BYD Mercedes Taxi : BYD greift nach dem Taxistand: Mercedes’ Rückzug verändert einen ganzen Markt

BYD und Mercedes als Taxi

Mercedes war jahrzehntelang das Symbol am Taxistand. Der Rückzug der Stuttgarter könnte nun chinesischen Elektroauto-Herstellern wie BYD neue Chancen eröffnen.

- © Industriemagazin (KI-generiert)

Über Jahrzehnte gehörten Mercedes-Benz und das Taxigewerbe zusammen wie Taxameter und Dachzeichen. Modelle wie der Ponton, der „Strich-Achter“, der W123 und später die C- und E-Klasse prägten das Straßenbild deutscher Städte. Die meist in Hellelfenbein lackierten Limousinen galten als robust, komfortabel und für hohe Laufleistungen geeignet. Doch diese Verbindung ist längst nicht mehr so selbstverständlich wie früher. Während Mercedes seine werkseitigen Taxiangebote weitgehend zurückgefahren hat, baut der chinesische Hersteller BYD sein Engagement in der professionellen Personenbeförderung gezielt aus.

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Mercedes-Taxi-Zulassungen brechen ein: Die Zahlen hinter dem Rückzug

Der Einbruch des Mercedes-Anteils im Taxigeschäft lässt sich an den Zulassungszahlen ablesen. In den ersten acht Monaten des Jahres 2024 wurden in Deutschland laut Daten des Marktforschungsunternehmens Dataforce nur noch 497 Mercedes-Fahrzeuge als Taxi zugelassen. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum waren es noch 1.730 Fahrzeuge gewesen. Besonders auffällig war die Entwicklung bei der E-Klasse: Von Januar bis August 2024 kamen lediglich 127 neue E-Klasse-Taxis hinzu. Bei der B-Klasse wurde im selben Zeitraum nur eine einzige Taxizulassung registriert.

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Mercedes begründete den Verzicht auf eine eigene, werkseitige Taxilösung mit zu geringen Stückzahlen und Umrüstungsquoten. Diese seien nicht ausreichend, um eine wirtschaftlich tragfähige Werkslösung anzubieten. Zusätzlich wurde ein Mercedes-Manager mit der Aussage zitiert, Taxis passten „nicht zu unserem Luxusanspruch“. Der Rückzug fiel damit in eine Phase, in der der Konzern seine Modell- und Markenstrategie stärker auf margenreiche Fahrzeuge und das obere Marktsegment ausrichtete.

Mercedes setzt auf Luxus: Warum Taxis nicht mehr zur Strategie passen

Vollständig verschwunden ist Mercedes aus dem Gewerbe allerdings nicht. Der Spezialist INTAX bietet weiterhin Taxi-Pakete für mehrere Modelle an. Dazu gehören die aktuelle E-Klasse als Limousine und T-Modell, der Citan beziehungsweise die T-Klasse und der EQT, der Vito und eVito, die V-Klasse und der EQV sowie der Sprinter. Es handelt sich jedoch um nachträgliche Umrüstungen durch einen externen Spezialbetrieb und nicht um klassische Taxi-Sondermodelle, die direkt vom Mercedes-Werk entwickelt und ausgeliefert werden.

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Auch die Mercedes-Strategie ist inzwischen differenzierter als noch zu Beginn der Luxusoffensive. Das Unternehmen hält zwar am Ausbau besonders hochpreisiger Modelle fest, investiert gleichzeitig aber wieder stärker in die Kern- und Einstiegsklassen. Die 2025 angekündigte Produktoffensive umfasst unter anderem den CLA, neue elektrische Modelle im Kernsegment und langfristig auch eine vollelektrische E-Klasse. Ein systematisches Comeback im klassischen Taxigeschäft hat Mercedes bislang jedoch nicht angekündigt.

BYD setzt beim Einstieg ins deutsche Taxigeschäft unter anderem auf INTAX: Der Umrüster macht Modelle wie den Seal 6 DM-i Touring fit für Taxi- und Mietwagenflotten.

- © INTAX

BYD Taxi Deutschland: Der chinesische Elektroauto-Riese greift an

In die entstandene Lücke stößt nun BYD. Der chinesische Hersteller arbeitet für seine neue Taxi- und Mietwagenoffensive mit vier spezialisierten Unternehmen zusammen: DIE Transform aus der Lang Gruppe in Nümbrecht, INTAX in Oldenburg, Heedfeld in Berlin und Reuss in Hamburg. Durch die regionale Verteilung der Partner sollen Bestellungen, Umbauten und Auslieferungen in verschiedenen Teilen Deutschlands abgewickelt werden können.

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Gemeinsam mit DIE Transform hält BYD nach eigenen Angaben rund 100 bereits vorbereitete Fahrzeuge auf Lager. Damit sollen Taxi- und Mietwagenunternehmen ihre Flotten kurzfristig erweitern können, ohne mehrere Monate auf die Umrüstung warten zu müssen. Für das Gewerbe ist diese Verfügbarkeit ein wichtiges Argument: Fahrzeuge im Taxibetrieb erreichen hohe Laufleistungen, weshalb Ersatzbeschaffungen oder Flottenerweiterungen häufig kurzfristig erforderlich sind.

BYD Seal 6 DM-i Touring: Das neue Taxi-Angebot aus China

Im Mittelpunkt des Angebots steht zunächst der BYD Seal 6 DM-i Touring. Der 4,84 Meter lange Plug-in-Hybrid-Kombi kombiniert einen elektrischen Antrieb mit einem 1,5-Liter-Benzinmotor. Je nach Ausstattungs- und Batterievariante sind laut Hersteller bis zu 100 Kilometer rein elektrische Reichweite möglich. Die kombinierte WLTP-Reichweite wird mit bis zu 1.350 Kilometern angegeben. Das Kofferraumvolumen liegt nach BYD-Angaben bei bis zu 675 Litern und lässt sich durch Umlegen der Rücksitze auf maximal 1.535 Liter erweitern.

