Verbrenner-Aus 2035 : Verbrenner-Aus 2035: Der brisante Auto-Deal zwischen Merz und Macron

Ein Mechaniker arbeitet an einem Verbrennungsmotor. Der Verbrenner ist ab 2035 bei Pkw nicht mehr erlaubt.

Verbrenner-Aus 2035: Friedrich Merz und Emmanuel Macron verhandeln über neue EU-Regeln für Benziner, Diesel und die europäische Autoindustrie. Im Mittelpunkt steht ein möglicher Deal zwischen lockereren CO₂-Vorgaben und stärkerem Schutz für Europas Hersteller.

- © Florentino - stock.adobe.com

In der europäischen Autopolitik zeichnet sich eine Annäherung zwischen Deutschland und Frankreich ab. Nach monatelangen Auseinandersetzungen über die Zukunft des Verbrennungsmotors und die Förderung europäischer Industrieprodukte arbeiten beide Regierungen an einer gemeinsamen Position. Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung könnte eine Vereinbarung noch vor dem nächsten EU-Gipfel vorgestellt werden. Auch die Financial Times berichtet am 13. Oktober unter Berufung auf Frankreichs Präsident Emmanuel Macron von einer bevorstehenden Einigung.

Im Mittelpunkt steht ein politischer Interessenausgleich. Deutschland möchte die europäischen CO₂-Vorgaben für Neuwagen stärker lockern, während Frankreich auf verbindliche Regeln zur Bevorzugung europäischer Produkte drängt. Ein gemeinsames Abkommen könnte die bislang festgefahrenen Verhandlungen auf EU-Ebene wieder in Bewegung bringen.

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Verbrenner-Aus ab 2035: Welche neuen EU-Regeln für Benziner, Diesel und Hybridautos kommen könnten

Ausgangspunkt ist das von der Europäischen Kommission am 16. Dezember 2025 präsentierte Reformpaket für die Automobilindustrie. Demnach sollen die CO₂-Emissionen neuer Pkw ab 2035 nicht mehr um 100 Prozent, sondern um 90 Prozent gegenüber dem Referenzjahr 2021 sinken müssen.

Die verbleibenden Emissionen sollen durch den Einsatz von CO₂-armem Stahl aus europäischer Produktion sowie durch erneuerbare Kraftstoffe ausgeglichen werden. Damit könnten künftig auch Plug-in-Hybride und Fahrzeuge mit klassischen Verbrennungsmotoren weiterhin neu zugelassen werden.

Berlin hält diese Lockerung allerdings für unzureichend und fordert zusätzliche Flexibilität für die Hersteller. Im Europäischen Parlament reichen die diskutierten Vorschläge sogar bis zu einer deutlichen Absenkung der Reduktionsziele.

Besonders umstritten ist außerdem, wie die Einhaltung der Flottengrenzwerte berechnet werden soll. Mehrjährige Durchschnittswerte könnten Herstellern ermöglichen, schwächere Verkaufsjahre bei Elektroautos auszugleichen und finanzielle Sanktionen zu vermeiden. Der Kommissionsvorschlag sieht bereits eine solche Flexibilität für den Zeitraum von 2030 bis 2032 vor.

Bundeskanzler Friedrich Merz (mitte) drängt auf mehr Spielraum beim Verbrenner-Aus ab 2035. In Brüssel wird nun über neue CO₂-Regeln, E-Mobilität und Europas Wettbewerbsfähigkeit verhandelt.

- © Volkswagen

China setzt Europas Autoindustrie unter Druck: Warum Macron strengere Made-in-Europe-Regeln fordert

Im Gegenzug für Zugeständnisse beim Verbrennungsmotor erwartet Paris Unterstützung für den sogenannten Industrial Accelerator Act (IAA). Die Kommission legte diesen Gesetzentwurf am 4. März 2026 vor.

Das Vorhaben soll die Nachfrage nach klimafreundlichen Industrieprodukten aus Europa erhöhen. Vorgesehen sind entsprechende Herkunfts- und Nachhaltigkeitsanforderungen bei ausgewählten öffentlichen Ausschreibungen und Förderprogrammen. Betroffen wären unter anderem die Automobilindustrie sowie die Stahl-, Zement- und Aluminiumproduktion.

