Transport und Verkehr : Neue Logistikstandortstrategie: Österreich setzt auf Fachkräfte, Digitalisierung und Ladeinfrastruktur

Peter Hanke, SPÖ, Bundesminister für Innovation, Mobilität und Infrastruktur, 1030 Wien, 18.12.2025, c: Alexandra Unger

Im Logistics Performance Index der Weltbank erreichte Österreich in der Kategorie Pünktlichkeit den ersten Platz weltweit. Bundesminister Peter Handke will Österreichs Logistik stärken, wo es Potenzial gibt 

- © APA-Images / profil / Alexandra Unger

Bundesminister Peter Hanke hat gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Sozialpartnerschaft und öffentlicher Verwaltung die neue österreichische Logistikstandortstrategie präsentiert. Sie soll einen gemeinsamen strategischen Rahmen für die Weiterentwicklung Österreichs als moderner, nachhaltiger und resilienter Logistikstandort schaffen. Das Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur zieht damit Bilanz über einen kompakten, rund fünfmonatigen Erarbeitungsprozess – und leitet zugleich die nächste Phase ein: die Umsetzung.

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„Logistik wird oft erst dann sichtbar, wenn sie nicht funktioniert. Tatsächlich hält sie Österreich jeden Tag in Bewegung – wirtschaftlich, gesellschaftlich und zunehmend auch sicherheitspolitisch“, sagte Hanke bei der Präsentation. Eine leistungsfähige Logistik sei Voraussetzung dafür, dass Unternehmen produzieren, Geschäfte beliefert werden und die Versorgung der Bevölkerung sichergestellt sei.

Branche mit hoher Standortrelevanz

Die Logistik- und Verkehrswirtschaft gilt als einer der zentralen Hebel für den Wirtschaftsstandort. Direkt erwirtschaftet sie rund 18,7 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung und trägt damit etwa vier Prozent zur gesamtösterreichischen Wirtschaftsleistung bei. Mehr als 233.000 Menschen sind unmittelbar im Transport- und Verkehrssektor beschäftigt, in logistiknahen Bereichen insgesamt mehr als 400.000 Personen. Mehr als 42.000 Unternehmen sind in der Verkehrswirtschaft tätig, davon über 95 Prozent kleine und mittlere Unternehmen.

Damit verbindet die Branche Industrie, Handel sowie Konsumentinnen und Konsumenten. Sie hält Lieferketten am Laufen und sorgt dafür, dass Produkte in der richtigen Qualität und Quantität dort ankommen, wo sie gebraucht werden. Österreich verfüge dabei bereits über eine starke Ausgangsposition. Hanke verwies auf den jüngsten Logistics Performance Index der Weltbank, in dem Österreich in der Kategorie Pünktlichkeit den ersten Platz weltweit erreicht habe.

Franz Staberhofer, Logistikexperte von der FH OÖ, Obmann Verein Netzwerk Logistik und Mitglied der Begleitgruppe und einer Themengruppe: "Basis gelegt, auf der Logistiker gemeinsam mit Wirtschaft und Handel einen echten USP schaffen können"

- © Logistikum OÖ

Logistikstandortstrategie: 100 Maßnahmen für den Standort

Im Zentrum der Strategie stehen drei Entwicklungen, die die Branche derzeit besonders prägen: der zunehmende Fachkräftemangel, die digitale Transformation und der steigende Druck in Richtung resilienter Wertschöpfungsnetzwerke. Entwickelt wurde die Strategie in einem breit angelegten Beteiligungsprozess. Stakeholder aus Wirtschaft, Wissenschaft, Sozialpartnerschaft und Verwaltung wurden eingebunden und brachten mehr als 1.300 Vorschläge ein. Diese wurden gebündelt, verdichtet und in zehn Themenfelder gegliedert – von Ausbildung und Innovation über Digitalisierung bis zu Raumentwicklung und Sicherheit.

„Der Prozess war bewusst kompakt, aber offen angelegt. Entscheidend war, die Perspektiven der Branche direkt in die Strategie einfließen zu lassen“, sagte Hanke. Der Minister sprach von einer „großartigen Arbeit“, die in der Kürze der Zeit - rund 5 Monaten - geleistet worden sei.

