IV : IV-Präsident Knill: "Österreich muss man sich erst einmal leisten können"

Knill Neumayer

IV-Präsident Georg Knill und Generalsekretär Christoph Neumayer: „Jede Stunde, die Unternehmen in Bürokratie investieren, fehlt bei Innovation und Wertschöpfung“

- © IV

Die Industriellenvereinigung (IV) bewertet die von der Bundesregierung präsentierte Industriestrategie als wichtigen Meilenstein für den Wirtschaftsstandort Österreich. Mit insgesamt 117 Maßnahmen liegt damit erstmals ein umfassender standortstrategischer Rahmen vor. Nun kommt es allerdings auf eine konsequente und priorisierte Umsetzung an. 

 

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IV-Präsident Georg Knill erklärt dazu: „Die Industriestrategie ist ein wichtiger Schritt – sie wird sich an ihrer raschen Umsetzung messen lassen müssen. Eine erfolgreiche Strategie lebt von konkreten Maßnahmen.“ 

Die Strategie formuliert dazu klare Benchmarks: höhere Produktivität, mehr Wettbewerbsfähigkeit, zusätzliche Investitionen und Innovationen sowie eine stärkere Resilienz. „Neben der Umsetzung der Maßnahmen ist es jedoch auch wichtig, ein gemeinsames Bild der Ausgangslage zu schaffen und die Parameter der genannten KPIs in allen Bereichen zu definieren, sodass in weiterer Folge auch die Erfolge sichtbar werden können“, fordert Knill.

Industriestrategiebarometer verfolgt den Fortschritt

Mit dem Industriestrategiebarometer setzt die IV einen Schritt, um die Fortschritte bei der Industriestrategie laufend transparent und nachvollziehbar abzubilden. Ziel ist es, Verbindlichkeit zu schaffen und politische Verantwortung sichtbar zu machen. 

Derzeit wurden sieben Maßnahmen umgesetzt – darunter die Senkung der Elektrizitätsabgabe, Verbesserungen bei Mitarbeiterbeteiligungen für Start-ups sowie die Ausschreibung der COMET-Zentren. Weitere Maßnahmen befinden sich aktuell in Umsetzung. „Das zeigt: Es geht voran. Jetzt gilt es, das Tempo weiter zu erhöhen und die richtigen Prioritäten zu setzen“, betont Knill. 

Vor dem Hintergrund der angespannten wirtschaftlichen Lage fordert die IV eine konsequente Konzentration auf jene Maßnahmen, die die größte standortpolitische Wirkung entfalten.

Energiepreise: Wettbewerbsfähigkeit absichern

Energie bleibt gerade jetzt ein zentraler Kostenfaktor für die Industrie. Österreich weist dabei weiterhin einen Wettbewerbsnachteil auf. „Ohne wettbewerbsfähige Energiepreise werden Investitionen verschoben, Produktion verlagert und Wertschöpfung geht verloren“, so Knill. Die IV fordert daher eine rasche Notifizierung und Umsetzung der Strompreiskompensation (SAG) sowie die Einführung eines wettbewerbsfähigen Industriestrompreises. Wie angekündigt, soll dazu bis Mitte 2026 ein klares Konzept vorliegen, um den Unternehmen die entsprechende Planungssicherheit zu geben.

Österreich zählt bei den Arbeitskosten weiterhin zu den Hochkostenstandorten. "Es ist nichts neues, dass man sich Österreich erst einmal leisten muss können", sagt Knill. Die Lohnnebenkosten liegen deutlich – um mehr als vier Referenzpunkte – über dem Niveau Deutschlands. Deshalb braucht es einen Pfad zur angekündigten Senkung der Lohnnebenkosten in Richtung deutsches Niveau. „Lohnnebenkosten wirken direkt auf Beschäftigung und Wettbewerbsfähigkeit. Ihre Senkung ist eine der wirksamsten wirtschaftspolitischen Maßnahmen überhaupt und entlastet die Breite der Unternehmen in herausfordernden Zeiten“, betont Knill.

Neumayer: „Bürokratie abbauen, Potenziale freisetzen“

IV-Generalsekretär Christoph Neumayer unterstreicht die Bedeutung der Entbürokratisierung: „Bürokratie kostet Unternehmen rund 15 Milliarden Euro jährlich und bindet wertvolle Ressourcen, die für Innovation und Wachstum fehlen.“ Die IV fordert daher eine praxisnahe Umsetzung von EU-Vorgaben ohne zusätzliche nationale Belastungen („Gold Plating vermeiden“) – etwa bei der Entgelttransparenz-Richtlinie, die ohne überbordende Berichtspflichten umgesetzt werden müsse. „Noch besser wäre eine praxistaugliche Neuentwicklung, die das gemeinsame Ziel, gleiche Entlohnung für gleiche Arbeit, auch wirklich ermöglicht“, so Neumayer. 

Gleichzeitig brauche es eine konsequente nationale Entbürokratisierung durch die Umsetzung und den Ausbau bestehender Entbürokratisierungspakete. Auch im Finanz- und Förderbereich seien spürbare Erleichterungen notwendig, insbesondere durch vereinfachte Förderabwicklungen, reduzierte Nachweis- und Prüfpflichten sowie klarere Förderlogiken, etwa durch die Abschaffung doppelter Rechnungslegungspflichten nach UGB und IFRS. „Jede Stunde, die Unternehmen in Bürokratie investieren, fehlt bei Innovation und Wertschöpfung“, so Neumayer.

Umsetzung fortsetzen und klare Prioritäten setzen

Klar ist, dass nicht alle 117 Maßnahmen gleichzeitig umgesetzt werden können. Entscheidend ist daher eine klare Priorisierung entlang der größten wirtschaftlichen Hebel. „Gerade in der aktuellen konjunkturellen Lage braucht es Fokus und auch Tempo. Wenn wir jetzt entschlossen handeln und die richtigen Prioritäten setzen, sichern wir die Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrie und die Zukunft des Standorts Österreich insgesamt“, so Knill 

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