Titane der Fertigung : Die 10 spektakulärsten Industriemaschinen der Welt
Die JU88000 von Haitian gilt als größte Spritzgießmaschine weltweit und sprengt mit ihren Ausmaßen alle Rekorde.
- © HaitianDie größte Spritzgießmaschine der Welt
Die Haitian JU88000 ist ein Monument menschlicher Ingenieurskunst und die mit Abstand größte je gebaute Spritzgießmaschine. Mit einer Schließkraft von 88.000 Kilonewton und einem Einspritzvolumen von 134.000 Kubikzentimetern dominiert sie eine Dimension, die andere Hersteller nur anstreben können. Ihre gigantische Aufspannplatte misst 5.560 × 4.920 × 1.990 Millimeter, wiegt 138 Tonnen und ist größer als mancher Einfamilienhaus-Grundriss. Die gesamte Maschine erstreckt sich über 27,2 × 9,5 × 6,1 Meter und bringt 800 Tonnen auf die Waage.
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Sie wurde für das französische Unternehmen Belli SAS gebaut, das damit große Kunststoffteile für Gartenmöbel und Freizeitartikel produziert. Ein Team von neun Haitian-Ingenieuren benötigte fünf Wochen für die Inbetriebnahme. Mit dieser Maschine können Teile hergestellt werden, die mit konventionellen Spritzgießmaschinen unmöglich wären, weshalb sie ein echter Game-Changer für die Kunststoffindustrie ist.
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Die größte Fräsmaschine der Welt
Die Profimill 3 von WaldrichSiegen ist die Krone der Präzisionsfrästechnik. Mit einem Bearbeitungsraum von 7.776 Kubikmetern, was etwa der Grundfläche von 32 Zwei-Zimmer-Wohnungen entspricht, ist sie die größte Werkzeugmaschine der Welt. Die Portalfräsmaschine kann Werkstücke bis 500 Tonnen bearbeiten und verfügt über einen maximalen Verfahrweg von 30 Metern auf der X-Achse, 13 Metern auf der Y-Achse und 4 Metern auf der Z-Achse.
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Sie wird hauptsächlich für die Bearbeitung von Motorblöcken von Schiffsdieselmotoren, Gehäusen von Flugzeugtriebwerken und riesigen Maschinenrahmen eingesetzt. Die vollhydrostatische Konstruktion aller Achsen garantiert spielfreie Präzision und eine nahezu unbegrenzte Lebensdauer. Dies ist eine technische Meisterleistung, die Deutschland als Hochlohnland rechtfertigt und neue Maßstäbe in der Präzisionsfertigung setzt.
Der Mega-Muldenkipper im E-Zeitalter
Mit einer Nutzlast von bis zu 240 Tonnen und einem revolutionären Batterieantrieb ist der Liebherr T 264 Battery Electric der Prototyp nachhaltigen Bergbaus im XXL-Format. Die Maschine wird auf der Bauma 2025 als absolute Neuheit präsentiert und übertrifft die bisherige Dieselgeneration sowohl in den Betriebsstunden pro Ladezyklus als auch in den Gesamtbetriebskosten um bis zu 50 Prozent.
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Ein 3.200-kWh-Akku, der der Energie von 30 Luxuslimousinen-Batterien entspricht, ermöglicht volle Tagesschichten im Tagebau. Eine Hochleistungsladung mit sechs Megawatt macht die Maschine in etwa einer Stunde wieder einsatzbereit. Diese elektrische Variante des legendären T 264 steht für den Wandel in der schweren Bergbauindustrie – weg vom reinen Dieselantrieb, hin zu hybriden und vollständig elektrischen Systemen. Im autonomen Betrieb mit Teleoperation über 5G-Netze setzt der T 264E bereits heute den Standard für die Minentechnik der 2030er Jahre.
Der 700-Tonnen-Elektrobagger
Der Komatsu PC7000-11E ist der weltweit größte elektrisch betriebene Hydraulikbagger und stellt einen Meilenstein in der Bergbautechnik dar. Mit einem Betriebsgewicht von rund 700 Tonnen und einer Schaufel mit einem Fassungsvermögen von 44 Kubikmetern verfügt diese Maschine über eine Grabkraft von 3,5 Millionen Newton – das entspricht der Kraft von mehr als 300 Pferden. Der elektrische Antrieb mit Hochspannungsverbindung reduziert die CO₂-Emissionen um bis zu 95 Prozent im Vergleich zum dieselbetriebenen Pendant und senkt die Betriebskosten um mindestens 40 bis 50 Prozent.
