Energie

Mur-Staustufe: Große Zweifel an der Wirtschaftlichkeit

Die Energie Steiermark will an der Mur eine neue Staustufe bauen. Gegner des Projekts haben starke Zweifel daran, dass sich das Projekt jemals rechnet - und ökologisch überhaupt sinnvoll ist. Ihren Daten nach droht hier ein "ökonomisches Desaster" und eines der unwirtschaftlichsten Wasserkraftprojekte Österreichs.

Wasserkraft Energieversorger WWF Energie Steiermark

Die Gegner der geplanten Murstaustufe in Graz-Puntigam lassen nicht locker: Vertreter von Umweltschutzorganisationen, darunter WWF und "Rettet die Mur", legen eine Studie vor, die für das Bauvorhaben ein "ökonomisches Desaster" voraussagt. Die von der Energie Steiermark AG geplante Staustufe wäre eines der unwirtschaftlichsten Wasserkraftprojekte Österreichs, heißt es in dem Papier. Bei der Energie Steiermark verwies man u.a. auf die positive UVP.

"Eines der unwirtschaftlichsten Wasserkraftprojekte Österreichs"

Studienautor Jürgen Neubart erklärte, man habe in einem Vergleich mit 60 österreichischen Wasserkraftanlagen ermittelt, dass das Murkraftwerk Graz mit 1,52 Euro pro kWh nicht nur überproportional hohe, sondern sogar die höchsten spezifischen Investitionskosten aufweise. "Eine Wirtschaftlichkeit kann deshalb praktisch nicht erreicht werden," sagte Neubarth. Der Studie zufolge könnte sich das Projekt noch in 50 Jahren mit einem Minus von 44,7 Mio. Euro zu Buche schlagen. Ursache dafür seien die hohen Investitionskosten von 110 Millionen Euro.

Laut WWF sei eine österreichweite strategische Planung beim Ausbau der Wasserkraft erforderlich. Es dürfte nur noch solche Vorhaben geben, die wirtschaftlich sinnvoll sind und die nicht in ökologisch hochwertige Flussstrecken eingreifen. "Trotz massiver ökologischer Bedenken des WWF gegen das Murkraftwerk Graz-Puntigam wurde in der UVP ein positiver Bescheid aufgrund des 'öffentlichen Interesses' ausgestellt", sagte WWF-Flussexperte Gebhard Tschavoll.

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Clemens Könczöl von "Rettet die Mur" erklärte, das Projekt sei unrentabel und dürfte eigentlich vom Energie Steiermark-Aufsichtsrat gar nicht beschlossen werden. "Dass die Energie Steiermark zudem versucht, Investoren zu finden, die in solch ein unwirtschaftliches Projekt investieren, zeigt, wie unseriös gehandelt wird. Selbst der Verbund zeigt kein Interesse mehr an diesem Projekt", so Könczöl.

Antrag beim Bundesrechnungshof angekündigt

Der Präsident des Verbands der Österreichischen Arbeiter-Fischerei-Vereine, Günther Kräuter, begrüßte, dass "endlich eine nachvollziehbare und aussagekräftige Wirtschaftlichkeitsstudie zur Staustufe in Graz am Tisch liegt". Die steirischen Arbeiterfischereivereine würden beim Bundesrechnungshof in Wien eine Prüfanregung einbringen, sollte das Projekt weiter verfolgt werden.

Bei der Energie Steiermark kann man die Argumentation nicht recht nachvollziehen: "Zur Erreichung der Klimaziele von Paris ist Grüner Strom ohne CO2-Ausstoß eine der wirksamsten Waffen, um die hohen Feinstaubwerte in Graz zu reduzieren", so ein Sprecher in einer Reaktion auf die Studienpräsentation. Das Wasserkraftwerk bleibe daher das Kernprojekt der Energie Steiermark.

"Wir werden in der ersten Jahreshälfte eine Bauentscheidung treffen". Mehrere Investitionspartner seien bereits dabei. Im UVP-Verfahren sei das Projekt positiv beurteilt worden.

Wald muss verschwinden

Die KPÖ Graz sah sich in ihrer ablehnenden Haltung zur Staustufe durch die Studie bestätigt. Neben der Unwirtschaftlichkeit drohe der Verlust von etwa 8.000 Bäumen bis hin zur Vernichtung zahlreicher Pflanzenarten, Fischen und Kleinlebewesen in der Stadt. Die Grazer Grünen forderten, dass sich die Stadt nicht an Investitionen für die unrentabler Murstaustufe Graz beteiligen solle. (apa/red)