Auch aus der Begleitgruppe wurde der Erarbeitungsprozess als branchenübergreifender Schulterschluss beschrieben. Sylvia Völker, Geschäftsführerin von Völker Consulting, 2. Obfrau Stellvertreter und Mitglied des Regionalvorstandes beim VNL sowie Sprecherin der Begleitgruppe und Leiterin der Themengruppe Dialog und Netzwerk, sagte, die Logistiker hätten in diesem Projekt „alle just in time geliefert“. Insgesamt seien rund 50 Meetings durchgeführt worden, der Prozess sei in Konsens erfolgt. Ziel sei es auch gewesen, das Bild der Logistik stärker zu verankern.

Sylvia Völker, Geschäftsführerin von Völker Consulting, 2. Obfrau Stellvertreter und Mitglied des Regionalvorstandes beim VNL sowie Sprecherin der Begleitgruppe und Leiterin der Themengruppe Dialog und Netzwerk: "Die Logistiker haben alle just in time geliefert“. 

- © VNL

Mit Wirtschaft und Handel USP schaffen

Dass Logistik nun in der Form aufgegriffen worden sei, würde laut Franz Staberhofer, Logistikexperte von der FH OÖ, Obmann Verein Netzwerk Logistik und Mitglied der Begleitgruppe und einer Themengruppe, eine Basis dafür legen, auf der Logistiker gemeinsam mit Wirtschaft und Handel einen echten USP schaffen können. Die Strategie soll damit nicht nur einzelne Maßnahmen bündeln, sondern Logistik als Standortthema breiter positionieren.

Franz Schwammenhöfer, Logistikkoordinator im Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur, verwies darauf, dass es bereits früher Arbeiten im Sektor Logistik gegeben habe, etwa den Gesamtverkehrsplan aus dem Jahr 2012. Die nun präsentierte Logistikstandortstrategie sei ohne externe Konsulenten erstellt worden. Eingebunden gewesen seien Sozialpartner und Unternehmen.

Aus den eingebrachten Vorschlägen wurden 100 prioritäre Maßnahmen identifiziert. Dazu zählen unter anderem die Modernisierung logistischer Lehrberufe, bessere Rahmenbedingungen für die verladende Wirtschaft sowie Pilotprojekte für E-Ladeinfrastruktur im Schwerverkehr. Ebenfalls vorgesehen sind eine bundesweite digitale und maschinenlesbare Erfassung von Fahrverboten, ein Arbeitsmarktmonitor samt Fachkräftebedarfsanalyse, der Ausbau sozialer Infrastruktur für Lkw-Fahrerinnen und -Fahrer sowie ein Innovationscluster. Dieser soll in Kooperation mit Fachhochschulen, Universitäten und Unternehmen die Vernetzung von Logistiklaboren ermöglichen.

Als weitere Punkte wurden bei der Präsentation die Neupositionierung der Logistikförderung und digitale Frachtdokumente genannt. Die Förderung soll demnach stärker auf die aktuellen Anforderungen der Branche ausgerichtet werden. Mit digitalen Frachtdokumenten soll ein weiterer Schritt in Richtung effizienterer Abläufe gesetzt werden.

Logistikstandortstrategie: Wann die eigentliche Umsetzung startet

Nach der Präsentation am 12. Juni beginnt die eigentliche Umsetzung. Diese soll schrittweise, kontinuierlich und gemeinsam mit der Branche, den Sozialpartnern, der Verwaltung und Interessensvertretungen erfolgen. Begleitet werden soll der Prozess durch Koordinations- und Monitoringstrukturen. Ziel ist es, Fortschritte nachvollziehbar zu machen und Maßnahmen nicht nur zu planen, sondern in die Praxis zu bringen. Ein Fortschrittsbericht ist ab 2027 vorgesehen.

Offene Fragen bleiben nach Darstellung des Ministeriums Teil des weiteren Prozesses, insbesondere dort, wo unterschiedliche Interessen aufeinandertreffen. Diese sollen nicht ausgeblendet, sondern im Umsetzungsverlauf aktiv aufgegriffen und kooperativ bearbeitet werden, bis ein gemeinsamer Konsens erzielt werden kann. Damit versteht sich die Strategie weniger als Abschlussbericht, sondern als Ausgangspunkt für eine längerfristige Weiterentwicklung des Logistikstandorts Österreich.

Hanke formulierte bei der Präsentation den Anspruch, Österreich solle nicht nur Transitland sein, sondern zu den leistungsfähigsten, nachhaltigsten und innovativsten Logistikstandorten Europas gehören. Die Strategie sei kein Endpunkt, sondern der Beginn eines dauerhaften Umsetzungsprozesses. Gemeinsam mit Wirtschaft, Ländern, Sozialpartnern, Forschung und Bildungseinrichtungen wolle man die Zukunft des Logistikstandorts aktiv gestalten.