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Die Hochfrequenzsteuerung und das intelligente Operator-Assist-System optimieren in Echtzeit die Schaufelladungen und den Materialfluss, während die künstliche Intelligenz den Verschleiß der Schaufelzähne vorhersagt. Auf der Bauma 2025 wurde der PC7000-11E als symbolisches Meisterwerk der Green-Manufacturing-Strategie von Komatsu präsentiert – als Botschaft, dass industrielle Megaleistung keine Emissionsmonster mehr sein muss.
Indiens größte Tunnelbohrmaschine
Für das prestigeträchtige Mumbai Coastal Road Project North wurden zwei Herrenknecht-Tunnelbohrmaschinen mit einem Durchmesser von jeweils 15,62 Metern gefertigt – die größten TBMs, die Indien jemals eingesetzt hat. Diese technologischen Meisterwerke durchbohren verwitterten Basalt mit Druckfestigkeiten von bis zu 150 Megapascal unter Überdeckungen von 13 bis 23 Metern. Mit einer Vorschubkraft von über 200 Megapascal (das entspricht dem Gewicht von 20.000 Autos) graben sich diese Maschinen automatisiert durch Felsgestein.
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Parallel werden zwei 3,1 Kilometer lange Tunnelabschnitte gegraben, um die Stadtteile Versova und Dahisar an der Westküste Mumbais zu verbinden. Das Projekt verkürzt die Fahrtzeiten für Millionen indischer Pendler um 70 Prozent und ist eine Investition in nachhaltige urbane Infrastruktur. Es zeigt, wie deutscher Maschinenbau globale Städteentwicklung ermöglicht. Mit dieser Auftragsvergabe bleibt Herrenknecht weltweiter Marktführer im TBM-Bau und ist auch auf dem indischen Subkontinent ein Garant für Qualität „Made in Germany”.
Portal-Bearbeitungszentrum in Megadimension
Das Powertec-Gantry von Waldrich Coburg ist nach dem Gantry-Portal von DMG MORI das zweite Größenwunder in der Welt der Zerspanungstechnik. Es verfügt über einen Bearbeitungsraum von 3.600 Kubikmetern. Das Portal-Bearbeitungszentrum verfügt über eine Spannlänge von 36 Metern, eine Fräsbreite von zehn Metern und eine Durchgangshöhe von ebenfalls zehn Metern. Es ist dimensioniert für die Bearbeitung von Flugzeugrumpfsegmenten, Schiffsgetriebehäusern und industriellen Großkomponenten.
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Die X-Achse verfügt über einen Verfahrweg von 36 Metern und kann auf Kundenwunsch noch länger erweitert werden. Diese Maschine verkörpert mit ihrer präzisen Steuerung, hydraulischen Ausstattung und monumentalen Bauweise deutsche Ingenieurskunst. Sie wird hauptsächlich in der Luft- und Raumfahrtindustrie, im Schiffbau und in der Energiewirtschaft eingesetzt, denn nur solche Giganten können die immer größer werdenden Komponenten moderner Systeme bearbeiten. Die Powertec-Gantry ist ein Symbol dafür, dass Präzision und Größe sich nicht ausschließen.
Der Industrielle 3D-Drucker mit einem Kubikmeter Bauraum
Der BigRep ONE revolutioniert die additive Fertigung durch seinen großen Maßstab. Mit einem Bauraum von etwa 1,15 × 1,0 × 1,19 Metern – das entspricht nahezu einem Kubikmeter – ist er der größte Serien-3D-Drucker der Welt. Er wurde 2013 vom Künstler Lukas Oehmigen in Berlin entwickelt. Im Gegensatz zu Desktop-3D-Druckern, die Objekte in Zentimetern anfertigen, druckt der BigRep ONE funktionale Prototypen, Werkzeuge, Formen und End-Use-Teile in Originalgröße. So können beispielsweise ein Stuhl, Autoteile oder industrielle Gehäuse in einem einzigen Druckvorgang entstehen.
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Der Drucker nutzt das wirtschaftliche FDM-Verfahren (Fused Deposition Modeling) und reduziert die Kosten um bis zu 90 Prozent gegenüber traditionellen subtraktiven Verfahren. Er ist mit zwei Extrudern ausgestattet und kann unterschiedliche Materialien und Farben kombinieren. Die BigRep-Serie wird weltweit von BMW, Ford und anderen Schwergewichten der Industrie für das Rapid Manufacturing eingesetzt – ein Beweis, dass die additive Fertigung nicht nur für Prototypen, sondern auch für die echte Produktion geeignet ist.
