Stellantis Italien Produktion : Stellantis: Der kleine Wagen, der Mirafiori aus der Kurzarbeit holen soll
Im traditionsreichen Stellantis-Werk Mirafiori in Turin soll ein neues Kleinwagenprojekt für mehr Auslastung sorgen. Nach Kurzarbeit und Produktionspausen hängt viel davon ab, ob der Konzern das Modell tatsächlich in Serie bringt.
- © alessandro altavillaFür die Beschäftigten des traditionsreichen Stellantis-Werks Mirafiori gibt es neue Hoffnung. Auf dem Pariser Autosalon am 12. Oktober 2026 bestätigte Arnaud Belloni, Chef der Konzernmarken Fiat, Lancia und Abarth, dass an einem zusätzlichen Fahrzeugmodell für den italienischen Produktionsstandort gearbeitet wird. Der geplante Kleinwagen soll sich durch kompakte Abmessungen, hohe Wirtschaftlichkeit und ein modernes Fahrzeugkonzept auszeichnen. Eine Serienproduktion ist allerdings noch nicht endgültig beschlossen.
Mirafiori steht seit Jahren unter wirtschaftlichem Druck. Besonders die schwankende Nachfrage nach dem vollelektrischen Fiat 500 sorgte für Produktionsunterbrechungen und Kurzarbeit. Mit dem neuen Fiat 500 Hybrid wollte Stellantis die Auslastung des Standorts deutlich verbessern.
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Fiat 500 Hybrid reicht nicht: Warum Stellantis in Mirafiori nachlegen muss
Die Serienfertigung des Hybridmodells begann im November 2025. Ursprünglich stellte der Konzern bei voller Kapazitätsauslastung eine zusätzliche Jahresproduktion von rund 100.000 Fahrzeugen in Aussicht. Für das Jahr 2025 waren zunächst etwa 5.000 Fahrzeuge vorgesehen. Später erhöhte Stellantis das Ziel auf mehr als 6.000 Einheiten. Außerdem kündigte das Unternehmen eine zweite Produktionsschicht und rund 400 Neueinstellungen für März 2026 an.
Dennoch bleibt die langfristige Auslastung des Werks eine zentrale Herausforderung. Ein zweites Modell könnte die Abhängigkeit von der Fiat-500-Baureihe verringern und zusätzliche Beschäftigung sichern.
Stellantis und der neue 2CV: Was hinter dem Mini-Auto für Mirafiori steckt
Belloni beschrieb das geplante Fahrzeug auf dem Pariser Autosalon als besonders klein und äußerst wettbewerbsfähig. Als konzeptionelles Vorbild nannte er den legendären Citroën 2CV. Dabei gehe es allerdings nicht darum, dessen historische Gestaltung wieder aufzugreifen. Vielmehr stehe ein moderner Ansatz im Mittelpunkt, bei dem erschwingliche Mobilität und praktische Alltagstauglichkeit entscheidend seien.
Der Manager deutete außerdem an, dass die Entwicklungsarbeiten bereits intensiv vorangetrieben würden. Das neue Fahrzeug könne früher erscheinen, als viele Beobachter erwarteten. Einen konkreten Termin nannte er jedoch nicht.
Offen bleiben ebenso die technische Plattform, die Antriebsart und der endgültige Markenname. Damit ist auch noch nicht geklärt, ob das Fahrzeug ausschließlich elektrisch angeboten werden oder zusätzliche Antriebsvarianten erhalten könnte.
Mirafiori trotz Produktionsplus unter Druck: Stellantis kämpft mit Kurzarbeit
Wie dringend Mirafiori zusätzliche Modelle benötigt, zeigen aktuelle Gewerkschaftszahlen. Nach Angaben der FIM-CISL wurden in den ersten neun Monaten 2026 insgesamt 46.323 Fahrzeuge produziert. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht das einem Anstieg von 151,1 Prozent. Trotzdem dürfte das Werk das ursprünglich angestrebte Produktionsziel deutlich verfehlen.
Die Gewerkschaft rechnet für das Gesamtjahr mit ungefähr 60.000 Fahrzeugen. Materialengpässe und Produktionsunterbrechungen belasten weiterhin den Betrieb. Für Oktober wurden erneut zwei Wochen Kurzarbeit angekündigt.
Neuer Kleinwagen für Mirafiori: Warum Stellantis die Entscheidung noch offenlässt
Besonders interessant ist die Frage, unter welcher Marke der Kleinwagen erscheinen könnte. Da Belloni sowohl Fiat als auch Lancia verantwortet, gilt ein Modell für beide Marken grundsätzlich als denkbar. Spekulationen über eine Neuinterpretation des früheren Lancia Y10 sind bislang jedoch nicht durch offizielle Ankündigungen gedeckt.
Auch Konzernchef Antonio Filosa bremste unmittelbar nach Bellonis Aussagen die Erwartungen. Eine zusätzliche Produktion in Mirafiori setze zunächst wettbewerbsfähigere Rahmenbedingungen voraus. Dabei verwies er insbesondere auf die hohen Energie- und Logistikkosten in Italien.
Die Ankündigung ist deshalb vorerst eine Entwicklungsperspektive und keine verbindliche Investitionsentscheidung. Für die Beschäftigten bleibt entscheidend, ob Stellantis das Projekt tatsächlich zur Serienreife bringt und langfristig ausreichende Produktionsvolumina sichert. Erst dann könnte der geplante Kleinwagen einen nachhaltigen Beitrag zur Zukunft des traditionsreichen Turiner Werks leisten.