Logistik-Krise Österreich : Logistik unter Druck: Österreich verliert deutlich gegenüber Deutschland

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Für Alexander Klacska war das vergangene Jahr „ein sehr schwieriges“. Die quartalsweise WIFO‑Konjunkturumfrage zeige „Zahlen, die sich ins Negative beziehungsweise um die Nulllinie“ bewegt haben, was eine „sehr verhaltene“ wirtschaftliche Entwicklung belege. „Auch der Ausblick ist nicht besser: Die Erwartungen sind nach wie vor sehr gedämpft.“ Dies wirke sich auf Nachfrage, Geschäftslage und Beschäftigung aus, wobei die Arbeitslosenzahlen „leicht gestiegen“ seien.

Zudem bleibe der Arbeitskräftemangel ein drängendes Thema: „Es ist nach wie vor extrem schwierig, neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden. Auch wenn die Arbeitslosenzahlen leicht steigen, ist man dort, wo die Konjunktur schwächelt, dennoch sehr zurückhaltend, was die Freisetzung von Personal betrifft.“

Besorgt zeigt sich Klacska über die dämpfenden Preiserwartungen bei gleichzeitig erheblichen Kostensteigerungen: „Im Straßengüterverkehr liegt die Mauterhöhung bei rund 7,8 Prozent, dazu kommen Kollektivvertragsabschlüsse, die sich etwa an der rollierenden Inflation von rund drei Prozent orientieren.“ Diese Kostensteigerungen, „die stark staatlich motiviert sind“ würden mit einer schwachen Konjunkturlage „einen gefährlichen Mix“ ergeben.

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Klacska kritisiert Maut- und Gebührenpolitik in Krisenzeiten

Die WKO beschäftige sich seit zwei Jahren mit der Frage der Mautkosten. Zwar habe es durch „Verhandlungen und Gespräche“ eine Reduktion von „zwölf auf unter acht Prozent“ gegeben, dennoch sei das Bild „erschreckend“. Staatlich würden „Gebühren und Kosten sehr großzügig angepasst – von der Parkraumbewirtschaftung bis hin zu den Mautkosten.“ 

„Natürlich ist die Budgetsituation angespannt“, so Klacska, „aber in Kombination mit einer schwachen Konjunktur ist das ein gefährliches Spiel.“

Standortnachteil Österreich? Klacska sieht Wettbewerbsfähigkeit der Branche in Gefahr

Ein zentrales Thema sei der Wettbewerb: Die Lohnstückkosten sowohl in der Industrie als auch im Transportgewerbe seien in Österreich mittlerweile „deutlich über jenen in Deutschland“, in der Vergangenheit sei Österreich immer knapp darunter gelegen.

Deutschland sei als wichtiges Export‑ und Zulieferland von Österreich zentral, „und jetzt deutlich darüber“ zu liegen, bedeute einen Verlust an Wettbewerbsfähigkeit.

Gegen Osteuropa müsse die Branche ohnehin „sehr viel Zusatzleistungen erbringen, um wettbewerbsfähig zu sein“. Der Rückstand hinter Deutschland sei jedoch „besonders schmerzhaft“, so Klacska, „sowohl für die Industrie als Auftraggeber als auch im direkten Vergleich zwischen Logistik ‚made in Austria‘ und ‚made in Germany‘.

Die Obleute der Güterbeförderer aus den Bundesländern traten in Wien gegen eine weitere Mauterhöhung auf. (v. l.): Wolfgang Böhm (WK Wien), Bruno Urschitz (WK Kärnten), Johannes Haberl (WK Salzburg), Michael Zimmermann (WK Vorarlberg) und Roman Eder (WK Burgenland)

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Nacht-Sechziger und Fahrermangel: Klacska fordert konkrete Entlastungen für die Branche

Man habe mit der Protestfahrt „klare Signale an die Regierung gesendet, dass es Grenzen gibt“, antwortet Klacska auf die Frage, wie er die Zusammenarbeit mit der aktuellen Regierung beurteilt, die Gesprächsbasis habe sich aber „auf ein sachliches und fachliches Niveau eingependelt“.

Positiv bewertet er Signale zur Entlastung bei Produktivitätshemmnissen, etwa beim klassischen Nacht‑Sechziger, der „die Produktivität in Österreich in der Nacht um über zehn Prozent einschränkt“. Er zeigt sich optimistisch, „dass wir in diesem Jahr wesentliche Schritte weiterkommen“.

Auch beim Thema Arbeitskräftemangel gebe es Fortschritte – etwa bei der Mangelberufsliste oder beim begleiteten Lenken schwerer LKW durch junge Fahrer: Hier müsse es viele, kleine Lösungen geben. Denn die Situation ist ernst“, betont er. In Österreich fehlten zwischen 12.000 und 14.000 Lenkerinnen und Lenker.

Investitionsbedarf bei Infrastruktur: Straße, Schiene, Nebenbahnen

Österreich verfüge „über eine gute Verkehrsinfrastruktur“ – vor allem im Vergleich zu Deutschland - doch seien Problemstellen wie etwa die Sanierung der Luegbrücke in Tirol evident. Auch abseits der Hauptachsen bestehe „Investitionsbedarf“ – etwa bei Nebenbahnen, für deren Bedeutung im Personen‑ und Güterverkehr Klacska wirbt, „obwohl staatliche Förderungen massiv gekürzt wurden“.

