ZF Friedrichshafen Restrukturierung : ZF Friedrichshafen unter Druck: Überraschende Kehrtwende bei Elektro-Projekten

Jubiläum vor Ort, Erfolg auf der ganzen Welt: ZF feiert 500.000 produzierte Einheiten des Getriebesystems TraXon im Hauptwerk Friedrichshafen. // ZF is celebrating the global success of its TraXon transmission system as production passes the half-million mark in Friedrichshafen, Germany.

Produktion bei ZF Friedrichshafen 

- © ZF Friedrichshafen AG

Der Autozulieferer ZF Friedrichshafen befindet sich inmitten eines tiefgreifenden Umstrukturierungsprozesses. Angesichts der schwächelnden Nachfrage nach Elektrofahrzeugen hat das Unternehmen mehrere Projekte vorzeitig beendet. „ZF habe sich mit verschiedenen Kunden darauf geeinigt, mehrere Projekte vorzeitig zu beenden, die aufgrund des langsameren Hochlaufs der E-Mobilität nicht die erwartete Profitabilität erreichen“, erklärte das Unternehmen. Die Folge ist eine erhebliche Einmalbelastung: Für das Geschäftsjahr 2025 rechnet ZF mit einem buchhalterischen Verlust von bis zu 1,7 Milliarden Euro.

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Diese Entscheidung ist Teil eines umfassenden Sparprogramms, in dessen Rahmen bis 2028 rund 14.000 Stellen abgebaut werden sollen. Auch externe Faktoren wie steigende Kosten, chinesische Konkurrenz, US-Zölle sowie eine insgesamt rückläufige internationale Nachfrage setzen die deutsche Automobilindustrie zunehmend unter Druck.

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Starker Cashflow trotz Milliardenlast: ZF überrascht mit positiver Bilanz

Trotz der Belastungen gibt es auch positive Signale: Der seit dem 1. Oktober 2025 amtierende Vorstandsvorsitzende Mathias Miedreich meldete jüngst überraschend starke operative Zahlen. Auf Basis vorläufiger Ergebnisse für 2025 konnte ZF seinen freien Cashflow deutlich steigern – auf über eine Milliarde Euro. Ursprünglich war man von lediglich 500 Millionen Euro ausgegangen. „Das werde zu einer leichten Verbesserung der Nettoverschuldung im Vergleich zum Vorjahr führen“, so das Unternehmen.

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Doch die Herausforderungen bleiben gewaltig. Ende September 2025 lag die Nettoverschuldung bei 10,6 Milliarden Euro. Allein die Zinslast liegt bei 600 bis 700 Millionen Euro jährlich. Neue Anleihen mussten mit hohen Zinssätzen – 7,0 bis 7,5 Prozent – aufgenommen werden. Miedreich hatte die Lage offen beschrieben: „Bei den Schulden, da geht nicht mehr.“ Um gegenzusteuern, fokussiert sich der neue CEO laut eigener Aussage auf „den Cashflow, den Cashflow und den Cashflow.“

Mathias Miedreich, seit Oktober 2025 Vorstandsvorsitzender bei ZF

- © ZF Friedrichshafen AG

Verkauf, Verlagerung, Stellenabbau: ZF greift zu harten Maßnahmen gegen Schuldenkrise

Dazu gehören auch strategische Maßnahmen wie der Verkauf von Unternehmensanteilen. Kurz vor Weihnachten wurde die ADAS-Sparte an Harman verkauft. Weitere Schritte wie ein Börsengang oder Verkauf der Airbag-Sparte Lifetec sind in Planung – alles mit dem Ziel, die Verschuldung unter die Marke von zehn Milliarden Euro zu drücken.

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Ein weiteres heikles Thema bleibt der Umgang mit der Antriebssparte. Während Vorgänger Holger Klein hier noch tief im Streit mit den Betriebsräten stand, konnte Miedreich rasch eine Einigung erzielen: Die Sparte bleibt bei ZF – jedoch verbunden mit einem umfangreichen Stellenabbau. Zusätzlich werden derzeit Alternativen geprüft, etwa der Fremdbezug von E-Motoren oder die Verlagerung von Produktionskapazitäten ins Ausland. Auch das dürfte in Zukunft weitere Arbeitsplätze kosten.

Radikalkurs mit Fingerspitzengefühl: Miedreich stabilisiert ZF intern

Miedreich scheint bei all diesen schwierigen Entscheidungen dennoch einen Draht zur Belegschaft zu finden. Im Umfeld der bevorstehenden Betriebsratswahlen werden zumindest vorläufig keine weiteren negativen Nachrichten für die Beschäftigten erwartet – „das munkelt man zumindest.“ ZF will seine endgültigen Geschäftszahlen am 19. März vorlegen. Klar ist jedoch schon jetzt: Der neue CEO verfolgt einen radikalen Kurs, der dem Unternehmen die nötige Handlungsfreiheit zurückgeben soll – auch auf Kosten schmerzhafter Einschnitte.