Varta Apple Porsche : Varta nach der Sanierung: Was bleibt nach Apple, Porsche und dem Absturz?

Mehrere gebrauchte Varta-AA-Alkalibatterien liegen zu einem Haufen aufgeschichtet.

Varta galt einst als deutsche Batterie-Hoffnung – heute kämpft der Konzern um einen Neuanfang nach der Sanierung.

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Varta gehört zu den traditionsreichsten Namen der deutschen Industrie. Die Wurzeln des Unternehmens reichen bis ins Jahr 1887 zurück. Über Jahrzehnte stand der Konzern für Batterietechnik „Made in Germany“. Doch in den 2000er-Jahren geriet Varta zunehmend unter Druck. Der hochverschuldete Konzern wurde schrittweise zerschlagen, Autobatterien und Haushaltsbatterien wechselten den Eigentümer.

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Was übrig blieb, war ein vergleichsweise kleines Geschäft mit Mikrobatterien. Der österreichische Unternehmer Michael Tojner übernahm diesen Teil des Unternehmens und setzte auf einen langsamen Wiederaufbau. Zunächst wirkte das wenig spektakulär. Doch genau in dieser Nische sollte wenige Jahre später die Grundlage für ein überraschendes Comeback entstehen.

Apple und AirPods: Wie Varta zum Börsenstar wurde

Der Aufstieg begann mit einem Markt, der zunächst unscheinbar wirkte: wiederaufladbare Mikrobatterien für kabellose Kopfhörer, Wearables und portable Elektronik. Mit der CoinPower-Technologie verfügte Varta über eine Lösung, die genau zur wachsenden Nachfrage passte. 2017 kehrte das Unternehmen an die Börse zurück und wurde schnell zu einer der großen Wachstumsgeschichten des deutschen Aktienmarkts.

Besonders wichtig war dabei ein Kunde, dessen Name im Unternehmen lange kaum offiziell genannt wurde: Apple. Mit dem Erfolg der AirPods stieg die Nachfrage nach Vartas Batteriezellen rasant an. Die Produktion in Nördlingen wurde massiv ausgebaut, neue Fertigungslinien entstanden und die Kapazitäten wurden kontinuierlich erhöht. An der Börse wurde aus einem Nischenanbieter innerhalb weniger Jahre ein Milliardenunternehmen.

Apple-Abhängigkeit: Warum das Geschäftsmodell ins Wanken geriet

Der Erfolg hatte allerdings eine Schwäche. Das Wachstum hing stark von einem Produkt, wenigen Kunden und der Annahme ab, dass die Nachfrage dauerhaft hoch bleiben würde. Genau diese Abhängigkeit wurde später zum Problem. Als Apple seine Lieferkette breiter aufstellte, verlor Varta nicht nur Aufträge, sondern auch einen wesentlichen Teil seines bisherigen Wachstumsmodells.

Die Produktion in Nördlingen war auf hohe Stückzahlen ausgelegt. Gleichzeitig blieb eine hohe Kostenbasis bestehen, die nur bei entsprechender Auslastung wirtschaftlich tragfähig war. Als die Nachfrage zurückging, liefen die Kosten weiter. Hinzu kamen Schulden von rund 485 Millionen Euro. Die Nähe zu Apple hatte Varta groß gemacht – und machte das Unternehmen zugleich verwundbar.

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Mit dem Einstieg von Porsche erhielt Varta frisches Kapital und einen wichtigen Industriepartner.

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V4Drive und Porsche: Die zweite große Wette von Varta

Parallel zum Geschäft mit Mikrobatterien setzte Varta auf eine zweite Zukunftstechnologie. Mit der Lithium-Ionen-Rundzelle V4Drive wollte das Unternehmen in den Automotive-Bereich vorstoßen. Die Zelle wurde speziell für Anwendungen entwickelt, bei denen kurzfristig hohe Leistungen benötigt werden. Auch Porsche zeigte Interesse an der Technologie.

Doch in der Batterieindustrie entscheidet nicht allein die technische Qualität eines Produkts. Ebenso wichtig ist die Fähigkeit, große Stückzahlen wirtschaftlich und zuverlässig zu produzieren. Während das bisherige Geschäft schwächer wurde, befand sich die neue Technologie noch im Aufbau. Die Kosten stiegen weiter, die Schulden blieben bestehen und das Unternehmen verlor zunehmend die Balance zwischen altem und neuem Geschäft.

Varta Sanierung: Wie Porsche den Konzern rettete

2024 wurde schließlich deutlich, dass eine grundlegende Sanierung unvermeidbar war. Der Restrukturierungsplan wurde Ende 2024 bestätigt und Anfang 2025 rechtskräftig. Für die bisherigen Aktionäre hatte dies drastische Folgen: Die alten Aktien wurden wertlos.

Im Zuge der Sanierung stiegen Porsche und Mehrheitsgesellschafter Michael Tojner mit frischem Kapital ein. Gleichzeitig wurde der Schuldenberg deutlich reduziert. Aus rund 485 Millionen Euro Verbindlichkeiten wurden nach Schuldenschnitt und Rekapitalisierung etwa 200 Millionen Euro. Mit Abschluss der Transaktion im März 2025 war Varta bilanziell neu aufgestellt, operativ jedoch deutlich kleiner als in den Jahren des Börsenbooms.

Zukunft von Varta: Was nach Apple und Porsche bleibt

Heute konzentriert sich Varta auf deutlich weniger Geschäftsbereiche als noch vor einigen Jahren. Ellwangen bleibt das Zentrum für Forschung, Entwicklung, Logistik und Hochvoltspeicher. In Dischingen werden weiterhin Haushaltsbatterien und Batteriekomponenten produziert. Beide Standorte gelten als vergleichsweise stabil.

Anders sieht die Situation in Nördlingen aus. Dort endet die Produktion der Knopfzellen, rund 350 Arbeitsplätze fallen weg. Der Vertrag mit dem wichtigsten Kundenumfeld läuft Ende 2026 aus. Gleichzeitig wurde das frühere V4Drive-Geschäft in das Gemeinschaftsunternehmen V4Smart mit Porsche eingebracht, an dem Varta nur noch Minderheitsgesellschafter ist. Damit bleibt ein Unternehmen zurück, das neu geordnet wurde, aber deutlich kleiner ist als die frühere Wachstumsstory. Die entscheidende Frage lautet nun, ob Varta nach dem Ende des Apple-Booms und dem Einstieg von Porsche erneut ein tragfähiges Geschäftsmodell aufbauen kann.

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