Porträt : Logsta-Gründer Georg Weiß: "Es fehlen Lagerflächen und Fahrer"

Logsta-Gründerteam (v. li.): Dominik Bieringer, Georg Weiß, Christoph Glatzl

Logsta-Gründerteam (v. li.): Dominik Bieringer, Georg Weiß, Christoph Glatzl: „Die Hälfte unserer Leistung steckt in der userfreundlichen Software, der Rest ist Logistik.“

- © Adrian Almasan | www.adrianalmasan.com

Erleidet die Logistik nach mehr als zwei Jahren Pandemie einen Einbruch? Das Gegenteil sei der Fall, beobachtet Georg Weiß, Co-Chef des Logistikunternehmens und Scale-ups Logsta. „Viele Unternehmen sind während Corona einfach aufgewacht und haben E-Commerce als Einnahmequelle erkannt“, sagt er. Das Unternehmen, das er 2017 mit zwei Kompagnons gründete, hat einen erstaunlichen Werdegang hingelegt. In kurzer Zeit kam man von einer ersten Lagerhalle in einer alten Molkerei zur Expansion in die USA. Zuerst bediente man Startups und KMU, doch der Kundenkreis vergrößerte sich rapide und spricht mittlerweile auch Industrieunternehmen, wie etwa Hagleitner an, die die Vorteile von direct2consumer (d2c) erkannt haben.

Keine Logistik ohne IT


Selbst aus dem Topmanagement eines internationalen Logistikunternehmens kommend, hatten die Gründer Georg Weiß und Christoph Glatzl einen klaren Fokus. Man sah liegen gebliebene Umsätze, weil die IT unflexibel war und die Anfragen der heutigen Zeit nicht abbilden konnten. Dadurch wurden viele Kunden nicht bedient. „Diesen Markt wollten wir catchen“, so Weiß. So holte man sich mit dem dritten Gründer und Geschäftsführer Dominik Bieringer auch die richtige IT-Kompetenz ins Boot. Alle Programme werden inhouse geschrieben und weiterentwickelt und auch die Logistikprozesse haben die Logstas in eigener Hand. „Die Hälfte unserer Leistung steckt in der userfreundlichen Software, der Rest ist Logistik“, meint der Geschäftsführer. Mittels eigener App, dem „Logsta-Connector“ als Service können ihre Kunden die Logistik weltweit steuern und überprüfen. Die Logsta IT lässt sich zusätzlich an die jeweiligen Kundensysteme anbinden und über eine Schnittstelle managen.

Robotic für die nächsten Jahre nicht am Radar


Trotz starkem Innovations- und Techfokus wird man in den nächsten Jahren keine Robotik implementieren und nur vereinzelt Prozesse automatisieren. „Sogar Amazon setzt noch auf Personal und manuelle Prozesse“, sagt Weiß. „Ein hochautomatisiertes System muss die Peakseason auslasten können, den Rest der Zeit wird es aber nie voll genützt“. Peak bedeutet Black Friday und die Weihnachtszeit, hier kommt es zu einem fünf- bis sechsfachen Volumen im Vergleich zum normalen Geschäft. Diese Schwankungen lassen sich automatisiert nicht in einem funktionierenden Business Case abfedern.

© Logsta

Die größte Herausforderung für Logistikunternehmen sind derzeit fehlende Lagerflächen. „Es wird viel gebaut – doch so lange können wir nicht warten“, sagt Weiß. Die Lager werden mittlerweile schon mit 12 m Höhe anstatt wie früher mit 10 m gebaut, 20 000m2 Lagerfläche bietet eine Standardbox und die Nachfrage ist enorm. Neben Lagerplatz fehlt es bei vielen an Fahrern. „Durch den Krieg in der Ukraine sind viele Fahrer ausgefallen“, erklärt Weiß den Mangel. Die Anstellung von LKW-Fahrern ist von Mitteleuropa über Polen und Ungarn in die Ukraine abgewandert. Viele Unternehmen sind auf die günstigen ukrainischen Arbeitskräfte ausgewichen und müssen jetzt kurzfristig umdisponieren.

Finanzierung durch smartes Business Modell


Logsta internationalisierte schon im Gründungsjahr, der erste Standort entstand in den USA. Aufgrund von Kickstarter Kampagnen wollten einige Kunden auch den amerikanischen Markt bedienen wollten, erklärt der Logsta Gründer. Mittlerweile ist das Unternehmen in 5 Ländern vertreten, mit neun Lagerstandorten in Österreich, USA, Deutschland, Frankreich und England. Das extreme Wachstum verlangte nach einem interessanten Finanzierungsmodell. Round2 Capital, ein Wiener Investmentfonds für Wachstumsfinanzierungen, wurde zum kongenialen Partner. Für eine Finanzierung in 7-stelliger Höhe wurden nicht klassische Unternehmensanteile abgegeben, sondern man einigte sich auf eine Umsatzbeteiligung mit vordefinierter Obergrenze.

ZUM UNTERNEHMEN LOGSTA
Gründungsjahr: 2017 Expansion in die USA: 2017 Vertreten in: Österreich, USA, Deutschland, Frankreich, Großbritannien Lagerstandorte: Österreich 2, USA 1, Deutschland 2, Frankreich 1, Beschäftigte: rund 130 Kunden: über 1.500 Umsatz 2021: 17 Mio Euro