Wie weit der Anspruch des Unternehmens inzwischen reicht, zeigt das wachsende Produktportfolio. Helsing entwickelt nicht nur KI-Software, sondern kombiniert diese mit eigenen Hardwarelösungen für unterschiedliche militärische Einsatzbereiche. Dazu zählt unter anderem die HX-2, eine sogenannte Loitering Munition, also ein unbemanntes Wirkmittel, das vor einem Angriff im Einsatzgebiet operieren kann. Daneben arbeitet das Unternehmen an Anwendungen für die Luftverteidigung, an KI-gestützten Fähigkeiten für Kampfflugzeuge und an maritimen Systemen zum Schutz kritischer Infrastruktur.
Ein Beispiel ist die Software Centaur, die Helsing gemeinsam mit dem schwedischen Partner Saab auf einem Kampfflugzeug des Typs Gripen E demonstrierte. Dabei wurde ein KI-Agent in die Flugzeugplattform integriert, um Fähigkeiten im Luftkampf zu erproben. Das Projekt soll zeigen, wie künstliche Intelligenz künftig auch in hochkomplexen militärischen Luftfahrtsystemen eingesetzt werden kann. Noch ambitionierter ist der Vorstoß in die Entwicklung größerer unbemannter Kampfflugzeuge. Nach Darstellung Gammels reagiert Helsing damit unter anderem auf den Bedarf der deutschen Luftwaffe an weitreichenden, unbemannten Wirksystemen.
Um die dafür erforderlichen Kompetenzen im Flugzeugbau aufzubauen, entschied sich Helsing für den Erwerb des süddeutschen Luftfahrtunternehmens Grob Aircraft SE. Anstatt sämtliche Fähigkeiten von Grund auf selbst zu entwickeln, wurde damit bestehendes industrielles Know-how in die Organisation integriert. „Wir standen vor der Entscheidung, die Fähigkeit zur Flugzeugentwicklung selbst aufzubauen oder ein Unternehmen zu kaufen. Wir haben uns entschieden, ein Unternehmen zu kaufen“, erläutert Gammel. Die technologische Dimension sei erheblich: Während kleinere Drohnen und Loitering-Munition-Systeme vergleichsweise überschaubare Plattformen darstellen, erfordert die Entwicklung eines strahlgetriebenen unbemannten Kampfflugzeugs eine deutlich komplexere industrielle Organisation. Gammel spricht von einem sogenannten Collaborative Combat Aircraft, kurz CCA, das gemeinsam mit bemannten Plattformen eingesetzt werden kann. Für ein entsprechendes Entwicklungsprogramm nennt er einen Zeitraum von lediglich 24 Monaten vom Projektbeginn bis zum geplanten Erstflug. Ein Ziel, das sich nach seinen Angaben auch deshalb erreichen lasse, weil Helsing bereits entwickelte KI- und Autonomietechnologien in neue Plattformen übertragen könne.