DSV Schenker Übernahme : DSV treibt Schenker-Integration voran: Mehr Umsatz, weniger Gewinn – und ein Stellenabbau in Sicht
Der dänische Logistikkonzern DSV A/S ist bei der Integration von DB Schenker einen großen Schritt weiter: Mit der vollständigen Eingliederung aller Geschäftsbereiche in Deutschland ist die organisatorische Zusammenführung beider Unternehmen weit fortgeschritten. Zum 1. Februar 2026 wurden nun auch die Bereiche Air & Sea, Fairs & Events sowie Zoll unter dem Dach der Marke DSV gebündelt. Bereits zuvor waren die Geschäftseinheiten Road und Contract Logistics übergegangen. Ziel der Vereinheitlichung ist es, Prozesse zu verschlanken, Schnittstellen zu reduzieren und das Dienstleistungsportfolio zu erweitern. Die Zusammenführung von Teams, Services und IT-Strukturen soll die Leistungsfähigkeit in der Breite stärken.
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Mehr Umsatz, weniger Gewinn: So lief das Jahr 2025 für DSV
Im Geschäftsjahr 2025 erzielte DSV einen Umsatz von 247,331 Milliarden Dänischen Kronen (DKK), was rund 33,14 Milliarden Euro entspricht. Im Vergleich zum Vorjahresumsatz von 167,106 Milliarden DKK (ca. 22,39 Milliarden Euro) entspricht das einem Anstieg von etwa 48 Prozent. Der Nettogewinn lag bei 8,095 Milliarden DKK, was rund 1,09 Milliarden Euro entspricht, und damit deutlich unter dem Vorjahreswert von 10,109 Milliarden DKK (etwa 1,36 Milliarden Euro).
„Im Jahr 2025 haben wir trotz erheblicher Herausforderungen auf dem Markt aufgrund von Handelsspannungen und makroökonomischen Unsicherheiten ein solides Finanzergebnis erzielt, das unseren Erwartungen entspricht. Während wir unsere Kunden unterstützt haben, sind wir bei der Integration von Schenker, der größten und komplexesten Integration in der 50-jährigen Geschichte von DSV, schneller als erwartet vorangekommen. Dank des bemerkenswerten Einsatzes aller Kollegen gehen wir nun davon aus, dass die Integration bis Ende 2026, nur 20 Monate nach Abschluss der Transaktion, abgeschlossen sein wird", heißt es von DSV.
Konsolidierung mit Einschnitten: DSV plant Stellenabbau
Wie DSV-Chef Jens Lund auf einer Veranstaltung der dänischen Handelskammer im letzten Jahr erklärte, soll die Integration bis Ende 2028 bis zu neun Milliarden DKK an Einsparungen bringen – umgerechnet rund 1,2 Milliarden Euro. Bereits 2026 soll die Integration zur Hälfte abgeschlossen sein, bis 2027 zu 75 Prozent.
Im Zuge dieses Umbaus kündigte Lund an, dass voraussichtlich zwischen sechs und acht Prozent der Belegschaft von einem Stellenabbau betroffen sein könnten: „Es gibt Prozesse im Schenker-System, die sehr, sehr umständlich sind und die wir deutlich besser straffen können. Typischerweise werden bei solchen Transaktionen sechs bis acht Prozent der Belegschaft gestrichen. Wir werden wohl etwas Ähnliches in diesem Fall sehen“, so Lund laut der Wirtschaftszeitung Børsen. Bei weltweit etwa 160.000 Beschäftigten entspräche das dem Abbau von bis zu 13.000 Stellen. Ein zentrales Prinzip der Personalauswahl soll dabei das sogenannte „Best Athlete“-Modell sein: Die jeweils leistungsstärksten Mitarbeitenden sollen unabhängig von ihrer Herkunft aus DSV oder Schenker übernommen werden.
Zentralisierung in Dänemark: Schenker-Standorte werden geschlossen
Die Auswirkungen der Konsolidierung zeigen sich im besonders in Dänemark. Dort werden unter anderem die bisherige Schenker-Landeszentrale in Hvidovre und das moderne Logistikzentrum im Taulov Dry Port geschlossen. Künftig wird DSV auf die eigene Zentrale in Hedehusene und das 2024 fertiggestellte Logistikzentrum in Horsens setzen. Die Anlage mit über 300.000 Quadratmetern Fläche gilt als größtes Logistikzentrum Europas. Sie wurde 2024 für über 400 Millionen Euro an den Investor Catena verkauft und von DSV langfristig zurückgemietet. „In Dänemark bilden die DSV-Strukturen das Rückgrat des künftigen Setups, da wir dort fünf- bis zehnmal größer sind als Schenker“, so Lund zum Umbau.
Transformation unter Druck: Jens Lund nennt zentrale Hürden
Jens Lund betonte im Rahmen der Transformation auch die externe Belastung durch konjunkturelle und politische Rahmenbedingungen. Auf LinkedIn schrieb er: „Wie bleiben wir wettbewerbsfähig angesichts eines Aktivitätsrückgangs, inflationsbedingter Kostensteigerungen, höherer Zinsen und eines sich wandelnden Logistikmarktes? Wir passen uns an. Wir transformieren. Wir innovieren.“ Auch kritisierte er die strukturellen Probleme innerhalb Europas, etwa bei Infrastruktur und Grenzabfertigungen. Zudem stelle die Vielzahl an Berichtspflichten – insbesondere im Bereich Nachhaltigkeit – eine zunehmende Kostenbelastung dar, ohne dass daraus immer ein tatsächlicher Mehrwert für die Unternehmen entstehe.