"Projekt Größenwahn"

Österreicher Markus Braun wollte mit Wirecard offenbar Deutsche Bank übernehmen

Berichten zufolge hat der ehemalige Chef des Zahlungsdienstleisters Wirecard eine Übernahme des größten deutschen Finanzhauses vorbereitet - um die Löcher in den eigenen Bilanzen zu überdecken, und nebenbei den Börsenwert um Milliardenbeträge zu steigern. Ein Traum, der sich am Ende in einen Albtraum verwandelt hat.

Markus Braun wollte mit der Übernahme der DB die milliardenschweren Unebenheiten in den Bilanzen von Wirecard kaschieren - am Ende verwandelte sich dieser Plan in einen Albtraum.

Wie die britische Zeitung "Financial Times" berichtet, wollte der aus Österreich stammende ehemalige Chef und Miteigentümer des Zahlungsdienstleisters Wirecard die Deutsche Bank übernehmen. Dem hier erschienenen Bericht zufolge hatte Braun die Unternehmensberatung McKinsey beauftragt, eine solche Übernahme des mit Abstand größten deutschen Finanzhauses vorzubereiten.

Das neue Unternehmen sollte den Namen "Wirebank" tragen. Der Codename für die geplante Übernahme hieß demnach "Project Panther". Wie der deutsche Publizist Gabor Steingart schreibt, hätte dieses Projekt "mit gleichem Recht auch 'Project Größenwahn' heißen können."

Nach Berechnungen von McKinsey hätte die Übernahme den Börsenwert des früheren Dax-Konzerns Wirecard und der Deutschen Bank auf knapp 50 Milliarden Euro verdoppeln können. Dies sei jedoch nicht der entscheidende Grund gewesen für den mehr als ambitionierten Plan von Markus Braun.

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Der entscheidende Grund sei demnach eine Art "Neutralisierung" der milliardenschweren Bilanzprobleme bei Wirecard gewesen, die eine Übernahme des Finanzhauses mit sich gebracht hätte. Wie berichtet gibt es bei dem Zahlungsabwickler einen Verdacht auf systematische Bilanzfälschung, die seit mindestens fünf Jahren gedauert haben könnte. Inzwischen hat Wirecard Insolvenz angemeldet und ist aus dem Deutschen Aktienindex Dax abgestiegen. Zuletzt musste Markus Braun in Untersuchungshaft. Details: Früherer Chef von Wirecard ist nun in Haft >>

Auswirkungen auch in Österreich

Die Auswirkungen des milliardenschweren Skandals haben in den vergangenen Wochen auch die politische Landschaft in Österreich beschäftigt. Zudem finden sich auch österreichische Finanzhäuser unter den Gläubigern von Wirecard, etwa die Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien und RLB Oberösterreich. Details dazu: Die Milliarden von Wirecard sind vermutlich weg: "Ein Desaster" >>

Bei der Vorbereitung der Übernahme hat Wirecard allerdings laut "Financial Times" eine Bestätigung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG gebraucht. Diese Bestätigung über ein einwandfreies Geschäftsgebaren hat KPMG dem Unternehmen offenbar verweigert. Bald darauf meldete Wirecard Insolvenz an. Am Ende, so die Zeitung, habe sich für Markus Braun der Traum von der Übernahme der Deutschen Bank in einen Albtraum verwandelt.

(red)

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