Ohne ordnungspolitische Maßnahmen drohe der Schienengüterverkehr „unter die Räder des Personenverkehrs“ zu geraten. „Mit dem wachsenden Anteil des Personenverkehrs wird es für den Güterverkehr immer schwieriger auf der Schiene – vor allem, wenn man auf der anderen Seite Einschränkungen und eine deutliche Mehrbelastung auf der Straße hat. Mit den aktuellen Standort- und Logistikkosten können wir schwer wettbewerbsfähig werden“, sagt Klacska.

Zudem sei die europäische Infrastruktur – etwa Baustellen in Deutschland – ein „Problem, das höhere Kosten und längere Laufzeiten" mit sich bringen würde.

Ohne Maßnahmen würde der Schienengüterverkehr „unter die Räder des Personenverkehrs“ geraten, so Klacska.

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Energie für den Güterverkehr: Klacska sieht im Logistikstrom ein Schlüsselprojekt

Auf die europäische Verkehrs- und Klimapolitik angesprochen begrüßt Klacska, dass Klimapolitik mit wirtschaftlicher Prosperität verbunden werden solle: „Klimaschutz darf  nicht heißen, dass wir den Kontinent deindustrialisieren.“ Die Ziele seien „herausfordernd“, aber machbar, gleichzeitig mangele es an Antworten, etwa für den Energiemix der kommenden Jahrzehnte und an verlässlichen Netzausbauplänen. Denn es gebe auf der einen Seite die klare politische Vorstellung, wie der Verkehrsmix aussehen soll“, aber wie viel „darf oder soll noch fossil sein, wie viel erneuerbarer Strom soll in Fahrzeugen auf die Straße oder auf die Schiene gebracht werden – und wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus?“

Ein Beispiel sei der Bedarf an prioritärem Zugang zu öffentlichen Ladestationen für Kleintransporte: Es könne nicht sein, dass Kleintransportunternehmen mit privaten Fahrzeugen um Ladepunkte konkurrieren müssten.“ Konzepte wie das Einspeisen selbst erzeugten Stroms ins Netz sieht Klacska als Chance, „dass die Logistik günstigen erneuerbaren Strom bekommt.“ Er forciert das Thema Logistikstrom, man könnte dabei „interessante Modelle entwickeln und einiges umsetzen – vor allem hätte die Logistik die Garantie, dass sie günstigen erneuerbaren Strom bekommt“, so Klacska.

Alternative Antriebe: HVO, Wasserstoff, E‑Mobilität

Beim Thema alternative Antriebe zeichnet Klacska ein klares Bild: HVO sei „deutlich stärker im Markt vertreten als Elektromobilität“ und ermögliche bei vorhandenen Fahrzeugen „bis zu 90 Prozent CO₂‑Einsparung“. Zudem könne bei Engpässen jederzeit wieder auf Diesel zurückgegriffen werden, da „dieselben Fahrzeuge genutzt werden können und damit auch keine zusätzlichen Investitionen notwendig sind.“

Wasserstoff bleibe „ein interessantes Thema“, doch stelle sich die Frage nach Herstellungs‑ und Speicherfähigkeit weltweit. Europa und Österreich müssten international „deutlich stärker Tempo aufnehmen, insbesondere durch internationale Partnerschaften. Denn Erdöl sprudelt auch nicht aus unserem Boden, deshalb finde ich die Diskussionen über Abhängigkeiten immer etwas fadenscheinig.“

HVO sei in der Branche weiter verbreitet als Elektromobilität, weil keine weiteren Investitionen notwendig sind.

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Datenverfügbarkeit statt teure Tools: So könnte die Asfinag die Logistik entlasten

Die Logistikbranche sei bei Digitalisierung „sehr weit“. Tools zur Routen‑ und Laderaumoptimierung seien keine neuen Themen, würden durch KI aber weiter verbessert. Klacska fordert jedoch „mehr Datenverfügbarkeit“: „Die Wirtschaft liefert sehr viele Daten an den Staat“, etwa Mautbewegungsdaten – diese sollten für die Betriebe nutzbar gemacht werden, statt „teuer Daten über Google Maps zu erwerben“.  Das sollte ein „Nebenprodukt der Asfinag sein.“ Natürlich müsse das Thema Datenschutz geregelt werden, doch das Problem sei lösbar.

Autonomes Fahren: Chancen und Stand der Dinge

Autonomes Fahren sei in Österreich bislang nicht praxisreif, wohl aber international: So gebe es in Japan etwa voll autonome Transportboxen, die Pakete zustellten. Beim teilautonomen Fahren sei man „bereits sehr weit“, besonders im Individualverkehr; Drohnentransport entwickle sich ebenfalls.

In den USA existierten Systeme, bei denen ein Fahrer mehrere Fahrzeuge aus der Ferne überwache. Klacska sieht großes Potenzial vor allem im Schienenverkehr, mahnt aber: „Innovation zulassen, bevor alles reguliert wird“, sonst komme man „nicht ins Tun“.