Neben dem Trägermedium verändert sich auch die Architektur der Systeme grundlegend. Cloud-basierte Zutrittskontrolle, häufig als „Access Control as a Service“ bezeichnet, hat sich von einem technologischen Experiment zur bevorzugten Lösung bei Neuinstallationen entwickelt.
Die Logik dahinter ist betriebswirtschaftlich klar: Statt hoher Anfangsinvestitionen in Server-Hardware und lokale Infrastruktur zahlen Unternehmen monatliche Nutzungsentgelte. Updates erfolgen automatisch, neue Standorte lassen sich rasch anbinden, und die Administration ist von jedem internetfähigen Gerät möglich.
Für Industrieunternehmen mit mehreren Standorten ist das ein erheblicher Effizienzgewinn. Eine Fertigungsgruppe mit Werken in Wien, Linz und Graz kann Zugriffsrechte für Schichtpläne, Wartungsteams oder externe Dienstleister zentral steuern – ohne separate Systeme und ohne Datenabgleich zwischen den Standorten.
Siemens bietet mit dem „Security Manager“ als Teil der Plattform Building X eine cloudbasierte Zutrittskontrolllösung an, die explizit NIS-konform ausgelegt ist. Als Bestandteil einer digitalen Gebäudeplattform integriert sie Zutritt, Energiemanagement und Gebäudeautomation in einer Oberfläche.
Hybridmodelle dominieren die Praxis
Besonders in sicherheitskritischen Umgebungen wie Chemie, Energie oder Verteidigung ist die vollständige Abhängigkeit von einer Internetverbindung keine Option. Hybride Systeme verbinden die Zuverlässigkeit lokaler Infrastruktur mit der Flexibilität cloudbasierter Verwaltung.
Das Prinzip: Lokale Edge-Controller treffen Zutrittsentscheidungen autonom und offline. Die Cloud übernimmt Verwaltung, Analyse und Protokollierung. Fällt die Internetverbindung aus, arbeitet das System weiter und synchronisiert sich später automatisch. Dieser Ansatz gilt im gesamten Industriebereich zunehmend als erste Wahl: Laut Marktbeobachtern dominiert er bereits rund 80 Prozent der Neuinstallationen.
Einen solchen Ansatz verfolgt auch das in Hallwang ansässige Unternehmen Gantner Electronic Services. Die Hybridlösungen des Unternehmens sind offlinefähig und lassen sich über OPC UA – ein offenes Kommunikationsprotokoll der Industrie 4.0 – nahtlos in Steuerungs- und ERP-Systeme integrieren.