Verbrenner-Aus 2035 : Verbrenner-Aus wackelt: Merz und Macron verhandeln Europas neuen Auto-Deal

Ein Mechaniker arbeitet an einem Verbrennungsmotor. Der Verbrenner ist ab 2035 bei Pkw nicht mehr erlaubt.

Das Verbrenner-Aus ab 2035 wackelt: Berlin und Paris verhandeln über neue Spielräume für die Autoindustrie – und über die Frage, wie stark Europa seine eigenen Hersteller schützen will.

- © Florentino - stock.adobe.com

In der europäischen Autopolitik zeichnet sich eine Annäherung zwischen Deutschland und Frankreich ab. Nach monatelangen Auseinandersetzungen über die Zukunft des Verbrennungsmotors und die Förderung europäischer Industrieprodukte arbeiten beide Regierungen an einer gemeinsamen Position. Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung könnte eine Vereinbarung noch vor dem nächsten EU-Gipfel vorgestellt werden. Auch die Financial Times berichtet am 13. Oktober unter Berufung auf Frankreichs Präsident Emmanuel Macron von einer bevorstehenden Einigung.

Im Mittelpunkt steht ein politischer Interessenausgleich. Deutschland möchte die europäischen CO₂-Vorgaben für Neuwagen stärker lockern, während Frankreich auf verbindliche Regeln zur Bevorzugung europäischer Produkte drängt. Ein gemeinsames Abkommen könnte die bislang festgefahrenen Verhandlungen auf EU-Ebene wieder in Bewegung bringen.

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Verbrenner-Aus ab 2035: Welche Ausnahmen für Benziner, Diesel und Plug-in-Hybride kommen könnten

Ausgangspunkt ist das von der Europäischen Kommission am 16. Dezember 2025 präsentierte Reformpaket für die Automobilindustrie. Demnach sollen die CO₂-Emissionen neuer Pkw ab 2035 nicht mehr um 100 Prozent, sondern um 90 Prozent gegenüber dem Referenzjahr 2021 sinken müssen.

Die verbleibenden Emissionen sollen durch den Einsatz von CO₂-armem Stahl aus europäischer Produktion sowie durch erneuerbare Kraftstoffe ausgeglichen werden. Damit könnten künftig auch Plug-in-Hybride und Fahrzeuge mit klassischen Verbrennungsmotoren weiterhin neu zugelassen werden.

Berlin hält diese Lockerung allerdings für unzureichend und fordert zusätzliche Flexibilität für die Hersteller. Im Europäischen Parlament reichen die diskutierten Vorschläge sogar bis zu einer deutlichen Absenkung der Reduktionsziele.

Besonders umstritten ist außerdem, wie die Einhaltung der Flottengrenzwerte berechnet werden soll. Mehrjährige Durchschnittswerte könnten Herstellern ermöglichen, schwächere Verkaufsjahre bei Elektroautos auszugleichen und finanzielle Sanktionen zu vermeiden. Der Kommissionsvorschlag sieht bereits eine solche Flexibilität für den Zeitraum von 2030 bis 2032 vor.

Bundeskanzler Friedrich Merz (mitte) drängt auf mehr Spielraum beim Verbrenner-Aus ab 2035. In Brüssel wird nun über neue CO₂-Regeln, E-Mobilität und Europas Wettbewerbsfähigkeit verhandelt.

- © Volkswagen

Autoindustrie unter China-Druck: Warum Frankreich Europas Hersteller stärker schützen will

Im Gegenzug für Zugeständnisse beim Verbrennungsmotor erwartet Paris Unterstützung für den sogenannten Industrial Accelerator Act (IAA). Die Kommission legte diesen Gesetzentwurf am 4. März 2026 vor.

Das Vorhaben soll die Nachfrage nach klimafreundlichen Industrieprodukten aus Europa erhöhen. Vorgesehen sind entsprechende Herkunfts- und Nachhaltigkeitsanforderungen bei ausgewählten öffentlichen Ausschreibungen und Förderprogrammen. Betroffen wären unter anderem die Automobilindustrie sowie die Stahl-, Zement- und Aluminiumproduktion.

Frankreich sieht darin ein wichtiges Instrument, um europäische Arbeitsplätze und Produktionsstandorte gegen internationale Konkurrenz abzusichern. Insbesondere chinesische Hersteller setzen die europäische Autoindustrie zunehmend unter Druck.

Deutschland verfolgt dagegen bisher einen offeneren Ansatz. Unter dem Schlagwort „Made with EU“ setzt Berlin darauf, auch wichtige Handelspartner einzubeziehen. Dahinter steht die Sorge, zu strenge Herkunftsvorschriften könnten internationale Lieferketten belasten und Handelskonflikte auslösen.

Volkswagen, E-Autos und Batterien: Warum Europas Autoindustrie rasche Entscheidungen braucht

Wie groß der Handlungsdruck ist, zeigt ein Appell von Volkswagen-Chef Oliver Blume. Dieser forderte nach Angaben der Financial Times eine engere deutsch-französische Zusammenarbeit, um Europas Wettbewerbsfähigkeit gegenüber chinesischen Herstellern zu stärken. Besonders der wachsende Wettbewerb bei elektrifizierten Fahrzeugen und die hohen Kosten des industriellen Umbaus stellen europäische Unternehmen vor erhebliche Herausforderungen.

Die Kommission versucht deshalb, Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit miteinander zu verbinden. Neben den überarbeiteten Emissionszielen sieht ihr Automobilpaket auch eine Förderung der europäischen Batterieindustrie im Umfang von 1,8 Milliarden Euro sowie Erleichterungen für kleine, erschwingliche Elektroautos vor.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron setzt beim Verbrenner-Aus ab 2035 auf einen industriepolitischen Deal: mehr Spielraum für Autos mit Verbrennungsmotor, dafür stärkere Regeln zum Schutz europäischer Hersteller.

- © AFP

Verbrenner-Aus noch nicht entschieden: Was der EU-Deal für Autofahrer und Hersteller bedeutet

Selbst eine politische Verständigung zwischen Merz und Macron würde die beiden Gesetzgebungsverfahren nicht unmittelbar abschließen. Sowohl die EU-Mitgliedstaaten als auch das Europäische Parlament müssten den entsprechenden Regelungen zustimmen. Offen bleibt insbesondere, wie weit Deutschland bei europäischen Herkunftsvorgaben entgegenkommen würde und welche konkreten Erleichterungen Frankreich im Gegenzug beim Verbrennungsmotor akzeptiert.

Für die europäische Automobilindustrie steht dabei weit mehr als eine technische Anpassung von Grenzwerten auf dem Spiel. Die Verhandlungen entscheiden mit darüber, wie Europa künftig Klimaschutz, industrielle Wettbewerbsfähigkeit und internationale Handelsbeziehungen miteinander vereinbaren will.

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