten Koordinaten im Layout aufgenommen. Durch eine intelligente Modellierungssoftware werden Fotos und Koordinaten in eine Punktwolke umgewandelt, die einem maßstabsgetreuen Modell des Lagerlayouts entspricht. Das dadurch entstandene 3D-Modell kann in Standard-CAD-Software eingelesen werden, um virtuelle 3D-Rundgänge zu ermöglichen oder detailgetreue 2D-Lagerlayouts zu erstellen. Dadurch ergibt sich eine einfache und rasche Möglichkeit, fehlende Layoutdaten zu erheben.
So wie Domen Prevc mit seinem Flug neue Maßstäbe im Skisprung-Sport setzte, können auch Drohnen in der Lagerlogistik ungeahnte Höhen erreichen. Die Fraunhofer Austria „Flying Duck“ ist ein erfolgreiches Projekt-Beispiel dafür, Drohnen als Analysewerkzeug in der Lagerlogistik einzusetzen. Sind Sie „ready for take off“?
Spitzensport Logistik: Der Logistik Super Bowl
Vergangenen Sonntag hat das größte, jährlich ausgetragene Sportevent der Welt stattgefunden: der Super Bowl. In diesem Jahr standen den Kansas City Chiefs die Philadelphia Eagles gegenüber. Das erwartet hochklassige Spiel wurde allerdings relativ schnell entschieden. Neben einer fantastischen Verteidigung der Eagles gab es ein wesentliches Erfolgsrezept: Alle Starspieler der Eagles konnten vollkommen fit am entscheidenden Spiel teilnehmen - und das trotz einer langen Saison voller hoher körperlicher Belastungen. Dieses Erfolgsrezept muss auch auf Kommissionierprozesse übertragen werden. Aber wie kann die Kommissionierung effizient und gleichzeitig ergonomisch erfolgen?
Die Person-zu-Ware-Kommissionierung zählt zu den arbeitsintensivsten Tätigkeitsbereichen mit der höchsten physischen und psychischen Belastung in der Logistik. Aufgrund der andauernden, körperlichen Beanspruchung der Kommissionierenden treten hohe Krankenstandsquoten auf. Außerdem entstehen gesundheitliche Langzeitschäden wie Muskel-Skelett-Erkrankungen. Eine frühzeitige Arbeitsunfähigkeit der Mitarbeitenden ist die Folge. Ergänzend resultieren hohe Fluktuationsraten bei Kommissionierenden. Der Fachkräftemangel in der Logistikbranche wird zusätzlich bestärkt und Unternehmen kämpfen mit hohen Personalakquise- und Einarbeitungskosten bei neuen Mitarbeitenden.
Ein Erfolgsfaktor ist die ganzheitliche Planung und Steuerung von Kommissionieraufträgen und Personalressourcen. Dabei ist eine kombinierte Betrachtung von Effizienz und Ergonomie erforderlich. Das Fraunhofer Austria Tool Ergo Turtle bietet eine innovative Lösung, um physische und psychische Belastungen der MitarbeiterInnen in die Auftragsallokation zu integrieren. Durch den Ausgleich der körperlichen Beanspruchung zwischen Kommissionierenden werden Über- und Unterbeanspruchungen einzelner Mitarbeitender vermieden und gleichzeitig die Effizienz im Kommissionierprozess gesteigert. Ermöglicht wird die ergonomische Auftragsallokation durch einen entwickelten Optimierungsalgorithmus, dem Kommissionieraufträge, Artikelstammdaten und das Lagerlayout zu Grunde liegen. Ergänzend ist die Integration von Körpervitaldaten der Mitarbeitenden möglich, beispielsweise durch die Einbindung einer Smartwatch.
Die Kombination aus Ergonomie und Effizienz in der Auftragsallokation der Kommissionierung schafft Mitarbeitendenzufriedenheit und -motivation, verhindert Fluktuation und schafft langfristige Gesundheitsprävention, reduziert Personalkosten und ermöglicht die rasche und erfolgreiche Abarbeitung von Aufträgen. Mit fitten, motivierten Mitarbeitenden und einer effizienter Aufgabenzuteilung werden Teamleistung wie jene der Philadelphia Eagles im Super Bowl ermöglicht – und das auch in der Logistik. So schafft jedes Unternehmen seinen persönlichen Super Bowl Gewinn.