Monument der österreichischen Ingenieurkunst
Die ENGEL duo 5500 combi M ist die weltweit größte technische Spritzgieß-Demonstrationsmaschine. Mit einer Schließkraft von 55.000 kN und monumentalen Abmessungen von 32 m Länge, 13 m Breite und 6,8 m Höhe setzt diese Maschine neue Maßstäbe im XXL-Kunststoffspritzguss. Ihre Aufspannplatte misst 3.500 × 3.500 Millimeter und kann Werkzeuge mit einem Gesamtgewicht von bis zu 150 Tonnen aufnehmen. Das Schussgewicht variiert dabei zwischen einem und 40 Kilogramm und ermöglicht somit die Verarbeitung von Teilen mit äußerst unterschiedlichen Anforderungen, wie filigrane Innenraumteile, massive Batteriewannen für Elektrofahrzeuge, dünnwandige Gehäuse und hochkomplexe, mehrkavitätige Werkzeuge.
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Die Maschine ist mit drei Spritzeinheiten (Schneckendurchmesser 150, 170 und 190 mm) ausgestattet und ermöglicht Multi-Komponenten-Spritzgussprozesse. Ein besonderes Merkmal ist, dass die duo 5500 combi M von 14 hochmodernen HB-Therm-Temperiergeräten mit drehzahlgeregelten Pumpen versorgt wird. Diese ermöglichen Energieeinsparungen bis 80 Prozent und garantieren eine homogene Temperaturverteilung – was bei Großbauteilen essenziell ist, um Verzug zu vermeiden. Die Maschine wurde im ENGEL-Technikum in St. Valentin errichtet und steht Kunden, OEMs und Werkzeugbauern weltweit zur Evaluation neuer Technologien in bisher unerreichten Dimensionen zur Verfügung.
Der vollelektrische Radlader der Zukunft
Der XCMG XC975EV steht für die Transformation der chinesischen Baumaschinenbranche. Mit einem Betriebsgewicht von 24,5 Tonnen ist dieser vollelektrische Radlader nicht nur eine Baumaschine, sondern auch ein Vorbote des emissionsfreien Bergbaus und der Baustelle der Zukunft. Ein 43-kWh-Akku ermöglicht eine Arbeitszeit von acht bis zwölf Stunden pro Ladung und eine Schnellladung mit 320 Kilowatt füllt die Batterie in 70 bis 80 Minuten. Das innovative Drei-Motor-Konzept ohne Getriebe sorgt für Direktantrieb und ein gleichmäßiges Fahrverhalten bei deutlich reduzierten Wartungsanforderungen.
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Die neue Fahrerkabine mit 360-Grad-Kamera, Joystick-Lenkung und Waagensystem ermöglicht ein effizienteres Arbeiten. Dieser Radlader steht nicht nur für technische Innovation, sondern zeigt auch, dass sich die globale Marktführerschaft verschiebt: Während die Baumaschinenindustrie früher ein deutsches und japanisches Monopol war, erobert China mit innovativen und günstigen Alternativen zunehmend Marktanteile. Der XC975EV wird aktuell auf der Green Mountain Europe präsentiert und beweist, dass Zero-Emission auch in der Schwerlastindustrie bezahlbar wird.
Das größte bewegliche Arbeitsgerät der Welt
Mit einer Länge von 502 Metern, einer Höhe von 80 Metern und einer Breite von 240 Metern ist die F60 die größte bewegliche Arbeitsmaschine der Welt. Sie wird im deutschen Tagebau Hambach eingesetzt. Täglich transportiert sie bis zu 90.000 Tonnen Erde und Gestein, um Braunkohle freizulegen. Diese Kapazität entspricht der Leistung von 3.000 großen Lastwagen. Das System funktioniert als integriertes Abraumförder-Baggersystem: Während eine Seite mit gigantischen Schaufeln gräbt, kippt die andere Seite das Material ab.
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Die gesamte Konstruktion bewegt sich mit wenigen Zentimetern pro Stunde vorwärts und folgt dabei den Kohleflözen wie ein präzises Uhrwerk. Die von ThyssenKrupp entwickelte F60 verkörpert extremes Bergbau-Engineering: Sie benötigt eine Stromversorgung von 25 Millionen Watt – genug für eine Stadt mit 50.000 Einwohnern – und wird zunehmend zum Relikt einer auslaufenden Ära. Mit dem deutschen Kohleausstieg im Jahr 2038 werden diese Maschinen zu Symbolen einer verschwindenden Industrie, doch die Ingenieurskunst, die in ihnen steckt, wird ewig bleiben.