Varta: Was kommt nach Apple und Porsche?
Varta steht vor dem nächsten schweren Einschnitt. Der Batteriehersteller aus Ellwangen muss sein Werk in Nördlingen schließen, weil ein zentraler Großkunde künftig keine Knopfzellen mehr dort bestellt. Rund 350 Arbeitsplätze sind betroffen, der Vertrag läuft offenbar Ende Oktober 2026 aus.
Die lange Unternehmensgeschichte von Varta spielt dabei nur noch am Rand eine Rolle. Entscheidend ist nicht die Vergangenheit als deutscher Batterie-Pionier, sondern die Frage, wie ein hochspezialisierter Standort so abhängig von einem einzelnen Kunden werden konnte. Genau diese Abhängigkeit wird nun zum Kernproblem.
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Warum Apple für Varta zum Risiko wurde
Bei dem Kunden handelt es sich Berichten zufolge um Apple. Varta produzierte in Nördlingen wiederaufladbare CoinPower-Zellen, die vor allem für kabellose Kopfhörer wie AirPods genutzt wurden. Das Werk war stark auf diese Produktion ausgerichtet – zeitweise ein Zukunftsprojekt mit großen Investitionen und hohen Erwartungen.
Doch Apple setzt bei der neuen Produktgeneration offenbar nicht mehr auf Varta, sondern auf Lieferanten aus Asien beziehungsweise China. Für Varta ist das besonders hart, weil andere Kunden die verlorenen Mengen nicht annähernd ersetzen können. Aus einem Vorzeigeauftrag wurde damit ein Klumpenrisiko.
Nördlingen, Ellwangen und die Folgen für die Standorte
Besonders betroffen ist Nördlingen. Die dortige Produktion war hoch spezialisiert und fast vollständig auf den Apple-Auftrag zugeschnitten. Genau deshalb lässt sich das Werk offenbar nicht einfach auf andere Produkte umstellen. Mit dem Wegfall des Großkunden entfällt die wirtschaftliche Grundlage des Standorts. Auch der Stammsitz in Ellwangen bleibt nicht unberührt. Dort hängen Verwaltung und vorgelagerte Bereiche ebenfalls an der Produktion in Nördlingen. Varta will zwar prüfen, ob einzelne Beschäftigte an anderen Standorten unterkommen können, doch die Möglichkeiten gelten als begrenzt. Die IG Metall kündigte bereits Widerstand an.
Porsche steigt ein – aber nicht als Retter für alles
Parallel dazu hat sich Varta nach einer schweren Krise neu aufgestellt. 2024 musste das Unternehmen ein Sanierungsverfahren einleiten, nachdem Schulden und Verluste den Konzern stark belastet hatten. In diesem Zusammenhang wurden auch neue Eigentümerstrukturen geschaffen. Porsche spielt dabei eine wichtige Rolle – allerdings vor allem mit Blick auf großformatige Batteriezellen für Hochleistungsanwendungen.
Der Porsche-Einstieg löst deshalb nicht automatisch das Problem in Nördlingen. Dort geht es um kleine Knopfzellen, nicht um Autobatterien für Sportwagen oder Elektromobilität. Der Fall zeigt vielmehr, wie riskant Spezialisierung werden kann, wenn ein Standort fast vollständig an einem einzigen Tech-Kunden hängt.