Reploid : Reploid-CEO: „Decken zunehmend die gesamte Wertschöpfungskette ab"

Pauer Reploid

„Die Industrie sucht nach organischen Alternativen zu Produkten, Werkstoffen und Bauteilen auf fossiler Basis.“ 
Philip Pauer, CEO und Mehrheitseigentümer Reploid

- © Reploid, KI-bearbeitet

INDUSTRIEMAGAZIN GREEN: Wie kommt man auf die Idee, Insektentechnologie zu industrialisieren? 

Philip Pauer: Die Behandlung und Verwertung organischer Abfälle zählt zu den großen globalen Herausforderungen unserer Zeit. Einerseits gehen wertvolle Ressourcen verloren, andererseits verursacht die Abfallbehandlung erhebliche Emissionen. Daher stellte sich die Frage: Wie können wir dieses Problem in den Griff bekommen? Die Natur liefert dafür ein Vorbild: Insekten verwerten organisches Material seit rund 350 Millionen Jahren. 


Reploid: Wie industrielle Kreislaufwirtschaft mit Insekten gelingt


Zu diesem Ansatz lagen bereits wertvolle Forschungsergebnisse vor, und auch erste Unternehmen waren auf diesem Gebiet tätig. Entscheidend war für uns jedoch, daraus ein skalierbares Geschäftsmodell zu entwickeln. 

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Denn nur eine Lösung, die sich auch wirtschaftlich nachhaltig betreiben lässt, kann langfristig Wirkung entfalten. 

Wie haben Sie diesen Ansatz in ein skalierbares Geschäftsmodell übersetzt? 

Pauer: Wir haben ein Anlagenkonzept entwickelt, bei dem Larven der Schwarzen Soldatenfliege organische Reststoffe verwerten. Deshalb haben wir ein Anlagenkonzept entwickelt, bei dem Larven der Schwarzen Soldatenfliege organische Reststoffe verwerten. Dies geschieht im industriellen Maßstab: Eine Standardanlage verarbeitet rund 40 Tonnen pro Tag. Die Anlagen sind modular aufgebaut und hoch automatisiert und lassen sich dadurch gut skalieren. 

Welche weiteren Meilensteine gab es in dem jungen Unternehmen? 

Pauer: Im Juli 2025 machten wir mit dem Listing im direct market plus der Wiener Börse den ersten Schritt auf den Kapitalmarkt. Diese Börsennotierung eröffnet nicht nur den Zugang zu einer potenziellen Finanzierungsquelle, sondern trägt auch dazu bei, die internen Abläufe kontinuierlich zu verbessern und den Professionalisierungsgrad der Gruppe zu erhöhen. Ein weiterer Meilenstein war die feierliche Eröffnung der ersten Kunden-ReFarmUnit in Standardgröße im März dieses Jahres. Damit konnten wir den Proof of Concept erfolgreich erbringen. Für Industriekunden war dieser Nachweis eine wesentliche Voraussetzung für die Entscheidung, eine ReFarmUnit anzuschaffen. 

Insekten verwerten organische Reststoffe seit Millionen von Jahren. Sie machen diesen natürlichen Prozess industriell reproduzierbar – mit lebenden Organismen und zugleich industriellen Qualitätsansprüchen. Wo liegt dabei die Komplexität? 

Pauer: Weder unsere Larven noch die organischen Reststoffe sind homogen. Molke aus der Molkerei unterscheidet sich von Trebern aus einer Brauerei, und selbst ein und dieselbe Quelle liefert nicht jeden Tag Stoffe mit identischen Eigenschaften. Unsere Kundinnen und Kunden brauchen aber genau das: ein Futtermittel oder einen Dünger von gleichbleibender Qualität – und das Tag für Tag. Genau darin liegt die Komplexität. 

Was unterscheidet Reploid und die ReFarmUnits von anderen Unternehmen im internationalen Insektenprotein-Markt? 

