Cancom : Wie KI schneller IT-Schwachstellen findet
Die Geschwindigkeit, mit der Sicherheitslücken heute entdeckt, bewertet und potenziell ausgenutzt werden können, verändert Vulnerability und Risk Management grundlegend.
- © ulama nu - stock.adobe.comDie Geschwindigkeit, mit der Sicherheitslücken heute entdeckt, bewertet und potenziell ausgenutzt werden können, verändert Vulnerability und Risk Management grundlegend. KI-Modelle wie Claude Mythos, GPT Cyber oder spezialisierte agentische Analysewerkzeuge sind mittlerweile in der Lage, selbst hochkomplexe Software in einer Tiefe und Geschwindigkeit zu analysieren, die klassische Security-Prozesse zunehmend unter Druck setzt.
Diese Entwicklung zeigt sich auch in den offiziellen CVE-Zahlen (Common Vulnerabilities and Exposures) als weltweit standardisierte Kennungen für öffentlich bekannte Sicherheitslücken. Aktuelle Erhebungen zeigen zwischen 2025 und 2026 eine Zunahme von 51 Prozent. „Wir sprechen von einer Post-Mythos-Ära, weil KI das Security-Management massiv verändert. Auf Unternehmen kommt hier ein erhöhter Managementaufwand zu“, sagt Thomas Gerbafczits, Senior Director Network Solutions bei CANCOM Austria.
Herstellerübergreifende Initiative
Der Begriff “Post-Mythos-Ära“ nimmt Bezug auf Claude Mythos, ein sogenanntes Frontier-Modell von Anthropic, das bei defensiver Cybersecurity-Forschung eingesetzt wurde. Daraus entstand das Project „Glasswing“, eine herstellerübergreifende Initiative zur Absicherung kritischer Software in der KI-Ära. Zu den Partnern zählen Anthropic, Amazon, Apple, Google, Microsoft und auch Cisco, wo diese Entwicklung besonders relevant ist.
Cisco hat deshalb auch seinen PSIRT-Prozess weiterentwickelt. PSIRT steht für Product Security Incident Response Team und bezeichnet jene Organisation, die Sicherheitslücken identifiziert, bewertet, dokumentiert und entsprechende Security Advisories veröffentlicht. Seit letzten Juli verfolgt Cisco ein stärker planbares, risikobasiertes Modell mit Veröffentlichungen zweimal monatlich sowie einer sieben Tage vorgelagerten Information zu betroffenen Technologien und Plattformen.
„Die neue Geschwindigkeit KI-gestützter Schwachstellenanalyse erfordert planbare, skalierbare und partnerschaftliche Ansätze im Sicherheits-Management und eine noch engere Zusammenarbeit zwischen Hersteller, Integrator und Kunden“, betont Hans Greiner, General Manager Cisco Systems Austria.
Ein durchgängiger Prozess
Gerade bei kritischen Infrastrukturen und großen Netzwerk-Betreibern ist die enge Verschränkung von Herstellerinnovationen, Automatisierung und Umsetzungskompetenz entscheidend. CANCOM setzt auf einen End-to-End Lösungsansatz, wo Transparenz, Analyse, KI-gestützte Planung und automatisierte Umsetzung in einem durchgängigen Prozess verbunden wird.
Basis ist die sogenannte Inventory Engine von CANCOM, die in der vorhandenen Netzwerklandschaft zeigt, welche Komponenten tatsächlich im Einsatz sind, etwa Router, Firewalls, WLAN-Systeme und Data-Center-Komponenten. Die Lösung erkennt technische Details wie Hardware-Typen, Seriennummern, Betriebssystem-Versionen oder Support-Informationen.
Belastbare Erkenntnisse
Durch die intelligente Analyse und Aufbereitung auf Basis jahrelanger Erfahrung von CANCOM Austria wird sichtbar, welche Systeme von Security Advisories betroffen sind, welche CVEs relevant sind, ob End-of-Support-Risiken bestehen und welche Softwarestände empfohlen werden.
Die gesammelten Daten werden anschließend in der CANCOM Data Analytics Platform zusammengeführt und intelligent analysiert. Dort entstehen belastbare Erkenntnisse zu Lifecycle-Risiken, Compliance-Abweichungen, Vulnerabilities, nicht standardisierten Softwareständen und möglichen Upgrade-Notwendigkeiten.
„Aus verteilten technischen Daten wird eine verwertbare Entscheidungsgrundlage. Viele Unternehmen wissen nicht in der notwendigen Tiefe, was tatsächlich in ihrem Netz aktiv ist. Ohne diese Transparenz ist modernes Risiko-Management nicht möglich, Stichwort auch NIS2“, so Thomas Gerbafczits von CANCOM Austria.