Gut gefüllte Auftragsbücher verzeichnete zuletzt der Tiroler LKW-Aufbauhersteller Empl Fahrzeugwerk. Bereits Ende 2024 ging der 500. von Empl aufgebaute Unimog U5000 an den Depotdienst der litauischen Streitkräfte in Kaunas. Große Stückzahlen von verwindungsfreien Containerrahmen nimmt die deutsche Bundeswehr ab. Und bereits 2023 wurde ein Deal mit dem Österreichischen Bundesheer besiegelt, der dem Kaltenbacher Hersteller von maßgeschneiderten LKW-Aufbauten und Anhängern Auslastung bis 2028 beschert: Die Tiroler wurden mit mehr als 800 Wechselaufbauten und über 850 Lkw-Ausrüstungen zur Aufnahme der Aufbauten sowie weiteren Umbauten beauftragt.
Heuer strebt Empl 200 Millionen Euro Umsatz an, zuletzt wurden über zehn Millionen Euro in die Erweiterung der Produktion investiert.
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"Die Masse der Regierungs-Aufträge im Bereich Sicherheit und Verteidigung wird derzeit in Zentraleuropa vergeben", sagt der geschäftsführende Gesellschafter Joe Empl. Der Forecast des Unternehmens sei zufriedenstellend: „Wenn sich die Amerikaner außenpolitisch aus Europa zurückziehen und die EU aufrüsten müsse, seien für den Tiroler Betrieb auch in der Zukunft Möglichkeiten vorhanden, Aufträge zu lukrieren", sagt Empl.
Die wirtschaftlichen Bedingungen in Europa seien infolge des fortwährenden Krieges in der Ukraine jedoch schlecht: Zum humanen Leid kommt eine Reihe an negativen Begleiterscheinungen wie Lieferkettenprobleme und Kostensteigerungen, die bei Lohnfertigern, die von der kriselnden Automotive-Industrie nicht mehr länger mit lukrativen Aufträgen versorgt werden, voll durchschlagen. "Wir spüren, dass händeringend nach neuen Betätigungsfeldern auch innerhalb des Bereichs Defence gesucht wird", sagt Empl. Und tatsächlich ergeben sich unter anderem auch Chancen für Metallbearbeiter, Schweißer und Lackierer. Denn: wurden schon bisher bei Auftragsspitzen kleinere Schlossereibetriebe eingebunden, könnte ein höheres Maß an Outsourcing für Empl in den nächsten Jahren zum neuen Normal werden.
"Werden größere Stückzahlen abgerufen, erhöhen wir - regional und österreichweit - den Auslagerungsgrad", sagt Empl. Das liegt auch daran, dass der Fahrzeugtechnikhersteller in den eigenen Hallen gar nicht so gern voll auf Anschlag produziert. "Einem langjährigen Kunden zu sagen, ich bin für drei Jahre voll, geht in der Branche einfach nicht", sagt Empl. Es gilt daher, für kurzfristige Aufträge entsprechende Reserven vorzuhalten.