Fahrerloser Lkw : Logistikbranche: Die eigentliche KI-Revolution fährt keinen Lkw

thomas kogler Spedination GmbH

Thomas Kogler, Geschäftsführer der Spedination GmbH: In der Logistik entscheidet KI nicht erst auf der Straße, sondern schon in den Prozessen.

- © Spedination GmbH

Seit Monaten diskutiert die Logistik über autonome Lkw, Roboter und darüber, wann der erste Fahrer ersetzt wird. Das wird alles kommen. Irgendwann. Bis dahin sitzen viele Unternehmen aber noch immer vor Outlook und kopieren Informationen von einer E-Mail ins TMS. Von dort landen sie wieder in einer anderen E-Mail, anschließend auf dem Drucker, werden unterschrieben, eingescannt und am Ende stolz als Digitalisierung verkauft.

Die Revolution beginnt allerdings nicht auf der Straße, sondern im Büro. Nicht mit Robotern, sondern mit Prozessen.

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KI ersetzt nicht zuerst Menschen, sondern Verschwendung

Während viele noch darüber diskutieren, ob KI irgendwann Arbeitsplätze ersetzt, übernimmt sie längst Tätigkeiten, die gestern noch selbstverständlich zum Büroalltag gehörten. Keine spektakulären Durchbrüche. Kein fahrerloser Lkw. Sondern hunderte kleine Handgriffe, die jeden Tag Zeit kosten und so selbstverständlich geworden sind, dass sie niemand mehr hinterfragt.

Im eigenen Betrieb erleben wir das täglich. Vorgänge, für die vor zwei Jahren noch ein halber Arbeitstag eingeplant wurde, dauern heute wenige Minuten. Nicht weil unsere Mitarbeiter schneller arbeiten. Sondern weil sie aufgehört haben, Arbeiten zu erledigen, die nie ein Mensch hätte machen sollen. Der eigentliche Denkfehler lautet dabei: Viele glauben, KI spart Personal. Nein. Sie spart zuerst Verschwendung.

Der neue Wettbewerbsvorteil der Logistik heißt Produktivität

Plötzlich schafft dieselbe Mannschaft deutlich mehr. Genau das verändert nicht nur Arbeitsplätze, sondern die Kostenstruktur ganzer Unternehmen. Der größte Wettbewerbsvorteil der nächsten Jahre wird damit wahrscheinlich weder der günstigste Lkw noch das modernste TMS sein. Sondern die produktivsten Prozesse.

Vor einiger Zeit habe ich geschrieben, dass Digitalisierung ohne das richtige Geschäftsmodell nur teures Aufräumen ist. Bei KI gilt das doppelt. Schlechte Prozesse bleiben schlechte Prozesse – auch wenn sie künstlich intelligent geworden sind. Die Gewinner werden am Ende nicht diejenigen sein, die KI einkaufen. Sondern diejenigen, die den Mut haben, ihre Arbeitsweise zu verändern. Die spannendste Frage lautet für mich nicht, wann der erste fahrerlose Lkw über den Brenner fährt. Sondern warum in vielen Büros heute noch Menschen Arbeiten erledigen, die eine Maschine längst besser kann. Wer darauf erst reagiert, wenn der autonome Lkw kommt, wird vermutlich feststellen, dass der Wettbewerb schon längst vorbeigefahren ist.

Über den Autor

Thomas Kogler ist Geschäftsführer der Spedination GmbH mit Sitz in Langkampfen in Tirol. Das Unternehmen ist im Bereich Spedition, Logistik, Transport und Fracht tätig.

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