Energieindustrie : Siemens Energy soll im September an die Börse - trotz allem

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Siemens kann sich der Coronakrise nicht entziehen: Nach einem schwierigen zweiten Geschäftsquartal mit einem deutlichen Gewinneinbruch hat nun auch der deutsche Konzern seine Prognose für das laufende Jahr einkassiert. Im laufenden dritten Quartal werde man eine weitere "deutliche Eintrübung des Geschäftsverlaufs" sehen, sagte Konzernchef Joe Kaeser bei der Vorlage der Geschäftszahlen. Damit werde man die "Talsohle" erreichen.

Längere "Bodenbildung" erwartet

Eine schnelle und umfassende Erholung erwartet Kaeser nicht: Er gehe von einer längeren Bodenbildung mit unterschiedlichen Entwicklungen in verschiedenen Regionen aus, sagte er. Genau wisse man aber nicht, wie lange dies dauern werde. Viele Schlüsselmärkte und Schlüsselindustrien des Konzerns seien betroffen. Dementsprechend gab Siemens auch noch keine komplette neue Prognose und äußerte sich nicht zum erwarteten Ergebnis. Beim Umsatz wurde der Ausblick von moderatem Wachstum auf einen moderaten Rückgang geändert.

Siemens Energy soll im September an die Börse

Kaeser betonte: "Wir haben trotz komplizierter Umfeldbedingungen ein robustes Quartal abgeliefert." Auch für die weiteren Herausforderungen sieht er den Konzern gerüstet. Siemens sei "wirtschaftlich stark und finanziell sehr solide aufgestellt". Sein designierter Nachfolger, Roland Busch, sagte: "Zuversichtlich macht mich auch der hohe Auftragsbestand: insgesamt 69 Milliarden Euro ohne Siemens Energy." Das Energiegeschäft soll nach wie vor bis Ende September an die Börse gebracht werden, die rechtliche Abspaltung ist bereits erfolgt.

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"Auch in der Zeit nach Corona wird es einen Wiederaufbau geben", sagte Kaeser in Anspielung auf das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren. Dabei sieht er gute Chancen für sein Unternehmen: "Wir sind weltweit führend in Automatisierung und industrieller Digitalisierung. Diese werden in Zukunft noch gefragter sein, wenn die globalen Wertschöpfungsketten neu gedacht werden." Busch ergänzte: "All die Marktentwicklungen, auf die wir schon seit langem setzen, insbesondere die Digitalisierung" würden durch die Krise beschleunigt.

Tausende in Kurzarbeit - und 9.000 offene Stellen

Aktuell muss sich Siemens allerdings noch mit der Krise auseinandersetzen. In Deutschland sind deswegen derzeit 7.400 Mitarbeiter in unterschiedlich stark ausgeprägter Kurzarbeit. Man werde mit diesem Instrument flexibel umgehen, hieß es. Kündigungen will Konzernchef Kaeser vermeiden. Das habe sowohl soziale als auch ökonomische Gründe, sagte er. Es wäre fatal, wenn man bei einem Aufschwung erst wieder nach Mitarbeitern suchen müsste. Zudem betonte Kaeser, dass Siemens 9.000 offene Stellen habe.

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Im zweiten Quartal hat Siemens knapp 700 Mio. Euro verdient

Während der Umsatz im zweiten Geschäftsquartal weitgehend stabil blieb, brach der Gewinn ein. Unter dem Strich verdiente Siemens von Jänner bis März 697 Millionen Euro, ein Rückgang von fast zwei Drittel im Vergleich zum starken Vorjahresquartal. Dabei machten sich unter anderem deutliche Verluste aus dem Energiegeschäft bemerkbar.

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Die Coronakrise ist allerdings nicht der Grund dafür, dass Siemens sein Aktienrückkaufprogramm ausgesetzt hat. Vielmehr habe das technische Ursachen im Zusammenhang mit der Trennung von Energy, sagte ein Sprecher. Nach der Abspaltung soll der Aktienrückkauf fortgesetzt werden.

Auch Sparte für mechanische Antriebssysteme soll weg

Trennen will sich Siemens zudem von seiner Tochter Flender, die mechanische Antriebssysteme herstellt, die unter anderem in Windkraftanlagen eingesetzt werden. Bis dahin ist allerdings noch Zeit: Erst die Hauptversammlung 2021 soll diesen Vorschlag annehmen. (dpa/apa/red)