Für Taxiunternehmen kann diese Kombination interessant sein. Ein Teil der täglichen Fahrten lässt sich bei regelmäßig geladenem Akku elektrisch absolvieren. Gleichzeitig verhindert der Benzinmotor, dass längere Flughafen-, Überland- oder Krankenfahrten wegen eines leeren Akkus unterbrochen werden müssen. Ob der Plug-in-Hybrid tatsächlich günstiger als ein Diesel oder ein reines Elektroauto betrieben werden kann, hängt jedoch vom Einsatzprofil, dem Anteil elektrischer Fahrten, den Strom- und Kraftstoffpreisen sowie den verfügbaren Lademöglichkeiten ab.

Mercedes zieht sich vom Taxistand zurück, BYD fährt vor: Der chinesische Hersteller will mit taxi-tauglichen Modellen im deutschen Markt sichtbarer werden.

- © BYD

BYD Gewerberabatt: Der Preisangriff auf den deutschen Taximarkt

Die von INTAX angebotene Umrüstung des Seal 6 DM-i Touring umfasst unter anderem die Vorbereitung beziehungsweise den Einbau von Taxameter oder Wegstreckenzähler, eine Funk-Vorrüstung, die Anbindung des Dachzeichens, eine Taxi-Notalarmanlage und eine zentrale Innenlichtschaltung. Auf Wunsch erhält das Fahrzeug außerdem eine rückrüstbare Folierung in Hellelfenbein. Die Rückrüstbarkeit kann für Taxiunternehmen beim späteren Weiterverkauf des Autos von Bedeutung sein.

Der reguläre deutsche Listenpreis des Seal 6 DM-i Touring beginnt bei 42.990 Euro brutto. Die höher ausgestattete Comfort-Version wird mit 49.990 Euro angeboten. Das Branchenportal „Taxi Times“ berichtete Anfang Juli 2026 zudem über einen zeitlich beziehungsweise konditionell begrenzten Gewerberabatt. Demnach konnten Taxiunternehmen die Comfort-Ausführung mit einem Rabatt von 37 Prozent für rund 27.000 Euro netto erwerben; das Taxipaket ohne Folierung war in diesem Angebot bereits enthalten. Konkrete Leasingbedingungen wurden im Zusammenhang mit der neuen Offensive bislang nicht allgemein veröffentlicht.

BYD will sich nicht dauerhaft auf den Plug-in-Hybrid beschränken. Das Taxiangebot soll in Kürze um den vollelektrischen Atto 3 Evo und den ebenfalls rein elektrischen Sealion 7 erweitert werden. Damit könnten Unternehmen künftig zwischen einem Plug-in-Hybrid für gemischte Langstreckenprofile und batterieelektrischen Fahrzeugen für planbare Stadt- und Regionalverkehre wählen.

BYD gegen Mercedes: Beginnt jetzt der Machtwechsel am Taxistand?

Die Taxi-Offensive kommt zu einem Zeitpunkt, an dem BYD seine Präsenz auf dem deutschen Markt stark ausbaut. Nach Angaben des Herstellers wurden im ersten Quartal 2026 insgesamt 9.121 BYD-Fahrzeuge neu zugelassen. Das entsprach einem Plus von 644 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und einem Marktanteil von 1,3 Prozent. Der Seal 6 Touring erreichte im März nach BYD-Angaben den dritten Platz unter den neu zugelassenen Plug-in-Hybridmodellen.

Ob BYD tatsächlich zur neuen dominierenden Taximarke in Deutschland werden kann, ist noch offen. Der Markt ist heute stärker aufgeteilt als zu den Hochzeiten der Mercedes-Dominanz. Toyota, Volkswagen, Kia, Hyundai und weitere Hersteller bieten ebenfalls Modelle an, die für Taxi- und Mietwagenbetriebe umgerüstet werden können. Entscheidend werden nicht allein Kaufpreis und Reichweite sein. Für Unternehmer zählen vor allem Zuverlässigkeit, Reparaturkosten, Ersatzteilversorgung, Werkstattnetz, Garantiebedingungen und der Wiederverkaufswert nach mehreren Jahren intensiver Nutzung.

Dennoch zeigt die Entwicklung einen deutlichen Wandel: Mercedes überlässt ein traditionsreiches Marktsegment zunehmend externen Umrüstern und anderen Herstellern. BYD dagegen betrachtet das Taxigewerbe offenbar als strategische Möglichkeit, seine Fahrzeuge sichtbar auf die Straße zu bringen und zugleich gewerbliche Großkunden zu gewinnen. Ausgerechnet dort, wo jahrzehntelang der Stern das Bild bestimmte, könnte deshalb künftig immer häufiger das BYD-Logo zu sehen sein.

BYD-Taxis auch in Österreich

Auch auf dem österreichischen Taximarkt ist BYD bereits aktiv. Am 27. Januar 2026 kündigten BYD Austria und Uber eine Kooperation an, durch die österreichische Taxiunternehmen, die Fahrten über die Uber-App anbieten, Zugang zu vergünstigten Konditionen für vollelektrische Fahrzeuge und Plug-in-Hybride erhalten. Genannt wurden dabei der elektrische BYD Seal, der Plug-in-Hybrid Seal U DM-i sowie die Elektro-SUV Sealion 7 und Tang.

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