Frankreich sieht darin ein wichtiges Instrument, um europäische Arbeitsplätze und Produktionsstandorte gegen internationale Konkurrenz abzusichern. Insbesondere chinesische Hersteller setzen die europäische Autoindustrie zunehmend unter Druck.

Deutschland verfolgt dagegen bisher einen offeneren Ansatz. Unter dem Schlagwort „Made with EU“ setzt Berlin darauf, auch wichtige Handelspartner einzubeziehen. Dahinter steht die Sorge, zu strenge Herkunftsvorschriften könnten internationale Lieferketten belasten und Handelskonflikte auslösen.

Volkswagen, E-Autos und Batterien: Warum Europas Autobauer im Wettbewerb mit China unter Druck stehen

Wie groß der Handlungsdruck ist, zeigt ein Appell von Volkswagen-Chef Oliver Blume. Dieser forderte nach Angaben der Financial Times eine engere deutsch-französische Zusammenarbeit, um Europas Wettbewerbsfähigkeit gegenüber chinesischen Herstellern zu stärken. Besonders der wachsende Wettbewerb bei elektrifizierten Fahrzeugen und die hohen Kosten des industriellen Umbaus stellen europäische Unternehmen vor erhebliche Herausforderungen.

Die Kommission versucht deshalb, Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit miteinander zu verbinden. Neben den überarbeiteten Emissionszielen sieht ihr Automobilpaket auch eine Förderung der europäischen Batterieindustrie im Umfang von 1,8 Milliarden Euro sowie Erleichterungen für kleine, erschwingliche Elektroautos vor.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron setzt beim Verbrenner-Aus ab 2035 auf einen industriepolitischen Deal: mehr Spielraum für Autos mit Verbrennungsmotor, dafür stärkere Regeln zum Schutz europäischer Hersteller.

- © AFP

Verbrenner-Aus 2035 noch offen: Was sich für Autofahrer und Autohersteller ändern könnte

Selbst eine politische Verständigung zwischen Merz und Macron würde die beiden Gesetzgebungsverfahren nicht unmittelbar abschließen. Sowohl die EU-Mitgliedstaaten als auch das Europäische Parlament müssten den entsprechenden Regelungen zustimmen. Offen bleibt insbesondere, wie weit Deutschland bei europäischen Herkunftsvorgaben entgegenkommen würde und welche konkreten Erleichterungen Frankreich im Gegenzug beim Verbrennungsmotor akzeptiert.

Für die europäische Automobilindustrie steht dabei weit mehr als eine technische Anpassung von Grenzwerten auf dem Spiel. Die Verhandlungen entscheiden mit darüber, wie Europa künftig Klimaschutz, industrielle Wettbewerbsfähigkeit und internationale Handelsbeziehungen miteinander vereinbaren will.

EU-Auto-Deal 2026: Hersteller erhöhen Druck auf Brüssel

Während Deutschland und Frankreich über eine Lockerung der CO₂-Vorgaben verhandeln, wächst der Druck aus der europäischen Automobilindustrie. Am 14. Oktober 2026 forderte der europäische Herstellerverband ACEA rasche Fortschritte beim geplanten EU-Automobilpaket. Die Verhandlungen sollen nach dem Willen der Hersteller so weit vorangetrieben werden, dass Anfang 2027 eine Einigung möglich wird.

Mercedes-Chef und ACEA-Präsident Ola Källenius sieht Europa vor einer dreifachen Herausforderung: Die Automobilindustrie muss ihre CO₂-Emissionen reduzieren, ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit stärken und zugleich Arbeitsplätze sichern.

Zusätzliche Brisanz erhält die Debatte durch den Streit um europäische Herkunftsvorschriften. Källenius warnte davor, wichtige Handelspartner wie Großbritannien von den geplanten „Made in Europe“-Regeln auszuschließen. Denn zahlreiche europäische Hersteller sind auf grenzüberschreitende Lieferketten angewiesen.

Parallel dazu passen sich chinesische Autobauer bereits an mögliche neue EU-Vorgaben an und bauen ihre europäischen Produktionskapazitäten aus. Damit verschärft sich eine zentrale Frage des geplanten Industriepakets: Kann Europa seine Automobilproduktion schützen, ohne gleichzeitig die Kosten für Hersteller und Verbraucher weiter zu erhöhen?

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