Helmut Kaufmann verlässt AMAG : AMAG: Überraschender Chefwechsel – CEO Helmut Kaufmann räumt vorzeitig den Posten

Helmut Kaufmann, CEO der Amag

Helmut Kaufmann (im Bild) wird als CEO und Technikvorstand vom derzeitigen Vertriebsvorstand (CSO) Victor Breguncci als CEO abgelöst.

- © Matthias Heschl

Vorzeitiger Wechsel in der Funktion des Vorstandsvorsitzenden (CEO) bei der AMAG: Helmut Kaufmann wird als CEO und Technikvorstand (COO) vom derzeitigen Vertriebsvorstand (CSO) Victor Breguncci per 1. Mai als CEO abgelöst. Das teilte die börsennotierte Firma am Donnerstag nach Börsenschluss auf Basis eines entsprechenden Beschlusses des Aufsichtsrates mit. Konkrete Gründe wurden nicht genannt. 2025 gab es einen Gewinneinbruch.

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In einer Pressemitteilung erklärte der Aluminium-Konzern, Kaufmann habe sich nach 19 Jahren im Vorstand entschlossen, sein Mandat nach der Hauptversammlung 2026 zurückzulegen und "damit eine frühzeitige interne Nachfolgelösung zu unterstützen". Breguncci ist seit 2019 Mitglied des AMAG-Vorstands, sein neuer Vertrag als CEO läuft bis Mai 2029.

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AMAG im Margendruck: Energiepreise und globaler Wettbewerb setzen Branche zu

Der Wechsel an der Spitze erfolgt in einer Phase, in der die europäische Aluminiumindustrie mit einem herausfordernden Marktumfeld konfrontiert ist. Insbesondere energieintensive Unternehmen wie AMAG stehen unter Druck durch volatile Energiepreise, geopolitische Entwicklungen und zunehmenden internationalen Wettbewerb. Diese Faktoren wirken sich auch auf die Margen der Branche aus.

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Im Vorjahr hat der energieintensive Konzern um rund ein Fünftel weniger Gewinn erzielt, der Umsatz stieg dagegen leicht an. Unterm Strich stand ein Ergebnis nach Steuern von 34 Mio. Euro - um 21,3 Prozent weniger als im Jahr davor, wurde vor zwei Wochen bekanntgeben. Der stark von der US-Handelspolitik beeinflusste Wettbewerb habe für Margenrückgänge gesorgt, strategische Flexibilität und Maßnahmen zur Stabilisierung federten die Auswirkungen etwas ab.

Das abgelaufene Jahr habe jedenfalls "ein sehr schwieriges Umfeld" geboten, es habe sich von Quartal zu Quartal verändert, berichtete Vorstands- und Technikchef Kaufmann noch bei der Bilanzpressekonferenz in Wien. "Im zweiten Quartal ist Trump eingefallen, 50 Prozent auf Stahl und Aluminium einzuheben." Die AMAG habe Stabilisierungsmaßnahmen gesetzt und Ausgaben sowie Investitionen auf ein Minimum reduziert.

Luftaufnahme des AMAG-Werksgeländes 

- © Bavaria Luftbild Verlags GmbH

Neues Führungsteam bei AMAG: Interne Manager übernehmen Schlüsselrollen

Der Führungswechsel soll laut Aufsichtsrat einen geordneten Übergang innerhalb des Unternehmens sicherstellen. Mit der Bestellung des bisherigen Vertriebsvorstands Victor Breguncci zum neuen CEO setzt der Konzern bewusst auf eine interne Nachfolgelösung. Breguncci gehört dem Vorstand seit 2019 an und bringt internationale Erfahrung im Geschäftsfeld der AMAG mit. Seine Funktionsperiode als Vorstandsvorsitzender ist bis Mai 2029 festgelegt.

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Parallel dazu wurde auch die Kontinuität im Finanzressort gesichert. Finanzvorständin Claudia Trampitsch erhielt eine vorzeitige Vertragsverlängerung bis Ende 2029. Ergänzt wird das künftige Vorstandsteam durch Alexander Moser-Parapatits, der ab Mai als Chief Strategy & Innovation Officer in den Vorstand einzieht und für Strategie- und Innovationsagenden verantwortlich sein wird.

Mit dieser Neuaufstellung will der Konzern laut Aufsichtsratschef Alessandro Dazza einen Generationenwechsel im Management vollziehen und gleichzeitig Stabilität in der Unternehmensführung gewährleisten. Das künftige Vorstandsteam wird damit vollständig aus internen Führungskräften gebildet, was als Signal für Kontinuität und langfristige strategische Entwicklung gewertet wird.

Langjähriger AMAG-Manager: Kaufmann formte die Strategie des Konzerns

Helmut Kaufmann prägte die Entwicklung der AMAG über viele Jahre hinweg maßgeblich. Der promovierte Metallurge gehört dem Vorstand des oberösterreichischen Aluminiumkonzerns seit 2007 an und verantwortete lange Zeit als Technikvorstand zentrale strategische und technologische Entscheidungen des Unternehmens. Anfang 2024 übernahm er zusätzlich den Vorstandsvorsitz und führte damit die operative Leitung der AMAG. Insgesamt war Kaufmann fast zwei Jahrzehnte im Vorstand tätig und gestaltete in dieser Zeit die strategische Entwicklung sowie die technologische Ausrichtung des Unternehmens entscheidend mit. Laut Aufsichtsrat entwickelte sich die AMAG unter seiner Mitwirkung weiter in Richtung eines technologisch führenden Anbieters von Aluminium-Spezialprodukten.