Pauer: Ganz grundsätzlich ist festzuhalten, dass das Proteingeschäft nur eines von mehreren Geschäftsfeldern ist. Im Zentrum steht die Verwertung organischer Reststoffe aus der Lebensmittelindustrie. Als Output erhalten wir Insektenlarven und Insektenfraß, den wir zu organischem Dünger weiterverarbeiten. Die Insektenlarven können direkt als Tierfutter eingesetzt werden oder zu hochwertigem Insektenprotein und -fett verarbeitet werden. Auf diese Weise nutzen wir sämtliche Stoffströme. Wir gehen jedoch noch einen Schritt weiter: Durch die vertikale Integration decken wir zunehmend die gesamte Wertschöpfungskette ab – von der Verwertung der Reststoffe bis zu den Produkten im Verkaufsregal. Ein weiterer wesentlicher Unterschied zu unseren Mitbewerbern im Insektenproteinmarkt besteht im dezentralen Ansatz. Unsere ReFarmUnits werden dort errichtet, wo die organischen Reststoffe anfallen. Gegenüber zentralisierten Giga-Fabriken bietet das einige erhebliche Vorteile. Zum Beispiel bestehen die Reststoffe zu einem guten Teil aus Wasser. Es liegt daher auf der Hand, dass ihr Transport über weite Strecken weder wirtschaftlich noch ökologisch sinnvoll ist. 

Angenommen, ein Maschinenbauer würde Ihre Anlage technisch nachbauen: Was würde ihm trotzdem fehlen? 

Pauer: Eine Anlage kann man sicherlich versuchen nachzubauen. Zentrale Applikationen haben wir aber patentieren lassen. Vielmehr als das Wissen um die Anlage zählt jedoch das Wissen dahinter – Prozess-Know-how, biologisches und technisches Know-how. Jede Anlage liefert permanent Daten, die wir KI-unterstützt analysieren, um die Performance weiter zu steigern. Unsere eigene Forschung und Entwicklung entwickelt zudem Futterrezepturen für die Larven, also welche Kombination von Reststoffen zusammen den besten Output liefert. Und wir forschen an der Genetik der Larven, um möglichst leistungsfähige Stämme einzusetzen. 

Jede Reploid-Anlage liefert permanent Daten, die KI-unterstützt analysiert werden, um die Performance weiter zu steigern.

- © Fabian Fallend

Neben Futtermitteln und Dünger rücken industrielle Märkte wie Chemie, biobasierte Kunststoffe oder Biofuels in den Blick. Welche Anwendungen halten Sie für realistisch – und wo setzen Sie auf Industriepartner? 

Pauer: Protein und Fett aus den Larven der Schwarzen Soldatenfliege setzen wir heute vor allem in Futtermitteln ein. Doch die Industrie sucht nach organischen Alternativen zu Produkten, Werkstoffen und Bauteilen auf fossiler Basis. Genau hier sehen wir enormes Potenzial. Deshalb forschen wir gemeinsam mit Industrie- und Forschungspartnern intensiv und praxisnah unter anderem in unserem Global Innovation Center in Leipzig. 

Die kurzen Reproduktionszyklen der Schwarzen Soldatenfliege eröffnen große Möglichkeiten für Forschung und Entwicklung. Welche Rolle spielen dabei KI und Big Data? 

Pauer: Das stimmt, die Schwarze Soldatenfliege bringt pro Jahr zehn Generationen hervor. Damit können in wenigen Jahren Zuchtfortschritte gemacht werden, die bei anderen Nutztieren Jahrzehnte benötigen. Nicht umsonst legt unsere Forschung und Entwicklung einen Schwerpunkt auf die Genetik. Für die Analyse und Auswahl der besten Stämme verwenden wir führende Technologien, natürlich auch Künstliche Intelligenz. 

2025 war für Reploid ein Wachstumsjahr, gleichzeitig stellen Sie organisatorisch und finanziell die nächsten Weichen. Welche Rolle spielen dabei der geplante Wechsel in den prime market, die Wandelanleihe und Finanzierer wie die RBI? 

Pauer: Für unser weiteres Wachstum benötigen wir sowohl Eigen- als auch Fremdkapital. Strategische Bankpartner wie die RBI geben uns dabei wichtigen Rückhalt. Um unsere Expansion zusätzlich zu beschleunigen, wollen wir weiteres Kapital über den Kapitalmarkt aufnehmen. In den kommenden Wochen werden wir daher ausgewählten Anlegern die Möglichkeit bieten, eine Wandelanleihe zu zeichnen. Gleichzeitig arbeiten wir daran, unsere Aktie für Anleger noch attraktiver zu machen. Dazu treiben wir nicht nur unser operatives Wachstum konsequent voran, sondern setzen auch gezielte Maßnahmen am Kapitalmarkt: Geplant sind ein Aktiensplit, der Wechsel vom Auktionshandel in den fortlaufenden Handel und die Aufnahme in den prime market der Wiener Börse. Dieser Schritt umfasst auch die Umstellung der Konzernberichterstattung auf IFRS und die Erfüllung von weiterführenden Governance-Anforderungen.

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